- Ducati gehört zu den rund 600 Gesellschaften, die Volkswagen aus etwa 2.000 Beteiligungen überprüft
- 2025 kam die Marke auf 925 Millionen Euro (rund 1,08 Milliarden US-Dollar) Umsatz, 52 Millionen Euro (rund 60,6 Millionen US-Dollar) operativen Gewinn und 50.895 Auslieferungen
- Bloomberg Intelligence beziffert den Unternehmenswert auf etwa 1,25 Milliarden Euro (rund 1,46 Milliarden US-Dollar), das bislang einzige bekannte Angebot liegt bei 2,5 Milliarden Euro (rund 2,91 Milliarden US-Dollar)
Monatelang bestand die Debatte um Ducati aus Analystenschätzungen, anonymen Hinweisen und Stellungnahmen, die einen Verkauf weder bestätigten noch ausschlossen. Anfang September hat sich das geändert. Erst bestätigte Ducati-Chef Claudio Domenicali, dass der Eigentümer die Beteiligung neu bewertet, dann äußerte sich mit Gernot Döllner erstmals ein Konzernmanager öffentlich dazu. Allerdings zweimal und mit deutlich unterschiedlicher Botschaft.

Was hat Audi-Chef Gernot Döllner zu Ducati gesagt?
Döllner hat am 7. September eine Frist von zwei bis drei Jahren genannt und einen Tag später erklärt, Ducati sei Teil des laufenden Bewertungsprozesses. Beide Male betonte er, dass nichts entschieden sei.
Der italienischen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore sagte er am 7. September: „No decision will be taken in the next two or three years.“ Übersetzt heißt das: In den nächsten zwei oder drei Jahren werde keine Entscheidung getroffen. Das klang nach Entwarnung und wurde in Italien auch so verstanden.
Am 8. September sagte derselbe Mann der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Within the Volkswagen Group, we are committed to a disciplined, responsible portfolio management. It’s part of the evaluation process that we’ll also talk about Ducati, but nothing has been decided.“ Auf Deutsch: „Innerhalb des Volkswagen-Konzerns setzen wir auf ein diszipliniertes und verantwortungsvolles Portfoliomanagement. Es ist Teil des Evaluierungsprozesses, dass wir auch über Ducati sprechen werden, aber es ist noch nichts entschieden.“
Von der Frist steht in der zweiten Aussage kein Wort mehr. Aus einer Perspektive von mehreren Jahren wird ein Prozess, der bereits läuft. Was sich zwischen beiden Terminen geändert hat, ist öffentlich nicht bekannt, weder Audi noch Volkswagen haben das erklärt. Möglich ist, dass beides gemeint war, also eine Prüfung jetzt und eine Entscheidung erst in einigen Jahren. Gesagt hat es in dieser Form niemand.
Bemerkenswert ist bei beiden Varianten weniger, was gesagt wurde, sondern was fehlt. Bei einer Marke, die der Konzern unbedingt behalten will, wäre ein klares Dementi der naheliegende Weg. Stattdessen nennt der zuständige Vorstand Ducati beim Namen und ordnet sie in einen Prüfprozess ein. Im Sommer hatte Audi einem italienischen Kaufinteressenten noch knapp geantwortet: „Ducati Motor Holding S.p.A. is currently not for sale“. Übersetzt bedeutet das, die Ducati Motor Holding stehe derzeit nicht zum Verkauf.
Warum prüft Volkswagen ausgerechnet jetzt sein Beteiligungsportfolio?
Der Konzern braucht Geld für seinen Umbau und will sein Beteiligungsportfolio deshalb um etwa ein Drittel verkleinern. Der Aufsichtsrat hat den entsprechenden Plan am 4. September einstimmig gebilligt.
Das Paket heißt Zukunftsplan 2030. Überprüft werden dafür rund 600 von etwa 2.000 Gesellschaften. Herauskommen sollen bis zu 15 Milliarden Euro (rund 17,5 Milliarden US-Dollar) an frei verfügbaren Mitteln. Das Geld fließt nach Konzernangaben in Elektromobilität, eigene Softwareplattformen und die laufende Restrukturierung. Für die Jahre 2027 bis 2031 sind rund 135 Milliarden Euro (etwa 157 Milliarden US-Dollar) an Investitionen eingeplant. Parallel sollen weltweit etwa 50.000 Stellen wegfallen und die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen. Zusammen mit einem früheren Programm summiert sich der geplante Abbau damit auf rund 100.000 Stellen bis zum Ende des Jahrzehnts.
