- Ab der TT 2027 sind Supertwin-Maschinen nicht mehr startberechtigt, die Klasse fährt komplett nach Sportbike-Reglement
- Technik und Balance of Performance orientieren sich an der britischen National Sportbike Championship, kleine Anpassungen für den Mountain Course bleiben erlaubt
- Der Manx Grand Prix behält sein bisheriges Reglement und lässt Supertwins 2027 weiter starten
Die Veranstalter der Tourist Trophy haben am 10. September 2026 bestätigt, dass die Sportbike TT ab 2027 vollständig nach Sportbike-Reglement ausgetragen wird. Damit endet die schrittweise Umstellung, die 2024 begonnen hat. Zwischendurch gab es im Frühjahr 2025 ein Beteiligungsverfahren mit Teams, Fahrern und weiteren Beteiligten, 2026 fuhren dann erstmals Sportbike-Maschinen gemeinsam mit den etablierten Supertwins. Die Klasse gehört seit 2012 in ihrer Supertwin-Form zum Programm, zunächst unter dem Namen Lightweight TT. Für die TT 2027, die vom 31. Mai bis zum 12. Juni läuft, ist es nach der Neuordnung der Gespanne die zweite große Regeländerung innerhalb weniger Tage.

Warum beendet die Isle of Man TT die Supertwin-Klasse?
Die Organisatoren nennen drei Gründe: Kosten, Chancengleichheit und das Interesse der Hersteller. Nach ihrer Darstellung war das Supertwin-Reglement die letzte Klasse der TT mit echter technischer Freiheit, und genau diese Offenheit hat die Kosten nach oben getrieben.
Wer vorne mitfahren wollte, brauchte laut der offiziellen Mitteilung entweder Sondermaschinen in Kleinserie oder aufwendige Eigenentwicklungen. Beides ist teuer. Das Sportbike-Reglement setzt dagegen engere Grenzen und soll so die Kosten für Aufbau und Betrieb senken, gerade für Privatfahrer ohne großes Budget. Dazu kommt die Balance of Performance, kurz BoP. Dabei werden unterschiedliche Maschinen über technische Vorgaben aneinander angeglichen, damit Zweizylinder, Dreizylinder und Vierzylinder trotz unterschiedlicher Bauart ähnlich schnell sind.
Ed Wilson, Head of Sport der Isle of Man TT Races, spricht von einem logischen nächsten Schritt. Die Supertwin-Klasse habe gute Rennen und bemerkenswerte Technik hervorgebracht, sich aber immer weiter vom seriennahen Rennsport entfernt, und der hohe Entwicklungsaufwand sei zu einer echten Einstiegshürde geworden. „Moving to Sportbike gives us a much more relevant and sustainable platform“, so Wilson, auf Deutsch: „Der Wechsel zu Sportbike gibt uns eine deutlich relevantere und nachhaltigere Grundlage.“
Ein weiterer Punkt ist das Interesse der Industrie. Nach Angaben der Veranstalter hat die neue Ausrichtung mehrere große Hersteller angezogen, von denen sich einige bereits direkt bei Teams und in der Klasse engagieren. Bei den Supertwins war dieses Engagement zuletzt spürbar zurückgegangen.
Welche technischen Regeln gelten ab der TT 2027?
Technisches Reglement und BoP der Sportbike TT entsprechen ab 2027 der National Sportbike Championship in Großbritannien. Wer dort startet, kann dieselbe Maschine ohne Umbau auch auf der Insel einsetzen.
Diese Angleichung ist der Kern der Umstellung. Sie schafft durchgehende technische Kontinuität zwischen Kurzstreckenmeisterschaft und Straßenrennsport. Weil der Snaefell Mountain Course mit 37,73 Meilen (circa 60,7 Kilometer) und seinen langen Vollgaspassagen aber andere Anforderungen stellt als ein Rundkurs, sind kleine TT-spezifische Änderungen erlaubt. Sie betreffen vor allem Verkleidung und Frontpartie und sollen den Fahrern mehr Windschutz geben. Dieselbe Herangehensweise gilt bereits in der Superstock-Klasse.
Dave Hagen, Technical Director der Isle of Man TT Races, begründet den Verzicht auf eine eigene TT-Formel damit, dass ein erprobtes Regelwerk übernommen werde statt ein neues zu erfinden. Die Kombination aus festen Regeln und BoP soll den Vorteil teurer Entwicklung verkleinern, sodass Vorbereitung und Fahrerleistung stärker über das Ergebnis entscheiden. Außerdem lasse sich das Reglement weiterentwickeln, wenn neue Hersteller und Modelle auf den Markt kommen.

