- Die 450er leistet 63,8 PS (46,9 kW) bei 10.000/min, die 250er dreht bis 14.500/min
- Eine WP-Federgabel mit geschlossener Kartusche ersetzt die bisherige Luftgabel
- Händlerstart ab November 2026, in Italien ab 12.690 Euro
Die Factory Edition ist seit Jahren die schärfste Serienversion der Motocross-KTM. Sie nimmt die normale SX-F, packt Werksteile und Rennoptik dazu und macht daraus ein Motorrad, das ohne großen Umbau an den Start gehen kann. Für das Modelljahr 2027 geht KTM einen Schritt weiter: Die beiden neuen Factory Editions sind nicht nur aufgewertete Serienmodelle, sondern die ersten Motorräder einer komplett neuen Generation. Vorgestellt hat sie KTM-Chef Gottfried Neumeister am Messestand in Mailand. Für KTM ist es die Rückkehr auf die EICMA, nachdem der Hersteller 2025 gar nicht vertreten war. Die bisherige Generation der SX-F stammt aus dem Jahr 2023 und wurde zuletzt 2025 überarbeitet.

Was ist an den KTM SX-F Factory Editions 2027 neu?
Neu ist fast alles: Rahmen, Schwinge, Gabel, Federbein, Motor, Elektronik, Auspuff, Ergonomie und Verkleidung. KTM spricht von einer neuen Plattform, die gemeinsam mit dem Werksteam Red Bull KTM Factory Racing über mehrere Jahre entwickelt wurde.
Erste Teile dieser Technik waren in den vergangenen zwei Jahren bereits an Prototypen zu sehen. Die Rückmeldungen der Werksfahrer aus der Motocross-WM (MXGP) und der US-Serie AMA SuperMotocross sind direkt in die Serie eingeflossen. Die 450er basiert auf dem Motorrad, das unter anderem Andrea Adamo im Rennen fährt. Einige Lösungen hat auch Jorge Prado schon im Wettbewerb eingesetzt. Beide Modelle teilen sich Fahrwerk, Ergonomie und Elektronik. Die größten Unterschiede liegen beim Motor.
Warum kehrt KTM zur klassischen Federgabel zurück?
KTM verabschiedet sich bei der neuen Generation von der Luftgabel und setzt wieder auf eine Gabel mit mechanischer Feder. Laut Hersteller dämpft sie gleichmäßiger, hält das Vorderrad besser am Boden und reagiert berechenbarer, wenn sich die Strecke im Laufe eines Rennens verändert.
Konkret handelt es sich um eine 48 Millimeter dicke WP XACT Upside-down-Gabel mit geschlossener Kartusche. Bei dieser Bauweise arbeitet das Dämpfungssystem in einer abgeschlossenen Einheit. Die bisherige Luftgabel war am Ventil oben an der Gabel zu erkennen, über das der Druck eingestellt wurde. Getestet wurde die neue Gabel laut KTM von Hobbyfahrern bis hinauf zur Weltmeisterschaft.
Auch das Federbein von WP ist überarbeitet. Es bekommt eine neue Einstellung für die Druckstufe bei schnellen Einfederbewegungen, also etwa bei harten Schlägen oder Landungen. Dazu kommt eine geänderte Umlenkung. Alle Einstellschrauben an Gabel und Federbein sollen gut zugänglich sein. Am Messestand war zudem eine Variante mit elektronisch einstellbarem Fahrwerk zu sehen, bei der sich verschiedene Abstimmungen direkt am Lenker wählen lassen.

