- 997-ccm-V4 mit über 210 PS (rund 154 kW) und einem Gewicht von unter 200 kg (441 lbs)
- Aktive Aerodynamik mit Winglets, die sich je nach Fahrsituation zwischen 0 und 90 Grad verstellen
- Gemessene GPS-Spitze von 196,2 mph (rund 316 km/h), das bislang schnellste chinesische Motorrad
Die CFMoto V4SR-RR hat im Windkanal von Pininfarina bei Turin einen weiteren Entwicklungsschritt genommen. Das erste komplett neu entwickelte V4-Superbike aus China setzt auf bewegliche Winglets und zielt auf den Kreis der etablierten Sportmaschinen.
CFMoto arbeitet sichtbar weiter an seinem Aushängeschild im Sportbereich. Der Hersteller zeigt in einem kurzen Video, wie ein Prototyp der V4SR-RR im Windkanal von Pininfarina nahe Turin getestet wird. Die Aufnahmen zeigen das Motorrad sowohl in Geradeausfahrt als auch in Schräglage, jeweils mit einer Puppe im Sattel, die den Einfluss des Fahrers auf die Luftströmung nachbildet. Damit rückt ein Detail in den Mittelpunkt, das die V4SR-RR von vielen anderen Sportmotorrädern unterscheidet: die aktive Aerodynamik.
Was macht CFMoto im Windkanal von Pininfarina?
CFMoto stimmt dort die Aerodynamik der V4SR-RR ab, insbesondere das Verhalten der beweglichen Winglets. Der Test läuft sowohl bei aufrechter Fahrt als auch in Schräglage, sodass sich das Zusammenspiel aus Anpressdruck und Luftwiderstand in verschiedenen Fahrlagen erfassen lässt. Im veröffentlichten Video sind die Flügel zwar nicht in Bewegung zu sehen, der verstellbare Mechanismus vom ersten Prototyp bleibt aber erhalten.
Der Standort hat eine besondere Bedeutung für die Motorradgeschichte. Dort entwickelte BMW 1975 den Prototyp, aus dem die 1977 vorgestellte R100RS hervorging. Sie gilt als erstes in Serie gebautes Straßenmotorrad mit voller, fest stehender Verkleidung, die den Luftwiderstand senken und den Komfort verbessern sollte. Rund ein halbes Jahrhundert später wird an gleicher Stelle an einer Technik gefeilt, die genau diesen Grundgedanken weiterdreht.
Wie funktioniert die aktive Aerodynamik der V4SR-RR?
Die Winglets an der Front verstellen ihren Anstellwinkel automatisch und passen sich in Echtzeit an Tempo und Fahrsituation an. Der Hersteller beschreibt das Ziel so, dass die Flügel bei hohem Tempo Anpressdruck liefern und bei geringem Bedarf den Luftwiderstand niedrig halten. Beide Seiten lassen sich unabhängig voneinander bewegen.
Wie das im Detail geschieht, geht aus Patentunterlagen von CFMoto hervor. Jedes Winglet sitzt auf einem Drehlager, das die Kräfte aufnimmt. Eine Schubstange verbindet den Flügel mit einem elektrischen Stellmotor, der ihn dreht. Am gezeigten Prototyp stützt zusätzlich eine zweite Halterung auf halber Länge den Flügel ab, damit er sich unter der Last nicht verbiegt.
Für die Winkel nennt das Patent klare Bereiche. Beim Beschleunigen bleibt das Winglet flach, bei mehr als 0 und weniger als 10 Grad, um den Luftwiderstand gering zu halten. Bei hohem Tempo steigt der Winkel auf 10 bis 20 Grad, um das Anheben des Vorderrads zu bremsen und die Stabilität zu sichern. Beim Bremsen klappen die Flügel auf 45 bis 90 Grad und erhöhen so den Druck auf das Vorderrad sowie den Luftwiderstand, was zusätzlich verzögert, bevor sich das Motorrad nach vorn aufstellt.
Hinzu kommt die Reaktion auf die Schräglage. Über die inertiale Messeinheit erkennt die Steuerung, wenn sich das Motorrad in die Kurve legt, und kann beide Winglets unterschiedlich anstellen. In der Theorie soll das helfen, leichter in die Kurve einzulenken, mehr Anpressdruck aufzubauen und die Luftströmung so zu lenken, dass die Front in die Kurve gezogen wird.
Auch an die Serienfertigung ist gedacht. Da der Stellmotor das teuerste Bauteil ist, schützt CFMoto ihn laut Patent auf drei Wegen: Der Flügelweg ist mechanisch begrenzt, ein selbsthemmendes Schneckengetriebe verhindert, dass sich der Motor von außen bewegen lässt, und die Schubstange ist bewusst schwächer ausgelegt als der Motor. Wer den Flügel von Hand bewegt, beschädigt so eher die günstige Stange als den teuren Antrieb.

