- Nach dem Sprintsieg in Motegi liegt Márquez nur noch 2 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Jorge Martin.
- Sein rechter Arm erreicht laut seinem Chirurgen rund 50 Prozent der vollen Leistungsfähigkeit.
- Nach eigener Aussage vermeidet Márquez starke Schwankungen beim Adrenalin, um über das Wochenende Kraft zu sparen.
Es war ein ungewohntes Bild für viele Fans. Bei den letzten beiden Sprintrennen der MotoGP-Saison 2026, in Österreich und in Japan, stand Marc Márquez auf dem Podium und wirkte dabei fast regungslos. Kein breites Grinsen, kein Jubel, kaum eine Geste. Schnell machten Spekulationen die Runde, ob der Ducati-Werksfahrer verärgert sei. Die Erklärung ist aber eine andere, und sie hat viel mit seiner Schulter, dem dichten Rennkalender und dem engen Titelduell mit Aprilia zu tun.

Warum jubelt Marc Márquez nach seinen Sprintergebnissen nicht?
Márquez jubelt nicht, weil er nach eigener Aussage Energie sparen will. Gemeint ist nicht nur die körperliche Kraft, sondern vor allem die Belastung durch ständige Gefühlsschwankungen.
Nach dem Sprintsieg in Motegi wurde er direkt auf sein ernstes Auftreten angesprochen. Seine Antwort fiel knapp aus: „I’m not being serious, I’m saving energy“ („Ich bin nicht ernst, ich spare Energie“). Er erklärte, dass ihn nicht das Lachen selbst müde mache. Anstrengend seien vielmehr die Wechsel zwischen Hoch und Tief. Ein Sieg ändere deshalb nichts an seiner Haltung, er bleibe einfach konzentriert.
Schon in der Woche vor dem Japan-GP hatte er gegenüber spanischen Medien betont, dass er auf dem Podium in Spielberg keineswegs verärgert gewesen sei. Er habe sein Ziel im Sprint erreicht und sich danach bewusst ruhig verhalten, um Kraft für das lange Rennen am Sonntag zu sammeln. Wenn Lächeln oder lautes Lachen Energie koste, bleibe er lieber ernst.
Was hat Adrenalin mit dem Kraftverlust zu tun?
Laut Márquez kostet jeder Adrenalinschub später Kraft, weil auf jede Spitze ein Absturz folgt. Sein Ziel ist es deshalb, die Kurve so flach wie möglich zu halten.
Er beschreibt den Ablauf so: Im Qualifying steigt das Adrenalin stark an, danach fällt es wieder ab. Im Sprint am Nachmittag wiederholt sich das Ganze. Genau dieses Auf und Ab koste viel Energie. Körperlich sei ein Rennwochenende dagegen gut zu bewältigen, weil die Fahrer darauf vorbereitet sind. Ein Testtag in Malaysia ist nach seinen Worten in dieser Hinsicht sogar deutlich härter.
Der Samstag gilt seit der Einführung der Sprintrennen im Jahr 2023 als der stressigste Tag des Wochenendes. Am Vormittag steht das Qualifying an, am Nachmittag der Sprint. Und schon am Freitag müssen die Fahrer voll angreifen, denn nur die besten Zehn des Trainings ziehen direkt in den zweiten Teil des Qualifyings ein, kurz Q2. Hinzu kommen Termine mit Medien und Fans. Márquez wies darauf hin, dass all das nicht im Fernsehbild zu sehen sei. Selbst nach der Siegerehrung stehe man noch schwitzend im Rennanzug bei den Interviews. Diese Belastungen summierten sich, seine Aufgabe sei es, die Kräfte von Donnerstag bis Sonntag einzuteilen.

Welche Rolle spielt die Verletzung an der rechten Schulter?
Die Schulter ist der eigentliche Grund für den neuen Ansatz. Laut seinem Chirurgen erreicht der rechte Arm derzeit rund 50 Prozent seiner vollen Leistungsfähigkeit.
Die jüngste Operation an der rechten Schulter war eine direkte Folge des Sturzes beim Grand Prix von Indonesien im vergangenen Jahr. Damals hatte Marco Bezzecchi ihn beim Start abgeräumt. Der rechte Arm wird beim Fahren einer MotoGP-Maschine besonders stark belastet und ist zugleich der Körperteil, der bei Márquez über die Jahre die meisten Verletzungen und Eingriffe hinter sich hat.
Nach der Operation musste er sein Training und seine gesamte Vorbereitung neu ausrichten. Frühere Umstellungen hatten sich vor allem um den Körper gedreht. Diesmal geht der Wandel weiter und betrifft auch den Umgang mit Emotionen. Ab dem Sommer, ungefähr zur Zeit des Grand Prix von Großbritannien im August, hatte die Genesung der Schulter einen Stand erreicht, an dem kaum noch große Fortschritte zu erwarten sind. Seitdem steht für ihn im Mittelpunkt, seine Energie von Freitag bis Sonntagnachmittag bestmöglich einzuteilen.
Wie hat sich das Energiesparen im Laufe der Saison entwickelt?
Kräfte einzuteilen war für Márquez schon vor dem Sommer ein Thema, damals allerdings vor allem auf der Strecke. Beim Grand Prix in Brno im Juni sprach er offen darüber, dass es der einzige Weg sei, das Wochenende zu überstehen.
In Tschechien fuhr er im Training teilweise nur vier schnelle Runden am Vormittag und vier am Nachmittag. Ein perfektes Wochenende sei so nicht möglich, räumte er ein, aber: „it’s the only way I can survive the weekend“ („es ist der einzige Weg, wie ich das Wochenende überstehen kann“). Nach dem dritten Platz im Sprint, bei 55 Grad Asphalt- und 35 Grad Lufttemperatur, sagte er außerdem, dass ihm ohne weitere Fortschritte nicht mehr viele Jahre im Rennsport blieben.
Wie schwer ihm das Zurückhalten fällt, zeigte das erste Training in Brno. Márquez setzte dort die Bestzeit, bezeichnete das hinterher aber als sinnlos. Er habe zu viel Kraft verbraucht und dafür am Nachmittag bezahlt, lieber wäre er Zehnter geworden. Ducati-Teammanager Davide Tardozzi riet ihm später davon ab, noch einen weiteren schnellen Versuch zu fahren. Márquez erklärte dazu, dass sein Instinkt kaum zu bremsen sei, sobald er das Visier schließt. In einer Linkskurve nahm er bewusst Tempo heraus, um Kraft für die Rechtskurven zu sparen, die seinen rechten Arm stärker fordern.
Auch abseits der Strecke setzt er Prioritäten. Vor dem Grand Prix von Großbritannien ließ er eine Fanveranstaltung in London aus, an seiner Stelle trat Diogo Moreira auf. Ein sechsstündiger Termin an einem Donnerstag sei nicht ideal für die körperliche Verfassung eines Fahrers, begründete er damals. In Motegi schickte er beim Kartrennen am Sonntagvormittag einen Doppelgänger, weil er seine Schulter kühlte. Zuvor hatte er das auf 20 Minuten verlängerte Warm-up genutzt, um den harten Hinterreifen zu testen, den bis dahin niemand gefahren war und den später die meisten Fahrer im Rennen wählten.