Dieser Beschluss ist der eigentliche Auslöser. Das Nein aus dem Sommer war damit hinfällig, und zwar nicht wegen Ducati, sondern wegen einer Entscheidung in Wolfsburg. Zwei Tage später bestätigte Domenicali in Bologna, dass die Marke zu den Beteiligungen gehört, die neu bewertet werden.

Was bedeutet das Prinzip „Necessity-to-own“ für Ducati?
Volkswagen behält Beteiligungen nur dann, wenn sie für das automobile Kerngeschäft strategisch, betrieblich oder rechtlich notwendig sind. Dieser Filter heißt im Konzern „Necessity-to-own“, also Notwendigkeit des Besitzes.
Für Ducati ist genau das der kritische Punkt. Die Marke verdient Geld, trägt aber weder eine Fahrzeugplattform noch Software zum Autogeschäft bei, an dem sich der Umbau ausrichtet. Ein Motorradhersteller mit eigener Entwicklung, eigener Produktion in Bologna und einem eigenen Rennsportprogramm lässt sich nach diesem Maßstab schwer als notwendig begründen. Ducati gehört seit 2012 über Audi zum Konzern und bildet gemeinsam mit Bentley und Lamborghini die sogenannte Progressive Brand Group.
Der Konzern verkauft längst
Dass es sich nicht um eine Fleißaufgabe der Strategieabteilung handelt, zeigen die vollzogenen Transaktionen. Am 10. September hat Porsche den Verkauf seiner Anteile an Bugatti Rimac und an der Rimac Group abgeschlossen. Käufer ist ein Konsortium um den New Yorker Investor HOF Capital, rund eine Milliarde Euro (etwa 1,17 Milliarden US-Dollar) fließt dafür an Porsche. Der Volkswagen-Konzern ist bei Bugatti damit vollständig draußen.
Im Juni hatte Volkswagen bereits den Verkauf von 51 Prozent an der Schiffsmotorensparte Everllence vereinbart, Erlös rund 7,4 Milliarden Euro (etwa 8,6 Milliarden US-Dollar), inzwischen von der EU genehmigt. Audi selbst hat 60 Prozent des Designhauses Italdesign an die amerikanische Firma UST abgegeben, die restlichen 40 Prozent bleiben über Lamborghini im Konzern.

Wie steht Ducati wirtschaftlich da?
Ducati arbeitet weiter mit Gewinn, die Richtung stimmt allerdings nicht. 2025 standen 925 Millionen Euro (rund 1,08 Milliarden US-Dollar) Umsatz und 52 Millionen Euro (rund 60,6 Millionen US-Dollar) operativer Gewinn in den Büchern, das entspricht einer Umsatzrendite von 5,6 Prozent.
Im Jahr davor waren es noch gut eine Milliarde Euro (rund 1,17 Milliarden US-Dollar) Umsatz und 91 Millionen Euro (etwa 106 Millionen US-Dollar) operativer Gewinn, also rund neun Prozent Rendite. Der Gewinn ist damit binnen eines Jahres um knapp 43 Prozent eingebrochen. Auch die Stückzahlen gehen zurück: 50.895 ausgelieferte Motorräder im Jahr 2025 nach rund 54.500 im Vorjahr, ein Minus von sieben Prozent. Audi nennt dafür vier Gründe, nämlich eine schwächere Nachfrage, härteren Wettbewerb sowie negative Effekte aus Wechselkursen und US-Zöllen.
Zwei weitere Zahlen erklären, warum Ducati im Konzern trotzdem eine kleine Position bleibt. Von allem, was die Audi-Gruppe umsetzt, steuert die Marke knapp 1,4 Prozent bei, vom operativen Ergebnis rund 1,5 Prozent. Hinzu kommt ein interner Maßstab: Volkswagen-Chef Oliver Blume hat für den Konzern bis 2030 eine Rendite von neun Prozent ausgegeben. Daran gemessen lag Ducati 2024 mit etwa neun Prozent noch genau richtig und 2025 mit 5,6 Prozent deutlich darunter.
Was ist Ducati wert und wie passt das Angebot über 2,5 Milliarden Euro dazu?