Was bedeutet die Umstellung für junge Fahrer?
Die Veranstalter sehen darin einen günstigeren und kürzeren Weg auf den Mountain Course. Nachwuchsfahrer sollen früher zur TT wechseln können, ohne vorher den Umweg über Supersport und die 1000er-Klasse auf Kurzstrecken gehen zu müssen.
Genau dieser Umweg war zuletzt der übliche Weg für Neulinge. Ein Beispiel aus dem Jahr 2026 liefert der Debütant Rhys Stephenson, der bei seinem ersten Auftritt auf sich aufmerksam machte. Bester Sportbike-Fahrer war Dominic Herbertson mit Rang sieben in der Carole Nash Sportbike TT. Er lag dabei knapp unter einem Schnitt von 120 Meilen pro Stunde (circa 193 km/h), unterwegs auf der Triumph Daytona 660 des Werksteams KTS Macadam Triumph Factory Racing.
Vom Lightweight TT zur Sportbike TT: 14 Jahre in der Rückschau
Die Klasse startete unter dem traditionsreichen Namen Lightweight TT. In den frühen Jahren feierten James Hillier, Dean Harrison und Ivan Lintin dort ihre ersten TT-Siege. Später wurde Michael Dunlop MBE mit der Werks-Paton S1-R zur bestimmenden Größe und gewann sechs der vergangenen acht Rennen dieser Kategorie.
Ausgerechnet im Premierenjahr der gemischten Starterfelder zeigte sich, wie weit entwickelt die alten Maschinen waren: Bei der Sportbike TT 2026 belegten Supertwins die ersten sechs Plätze, Sieger war erneut Dunlop. Die Klasse verschwindet also nicht, weil sie langsam geworden wäre, sondern weil sie sich technisch von allem anderen entfernt hat.

Was passiert mit den vorhandenen Supertwin-Maschinen?
Sie bleiben auf der Isle of Man einsetzbar, allerdings beim Manx Grand Prix. Der veranstaltende Manx Motor Cycle Club hat zwei Tage nach der TT-Ankündigung bestätigt, dass er sein Reglement von 2026 für 2027 unverändert übernimmt.
Damit sind Supertwins und Sportbikes beim Manx Grand Prix weiterhin gemeinsam startberechtigt, und zwar in den Rennen der Sportbike MGP und der Junior MGP. Der Club begründet das ausdrücklich mit den hohen Investitionen, die Fahrer und Teams in ihr vorhandenes Material gesteckt haben. Wer bereits eine konkurrenzfähige Supertwin besitzt, muss also nicht sofort eine neue Maschine kaufen. Gleichzeitig soll sich die Sportbike-Kategorie auch beim MGP weiterentwickeln können. Die Botschaft des Clubs an unentschlossene Teams fällt knapp aus: „Supertwins are staying for 2027“, also „Die Supertwins bleiben 2027.“ Weitere Angaben zu Reglement, Nennungen und Ablauf des Manx Grand Prix 2027 sollen später folgen.
Auch die Gespanne fahren 2027 nach neuen Regeln
Die Sportbike-Entscheidung ist nicht die einzige Reglementsänderung für die kommende Ausgabe. Wenige Tage zuvor hatten die Veranstalter eine umfassende Neuordnung der Gespann-Klasse angekündigt, die nach der Aussetzung während der TT 2026 überprüft worden war. Statt der bisherigen 600er-Vierzylinder kommen künftig seriennahe Mittelklasse-Motoren nach Sportbike-Regeln zum Einsatz, genannt werden unter anderem Yamaha R7, Aprilia RS660 und Kawasaki Ninja 650. Dazu kommen einheitliche Steuergeräte von Mectronik, ebenfalls eine Balance of Performance und kürzere Rennen über zwei statt drei Runden. Beide Entscheidungen folgen damit derselben Linie: seriennahe Technik, engere Grenzen, geringere Kosten.

Wann liegen die vollständigen Regeln vor?
Das komplette technische Reglement für die Sportbike TT und alle weiteren Klassen der TT 2027 soll im November 2026 veröffentlicht werden. Bis dahin bleiben Details offen.
Das betrifft auch die Frage, welche Modelle am Ende tatsächlich zugelassen sind und wie die Balance of Performance im Einzelnen aussieht. Bei den Gespannen sind mehrere Punkte wie Gewicht, Flüssigkeitsrückhaltung und technische Abnahme ebenfalls noch nicht abschließend festgelegt.

Häufige Fragen
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Wann endet die Supertwin TT endgültig?
Mit der TT 2027 sind Supertwin-Maschinen nicht mehr startberechtigt. Die letzte Ausgabe mit Supertwins war die TT 2026, bei der sie gemeinsam mit den neuen Sportbikes an den Start gingen. Insgesamt umfasst die Supertwin-Zeit 14 Jahre ab 2012.
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Welche Motorräder dürfen 2027 in der Sportbike TT starten?
Zugelassen sind Maschinen nach dem Reglement der britischen National Sportbike Championship. Erlaubt sind kleine TT-spezifische Änderungen an Verkleidung und Frontpartie. Die vollständige Liste der zulässigen Modelle und die Details zur Balance of Performance sollen im November 2026 veröffentlicht werden.
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Kann man seine Supertwin 2027 noch auf der Isle of Man fahren?
Ja, beim Manx Grand Prix. Der Manx Motor Cycle Club behält das Reglement von 2026 bei, damit bleiben Supertwins in der Sportbike MGP und der Junior MGP startberechtigt. Bei der TT selbst sind sie dagegen nicht mehr zugelassen.
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Was ist eine Balance of Performance im Motorradrennsport?
Die Balance of Performance gleicht unterschiedliche Maschinen über technische Vorgaben aneinander an. Dadurch sollen Motorräder mit verschiedenen Motorbauarten trotz unterschiedlicher Grundkonzepte ähnlich schnell sein. Die TT setzt das System ab 2027 in der Sportbike-Klasse und bei den Gespannen ein.