Welche Leistung und welches Gewicht hat die V4SR-RR?
Der 997-ccm-V4 leistet laut Hersteller über 210 PS (rund 154 kW), das Gewicht liegt unter 200 kg (441 lbs). Daraus ergibt sich ein Verhältnis von mehr als einem PS pro Kilogramm, ein Wert, den bisher nur wenige Sportmotorräder erreichen. Laut Medienberichten ist für die Prototypform von rund 212 PS (etwa 156 kW) die Rede.
Dazu kommen weitere Bauteile aus dem oberen Regal. Die Abgasanlage aus Titan von Akrapovič soll bereits die Norm Euro 5+ erfüllen, was auf einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand hindeutet. Für die Straßenlage sorgt ein halbaktives, elektronisch geregeltes Fahrwerk, ergänzt um ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen.
Wie schnell ist die CFMoto V4SR-RR?
Ein Prototyp erreichte eine GPS-gemessene Spitze von 196,2 mph, umgerechnet rund 316 km/h. Damit ist die V4SR-RR nach Angaben des Herstellers das bislang schnellste in China gebaute Motorrad mit Verbrennungsmotor. Die Messung entstand auf dem Testgelände in Shangrao.
Zur Einordnung: Viele Hersteller halten sich bei Serienmaschinen an die freiwillige Begrenzung von 300 km/h (186 mph), die um die Jahrtausendwende üblich wurde. Auf dem Papier hat die V4SR-RR sogar weniger Hubraum und Leistung als manche Konkurrenz. Die Ducati Panigale V4 kommt auf 1.103 ccm und 216 PS, die Aprilia RSV4 Factory auf 1.099 ccm und 220 PS. Im Serienzustand liegen beide bei rund 186 beziehungsweise 189 mph. Dass die V4SR-RR trotz geringerer Nennleistung nahe an die Marke von 200 mph herankommt, spricht dafür, dass die aktive Aerodynamik einen spürbaren Anteil daran hat. Das absolute Spitzentempo bleibt weiter der aufgeladenen Kawasaki Ninja H2R mit rund 249 mph vorbehalten.

Aufbau, Fahrwerk und die beiden Prototypen
Beim Aufbau geht CFMoto einen konsequenten Weg. Ein klassischer Hauptrahmen fehlt offenbar, stattdessen dient der Motor als tragendes Element. Die Schwinge aus Aluminium ist direkt am hinteren Zylinderkopf und am Getriebe verschraubt. Einen ähnlichen Ansatz nutzt Ducati bei der Panigale V4 mit einem Aluminiumrahmen für den Lenkkopf.
Gezeigt wurden bislang zwei Varianten. Ein schwarz-silbernes Ausstellungsmodell trägt Bremszangen von Brembo in MotoGP-Ausführung. Ein getarnter Fahrprototyp mit der Kennung „Proto 5“ wirkt näher an der Serie, denn er nutzt Brembo-Hypure-Zangen, besitzt einen Seitenständer, eine leicht veränderte Bugverkleidung sowie verstellbare Fußrasten, die sich in Langlöchern verschieben lassen.
Die Wurzeln des Projekts reichen weiter zurück. Erste Patente zu einem V4 mit über 200 PS tauchten bereits 2023 auf, 2024 zeigte CFMoto den Motor neben einer Studie, und Ende 2025 folgte die komplette V4SR-RR. Bewegliche Winglets waren zuvor schon angekündigt worden, etwa bei der Bimota KB998 Rimini. In Aktion zu sehen war die Technik jedoch zuerst bei CFMoto.
Wann kommt die CFMoto V4SR-RR auf den Markt?
Die Serienversion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorgestellt werden, ein Serienmodell wird für 2027 erwartet. Als mögliche Bühnen gelten die Messe CIMA im September in China oder die EICMA im November in Mailand. Preise nennt CFMoto bislang nicht.
Parallel dazu verfolgt der Hersteller offenbar den Einstieg in die Superbike-Weltmeisterschaft, möglicherweise schon 2027. Die V4SR-RR steht damit für einen doppelten Anspruch: ein sportliches Serienmotorrad und zugleich die Grundlage für ein mögliches Renngerät. Sie fügt sich in einen breiteren Trend ein, bei dem chinesische Marken in die oberste Leistungsklasse drängen und die aktive Aerodynamik zum nächsten technischen Wettbewerbsfeld wird.

Häufige Fragen
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Wie viel PS hat die CFMoto V4SR-RR?
Die CFMoto V4SR-RR leistet laut Hersteller über 210 PS (rund 154 kW) aus einem 997-ccm-V4. In Medienberichten ist für den Prototyp von rund 212 PS die Rede. Das Gewicht liegt unter 200 kg (441 lbs).
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Wie funktioniert die aktive Aerodynamik der V4SR-RR?
Die Winglets verstellen ihren Winkel automatisch je nach Tempo und Fahrsituation. Beim Beschleunigen bleiben sie flach für wenig Luftwiderstand, bei hohem Tempo und beim Bremsen klappen sie bis zu 90 Grad auf, um Anpressdruck und Verzögerung zu erhöhen. Über die inertiale Messeinheit können beide Seiten in der Kurve unterschiedlich arbeiten.
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Wie schnell ist die CFMoto V4SR-RR?
Ein Prototyp erreichte eine GPS-gemessene Spitze von 196,2 mph, also rund 316 km/h. Damit gilt sie als bislang schnellstes in China gebautes Motorrad mit Verbrennungsmotor. Der Wert entstand auf dem Testgelände in Shangrao.
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Wann kommt die CFMoto V4SR-RR auf den Markt?
Die Serienversion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 gezeigt werden, ein Serienmodell wird für 2027 erwartet. Als mögliche Termine gelten die CIMA im September oder die EICMA im November. Einen Preis hat CFMoto noch nicht genannt.
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Startet CFMoto mit der V4SR-RR in der Superbike-WM?
Ein Einstieg in die Superbike-Weltmeisterschaft gilt als wahrscheinlich, möglicherweise bereits 2027. Offiziell bestätigt ist der Termin bisher nicht.