Michael Dean, Analyst bei Bloomberg Intelligence, beziffert den Unternehmenswert auf Basis vergleichbarer Firmen auf rund 1,25 Milliarden Euro (etwa 1,46 Milliarden US-Dollar). Die italienische Finanzgesellschaft Patritalia hat nach eigenen Angaben 2,5 Milliarden Euro (rund 2,91 Milliarden US-Dollar) geboten, also ungefähr das Doppelte.
Diese Lücke ist der auffälligste Teil des Vorgangs. Patritalia hat sein Angebot nach eigener Darstellung am 25. Juni 2026 bei den zuständigen Stellen von Audi und Volkswagen eingereicht, in bar und für 100 Prozent der Ducati Motor Holding. Einen Nachweis, dass dieses Geld vorhanden ist, hat die Gesellschaft bislang nicht öffentlich vorgelegt. Bekannt war das Unternehmen vor diesem Vorgang praktisch nicht, es hat sich zum Ziel gesetzt, italienische Marken zurück unter italienische Kontrolle zu bringen.
Angekündigt ist außerdem, dass unter Patritalia von der Moto3 bis in die Königsklasse nur noch italienische Fahrer für die Marke antreten sollen. Dazu veröffentlichte das Unternehmen Bilder von Rennmaschinen in Patritalia-Lackierung, die allerdings von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden und keine echten Fotos sind. Ducati hat seine Titel zuletzt mit den schnellsten verfügbaren Fahrern geholt, unabhängig vom Reisepass. Ein rein italienisches Aufgebot wäre ein Bruch mit dieser Linie.
Solange keine unabhängige Prüfung vorliegt, bleiben die 2,5 Milliarden Euro eine Absichtserklärung und kein Marktpreis. Sie zeigen aber, in welcher Größenordnung ein Käufer überhaupt antreten müsste.

Wie reagiert die Politik in Italien?
Die italienische Regierung hat sich unmittelbar eingeschaltet und will den Vorgang begleiten. Wirtschaftsminister Adolfo Urso telefonierte bereits am 5. September mit Domenicali und ließ anschließend mitteilen, die Regierung werde alle verfügbaren Mittel nutzen, damit dieses Vermögen des Landes weiter Erfolge feiern könne.
Es blieb nicht beim Telefonat. Der Präsident der Region Emilia-Romagna, Michele de Pascale, fordert einen Gesprächstisch im Ministerium und verlangt, die Regierung solle genau prüfen, wer als Käufer überhaupt in Frage kommt. Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore lud die drei Metallgewerkschaften Fiom Cgil, Fim Cisl und Uilm Uil für den 11. September ins Palazzo d’Accursio, den Sitz der Stadtverwaltung. Der Chef der Fiom will sich zudem mit der IG Metall abstimmen.
Am Stammsitz in Borgo Panigale arbeiten rund 1.800 Menschen. Einige von ihnen hat die Lokalpresse befragt: Ein italienischer Unternehmer als Eigentümer wäre den meisten recht, vor einem chinesischen oder indischen Käufer und vor reinen Finanzinvestoren haben sie Sorge, und die Jahre unter Audi beschreiben sie als gut. Praktisch heißt das, dass ein Käufer nicht nur Geld braucht, sondern auch politische Rückendeckung in Italien. Das verkleinert den Kreis der möglichen Interessenten.
Welche Alternativen zu einem Verkauf hält Volkswagen offen?
Neben einem Komplettverkauf sind zwei weitere Wege im Gespräch: ein Teil-Börsengang oder mehr Eigenständigkeit für Ducati. Beide Varianten würden Kapital freisetzen, ohne die Marke vollständig abzugeben.
Bei einem Teil-Börsengang könnte Volkswagen einen Minderheitsanteil an der Börse platzieren, Geld einnehmen und die Kontrolle behalten. Mehr Autonomie würde bedeuten, dass Ducati stärker als eigenständige Einheit geführt wird, was einen späteren Verkauf technisch einfacher machen würde. Ein Bieterverfahren gibt es bislang nicht, ebenso wenig ein offizielles Mandat zur Käufersuche. Ducati gehört weiterhin zu 100 Prozent der Audi AG.

Wie reagiert Ducati selbst auf die Prüfung?
Domenicali hat die Neubewertung bestätigt und zugleich betont, dass keine endgültige Entscheidung vorliegt. Er äußerte sich am 6. September am Rande eines Termins in Bologna.