Wie steht Márquez im WM-Kampf gegen Jorge Martin?
Nach dem Wochenende in Japan liegt Márquez nur noch 2 Punkte hinter Jorge Martin. Zuvor hatte er im Saisonverlauf mehr als 100 Punkte Rückstand aufgeholt.
In Motegi gelang ihm sein siebter Sprintsieg der Saison und sein fünftes Double aus Sprint und Hauptrennen, das vierte in den vergangenen sechs Rennwochenenden. Nach dem Sprint in Österreich, wo er hinter Martin Zweiter wurde, betrug der Abstand noch 3 Punkte. Als ernsthafte Gegner im Titelkampf gelten die beiden Aprilia-Fahrer Martin und Bezzecchi.
Trotz des Energiesparens gibt sich Márquez offensiv. Vor dem Japan-GP erklärte er, dass die Phase der Schadensbegrenzung vorbei sei: „From now on, it’s all about attacking“ („Ab jetzt geht es nur noch ums Angreifen“). Nur wenn wie am Sonntag in Österreich ein technisches Problem auftrete, damals an der Bremse, müsse man retten, was zu retten sei. Ein Drittel der Meisterschaft stehe noch aus, und jeder Punkt zähle. Insgesamt kämpft er um seinen zehnten WM-Titel, den achten in der Königsklasse. Sein Leben werde dieser Titel nicht verändern, sagt er, auch wenn er noch nie so viele Opfer für ein Ziel gebracht habe.
Was bedeutet das neue Wochenendformat 2027 für Márquez?
Ab 2027 soll es ein eigenes Qualifying für den Sprint geben. Wie sich das mit Márquez‘ Strategie verträgt, ist noch offen.
Im Hintergrund baut Liberty Media die Strukturen der MotoGP Sports Entertainment Group, kurz MGPSEG, um. Ziel ist laut den Verantwortlichen, die Serie als Spektakel stärker in Szene zu setzen. Dazu gehören Aktionen wie das Kartrennen in Motegi. Für einen Fahrer, der jeden Adrenalinschub dosieren will, bedeutet eine zusätzliche Session mehr Belastung. Kurzfristig steht aber zunächst der Grand Prix von Indonesien in Mandalika an, an dem Ort, an dem Márquez noch nie einen Grand Prix beendet hat und an dem er sich im vergangenen Jahr die Schulterverletzung zuzog.

Häufige Fragen
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Warum jubelt Marc Márquez auf dem Podium nicht?
Márquez jubelt nicht, weil er nach eigener Aussage Energie sparen will. Ihn ermüde nicht das Lachen, sondern das Auf und Ab der Gefühle. Nach jedem Adrenalinschub folge ein Tief, und genau das versucht er zu vermeiden.
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Wie fit ist die Schulter von Marc Márquez?
Laut seinem Chirurgen erreicht der rechte Arm rund 50 Prozent seiner vollen Leistungsfähigkeit. Die Verletzung stammt vom Sturz in Indonesien im vergangenen Jahr. Seit dem Sommer gilt die Genesung als weitgehend abgeschlossen, große Fortschritte werden nicht mehr erwartet.
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Wie viele Punkte liegt Márquez hinter Jorge Martin?
Nach dem Grand Prix von Japan liegt Márquez 2 Punkte hinter Jorge Martin. Mit seinem fünften Double der Saison hat er den Rückstand weiter verkürzt. Zuvor hatte er mehr als 100 Punkte aufgeholt.
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Warum fuhr Márquez nicht beim Kartrennen in Motegi mit?
Márquez kühlte zu diesem Zeitpunkt seine Schulter und schickte stattdessen einen Doppelgänger. Den Arm hatte er zuvor im auf 20 Minuten verlängerten Warm-up zusätzlich belastet. Nach seinen Worten müsse man in dieser Phase egoistisch sein und die Leistung für die Rennen aufheben.