Leichterer Rahmen, neue Schwinge und schmalere Linie
Der Rahmen bleibt ein Stahlrahmen aus Chrom-Molybdän, ist aber leichter und hat eine neue Geometrie. Steuerkopf, Motoraufnahmen und die Steifigkeit wurden geändert, ebenso die obere Aufnahme des Federbeins. Der Motor sitzt 2,3 Millimeter höher im Rahmen. Damit will KTM die Massen besser in der Mitte des Motorrads bündeln, was das Handling ausgewogener machen soll.
Das neue Heck aus Aluminium wiegt nur 1,23 kg (2,7 lbs). Laut KTM ist es das leichteste Heck, das der Hersteller bisher gebaut hat. Neu ist auch die Schwinge aus Aluminiumguss, deren Flexverhalten auf den neuen Rahmen abgestimmt ist. Über den geänderten Kettenspanner lässt sich der Radstand um 5 Millimeter verlängern. Die gefrästen Gabelbrücken bieten einen verstellbaren Versatz zwischen 22 und 24 Millimetern. Zusammen ergeben sich damit mehr Möglichkeiten, das Motorrad an Strecke und Fahrer anzupassen.
Spürbar sein soll die neue Generation auch beim Sitzen und Stehen. Die Verkleidung ist schmaler, an den Knien gibt es mehr Auflagefläche, und die Sitzbank ist neu. Die Fußrasten haben eine neue Oberfläche für mehr Grip. Der Lenker von NEKEN ist leichter und lässt sich in zwei Positionen montieren.
Beim Gewicht ist der Unterschied bei der 450er überschaubar. Ohne Kraftstoff wiegt sie 105,6 kg (232,8 lbs), die Factory Edition des Modelljahrs 2026 kam auf 106,4 kg (234,6 lbs). Die 250er bringt 103 kg (227,1 lbs) auf die Waage.
Wie stark ist die KTM 450 SX-F Factory Edition 2027?
Die 450er leistet 63,8 PS (46,9 kW) bei 10.000/min und erreicht 52 Nm (38,4 lb-ft) bei 7.000/min. Laut KTM stand bei der Entwicklung aber nicht die reine Spitzenleistung im Vordergrund, sondern eine Kraft, die sich leichter dosieren lässt.
Dafür hat KTM den Zylinderkopf, die Ansaugung und die Kurbelwelle überarbeitet. Neu ist eine sogenannte Top-Feed-Einspritzung: Eine Einspritzdüse sitzt weiter oben im Ansaugtrakt. So haben Kraftstoff und Luft mehr Zeit, sich zu mischen, bevor sie in den Brennraum gelangen. Der Drosselklappenkörper von Keihin misst weiterhin 44 Millimeter, hat aber eine versetzte Düse. Mehr Drehmoment im unteren Drehzahlbereich und ein direkteres Ansprechen am Gas sollen das Ergebnis sein.
Der Auspuff ist komplett neu und hat bei der 450er drei Resonanzkammern. Er soll die Leistung breiter verteilen und gleichzeitig die neue Lärmgrenze von 109 dB der FIM und der AMA einhalten. Im Getriebe hat KTM die Übersetzung zwischen zweitem und drittem Gang geändert. Das soll beim Herausbeschleunigen aus Kurven helfen und in langsamen Passagen seltener ein Zurückschalten nötig machen.

Was ändert sich am Motor der 250 SX-F Factory Edition?
Die 250er bekommt den größeren Umbau. Ovaler Drosselklappenkörper, ovale Einlasskanäle, Top-Feed-Einspritzung und ein komplett neuer Ventiltrieb machen aus ihr laut KTM den stärksten Viertakt-Motocrosser mit 250 cm³, den es in Serie gibt.
Die Verdichtung steigt auf 15,5:1. Der Drehzahlbegrenzer greift erst bei 14.500/min, also bei dem Wert, mit dem auch die Werksfahrer in der MXGP und der AMA SuperMotocross unterwegs sind. Eine konkrete Leistungsangabe für die 250er nennt KTM nicht. Der Auspuff hat hier zwei Resonanzkammern und hält ebenfalls die 109-dB-Grenze ein. Auch bei der 250er sitzt der Motor 2,3 Millimeter höher im Rahmen.
Elektronik, Getriebe und Schaltung
Ein neues Motormanagement verarbeitet die Daten der Sensoren schneller und mit weiterentwickelten Berechnungen. Zündung, Einspritzung und die Kennfelder für jeden einzelnen Gang lassen sich damit genauer steuern. Neu ist eine Klopfregelung, die den Motor schützen und gleichzeitig eine schärfere Abstimmung erlauben soll.
Das Getriebe ist leichter, aber stabiler. Eine neu gestaltete Schaltwalze senkt die nötige Kraft am Schalthebel. Der Quickshifter, mit dem sich ohne Kupplung hochschalten lässt, schaltet dank der neuen Elektronik schneller und weicher.