Sein Zitat lautet: „We are aware of the shareholder’s plan to reassess its holdings. Ducati is one of these holdings, but there has been no final decision on Ducati yet: it is one of the evaluations ongoing.“ Übersetzt heißt das: „Uns ist der Plan des Anteilseigners bekannt, seine Beteiligungen neu zu bewerten. Ducati ist eine dieser Beteiligungen, aber es gibt noch keine endgültige Entscheidung zu Ducati, es ist eine der laufenden Prüfungen.“
Anlass des Termins war die Vorstellung der Ausstellung „Ducati 100 – A Century on Display“ im Palazzo d’Accursio, also in demselben Gebäude, in das der Bürgermeister wenige Tage später die Gewerkschaften einlud. Die Schau gehört zum hundertjährigen Bestehen der Marke. Domenicali beschrieb das Unternehmen dort als „very healthy and solid“, also als sehr gesund und solide, und sagte, er sehe für Borgo Panigale keinen „particularly complicated horizon“, also keinen besonders schwierigen Horizont.
Was ändert sich für Ducati-Fahrer?
Kurzfristig nichts. Modellpflege, Händlernetz und Rennsportprogramm laufen unverändert weiter, und das Jubiläumsjahr wird durchgezogen.
Geändert hat sich trotzdem die Ausgangslage. Eine profitable Marke mit hundertjähriger Geschichte muss sich neuerdings dafür rechtfertigen, dass sie für ein Autogeschäft nicht gebraucht wird. Ein Verkauf wäre deshalb kein Notverkauf, sondern das Gegenteil: Ducati ist gerade deshalb interessant, weil sich die Marke gut zu Geld machen lässt, wenn der Konzern Liquidität braucht.
Damit fügt sich der Vorgang in die Entwicklung ein, die den Volkswagen-Konzern durch das gesamte Jahr 2026 begleitet. Der Umbau erreicht inzwischen auch Töchter, die betriebswirtschaftlich keinen Anlass zur Sorge geben. Ob ein neuer Eigentümer Entwicklungsbudget, Teileversorgung und MotoGP-Programm in dieser Form weiterführen würde, sagt bisher niemand. Diese Frage wird erst beantwortet, wenn feststeht, ob überhaupt verkauft wird.

Häufige Fragen
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Ist der Ducati Verkauf 2026 beschlossen?
Nein. Audi-Chef Gernot Döllner hat in beiden Interviews ausdrücklich erklärt, dass nichts entschieden sei. Ducati gehört weiterhin zu 100 Prozent der Audi AG, ein Bieterverfahren oder ein offizielles Verkaufsmandat gibt es nicht.
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Warum steht Ducati überhaupt auf dem Prüfstand?
Volkswagen überprüft rund 600 von etwa 2.000 Beteiligungen und will das Portfolio um ein Drittel straffen. Maßstab ist das Prinzip „Necessity-to-own“: Beteiligungen bleiben nur, wenn sie für das automobile Kerngeschäft strategisch, betrieblich oder rechtlich notwendig sind. Ein Motorradhersteller erfüllt dieses Kriterium nur schwer.
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Wie viel ist Ducati wert?
Bloomberg Intelligence schätzt den Unternehmenswert auf rund 1,25 Milliarden Euro (etwa 1,46 Milliarden US-Dollar). Das bislang einzige bekannte Angebot liegt mit 2,5 Milliarden Euro (rund 2,91 Milliarden US-Dollar) etwa doppelt so hoch, stammt aber von einem vorher unbekannten Unternehmen und ist bis heute nicht durch einen Kapitalnachweis belegt.
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Wie viel Umsatz macht Ducati?
2025 lag der Umsatz bei 925 Millionen Euro (rund 1,08 Milliarden US-Dollar), der operative Gewinn bei 52 Millionen Euro (rund 60,6 Millionen US-Dollar). Die Umsatzrendite betrug 5,6 Prozent nach rund neun Prozent im Vorjahr, die Auslieferungen sanken auf 50.895 Motorräder.
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Welche Rolle spielt die italienische Regierung?
Wirtschaftsminister Adolfo Urso hat angekündigt, alle verfügbaren Mittel nutzen zu wollen, und bereits mit der Ducati-Spitze telefoniert. Region, Stadt Bologna und die Metallgewerkschaften haben sich ebenfalls eingeschaltet. Ein Käufer bräuchte damit nicht nur Kapital, sondern auch politische Rückendeckung in Italien.