Welche Werksteile hat die Factory Edition ab Werk?
Die Factory Edition kommt mit einem umfangreichen Paket aus Rennteilen direkt vom Händler. Dazu gehören Werks-Gabelbrücken, eine Startvorrichtung und ein Laufradsatz mit Felgen von EXCEL Takasago, neu angeordneten Speichen und orange eloxierten, gefrästen Naben.
Außerdem sind ab Werk montiert: eine goldene Rennkette und ein oranges Kettenrad, eine schwimmend gelagerte Wave-Bremsscheibe vorn mit Schutz, ein Kupplungsdeckel von Hinson, Rahmenschützer und ein Motorschutz. Die Sitzbank trägt einen Bezug von Selle Dalla Valle, die Griffe stammen von ODI und lassen sich ohne Kleber montieren. Optisch fallen der orange Rahmen und das Design des Werksteams auf.
Viele Details zielen auf die Arbeit im Fahrerlager. Einstellpunkte sind deutlich markiert, und Hinweise zur Wartung sind direkt am Motorrad angebracht. Der Betriebsstundenzähler sitzt jetzt an einer besser erreichbaren Stelle. Die Gabelschützer haben eine neue Befestigung, damit sie sich nicht verdrehen und die Dichtringe nicht berühren. Markierungen helfen beim Einstellen der Startvorrichtung. Der neue Luftfilterkasten soll besser vor Staub, Schlamm und Wasser schützen. Über eine seitliche Klappe bleibt der Luftfilter schnell erreichbar. Auch die Kühlung ist verbessert.
Bei den Bremsen von Brembo gibt es hinten neue Beläge, die sanfter zupacken und ein Blockieren des Hinterrads zu Beginn des Bremsens seltener machen sollen. Die Spitze des Fußbremshebels lässt sich um 5 Millimeter nach vorn oder hinten verschieben, passend zur Stiefelgröße.
Welche Rolle spielen die Factory Editions für die SX-Modelle 2028?
Die neuen Factory Editions sind die Vorschau auf die künftige Motocross-Palette von KTM. Ihre Technik soll die Grundlage für alle SX-Modelle des Modelljahrs 2028 bilden.
Damit erklärt sich auch der ungewöhnliche Weg: Statt die neue Generation zuerst in der normalen SX-F zu bringen, startet sie in der teuersten Version. Die Factory Editions dienen außerdem als Basis für die Homologation der Motorräder, mit denen die KTM-Werksfahrer in der kommenden Saison in den USA antreten. Homologation bedeutet hier, dass ein Motorrad in einer bestimmten Stückzahl verkauft werden muss, damit seine Technik im Rennen zugelassen ist.
Parallel hat die Schwestermarke Husqvarna auf der EICMA die FC 450 Factory Edition mit derselben Technik gezeigt, allerdings mit weißem Rahmen und eigenem Auspuff von Akrapovič. Weitere Neuerungen für die Enduro-Modelle hat KTM bei der Präsentation angedeutet, aber noch nicht gezeigt. Am 6. November geben die Werksfahrer Andrea Adamo und Andrea Verona am KTM-Stand in Halle 22 Autogramme. Einen Überblick über alle weiteren Premieren der Messe und das gesamte Modelljahr 2027 gibt es in den Übersichten zur EICMA 2026 und zu den neuen Motorrädern 2027.

Was kosten die KTM SX-F Factory Editions 2027?
In Italien kostet die 450 SX-F Factory Edition 13.390 Euro (circa 14.970 US-Dollar), die 250 SX-F Factory Edition 12.690 Euro (circa 14.190 US-Dollar). Beide Modelle sollen ab November 2026 bei den KTM-Vertragshändlern stehen.
In Großbritannien liegen die Preise bei 9.649 Pfund (circa 11.580 Euro / 12.940 US-Dollar) für die 450er und 8.899 Pfund (circa 10.680 Euro / 11.930 US-Dollar) für die 250er. Für Deutschland verweist KTM bei Preis und Verfügbarkeit an die Händler und die nationale Vertretung. Die Verfügbarkeit kann je nach Land unterschiedlich sein, KTM will die Factory Editions aber in mehr Märkten anbieten als bisher.
Für alle Offroad-Modelle ab dem Modelljahr 2027 gibt KTM eine Herstellergarantie von bis zu einem Jahr. Voraussetzung ist, dass das Motorrad bestimmungsgemäß genutzt und alle vorgeschriebenen Wartungen bei einem KTM-Vertragshändler gemacht werden.

Häufige Fragen
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Was kostet die KTM Factory Edition 2027?
In Italien kostet die 450 SX-F Factory Edition 13.390 Euro und die 250 SX-F Factory Edition 12.690 Euro. In Großbritannien sind es 9.649 Pfund und 8.899 Pfund. Für Deutschland verweist KTM an die Händler.
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Wie viel PS hat die KTM 450 SX-F Factory Edition 2027?
Die 450er leistet 63,8 PS (46,9 kW) bei 10.000/min. Das maximale Drehmoment liegt bei 52 Nm bei 7.000/min.
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Hat die neue KTM SX-F noch eine Luftgabel?
Nein. Die Factory Editions 2027 nutzen eine 48 Millimeter dicke WP-XACT-Gabel mit mechanischer Feder und geschlossener Kartusche. Sie ersetzt die bisherige Luftgabel.
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Wann kommen die KTM SX-F Factory Editions 2027 zu den Händlern?
Beide Modelle sollen ab November 2026 bei den KTM-Vertragshändlern erhältlich sein. Die Verfügbarkeit kann je nach Land unterschiedlich sein.
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Bekommt die normale KTM SX-F die neue Technik auch?
Ja, das ist geplant. Die Technik der Factory Editions 2027 soll die Grundlage für alle SX-Modelle des Modelljahrs 2028 bilden.












