- 694 Zulassungen im Juli 2026 bedeuten ein Plus von 406 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat
- LiveWire kam im zweiten Quartal 2026 weltweit auf 267 verkaufte Motorräder
- Ultraviolette liefert nach eigenen Angaben inzwischen in rund zehn europäische Länder
Elektromotorräder gelten seit Jahren als Nische, die kurz vor dem Durchbruch steht. In den USA blieben die Stückzahlen bisher klein. In Indien, dem größten Zweiradmarkt der Welt, verschiebt sich das Bild gerade. Ein Startup aus Bengaluru meldet für Juli 2026 den besten Monat seiner Geschichte und liegt damit deutlich über den Werten, die die bekannteste amerikanische Elektromarke für ein ganzes Quartal ausweist. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, aber sie sagen etwas darüber aus, wo Elektromotorräder derzeit tatsächlich Käufer finden.

Wie viele Motorräder hat Ultraviolette im Juli 2026 verkauft?
Ultraviolette hat im Juli 2026 nach den Daten des indischen Zulassungsportals Vahan 694 Elektromotorräder ausgeliefert. Das sind 406 Prozent mehr als im Juli 2025, als 137 Einheiten registriert wurden.
Es ist der stärkste Monat, seit die Marke im Februar 2023 mit dem Verkauf begonnen hat. Im Juni lag der Wert noch bei 485 Einheiten, der Sprung auf 694 entspricht einem Plus von 43 Prozent innerhalb eines Monats. Das Jahr hatte im Januar mit 406 Einheiten begonnen.
Seit Jahresbeginn bis zum 12. August 2026 kommen 3.200 verkaufte Motorräder zusammen, ein Zuwachs von 353 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Über die gesamte Firmengeschichte gerechnet, also von Februar 2023 bis zum 12. August 2026, sind es 5.473 Einheiten. Damit entfallen 58 Prozent aller je verkauften Ultraviolette-Motorräder allein auf das laufende Jahr. Zum Vergleich die Vorjahre: 271 Einheiten im Jahr 2023, 443 im Jahr 2024 und 1.559 im Jahr 2025.
Warum steigen die Verkäufe gerade jetzt so stark?
Zwei Entwicklungen gelten als Auslöser: der gestiegene Benzinpreis in Indien seit Mitte Mai und die Verunsicherung vieler Kunden rund um die Umstellung auf den Kraftstoff E20. Beides soll Käufer premiumpreisiger Benziner in Richtung Elektroantrieb bewegt haben.
Dazu kommt ein hausgemachter Faktor. Ultraviolette bietet seine Motorräder inzwischen mit einem Batteriemietmodell an, das im Marktjargon BaaS heißt, also Battery as a Service. Der Akku wird dabei nicht mitgekauft, sondern gemietet. Für die X-47 sinkt der Einstiegspreis dadurch von 250.000 Rupien (circa 2.255 Euro / 2.615 US-Dollar) auf 149.000 Rupien (circa 1.344 Euro / 1.559 US-Dollar). Das ist ein Rückgang von rund 40 Prozent beim Kaufpreis, die laufenden Mietkosten kommen für den Kunden hinzu.
Auch das Händlernetz wächst. Ultraviolette betreibt derzeit über 40 sogenannte Experience Centres in größeren indischen Städten und hat angekündigt, bis Ende 2026 in 100 Städten vertreten zu sein. Im Juni eröffnete die erste Verkaufs- und Servicestelle im Nordosten des Landes, in Aizawl im Bundesstaat Mizoram.

Wie viele Motorräder verkauft LiveWire im Vergleich?
LiveWire, die Elektrotochter von Harley-Davidson, hat im zweiten Quartal 2026 weltweit 267 Motorräder verkauft. Im Vorjahresquartal waren es 55 Einheiten, das entspricht nach Unternehmensangaben einem Plus von 386 Prozent.
Im ersten Quartal 2026 hatte LiveWire lediglich 33 Motorräder abgesetzt. Für das erste Halbjahr ergeben sich damit 300 Einheiten. Im gesamten Jahr 2025 waren es 653 Motorräder. Der Umsatz der Motorradsparte stieg im zweiten Quartal auf 3,6 Millionen US-Dollar (circa 3,1 Millionen Euro), nach 0,8 Millionen US-Dollar (circa 0,7 Millionen Euro) ein Jahr zuvor. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 18,2 Millionen US-Dollar (circa 15,7 Millionen Euro), nach 18,8 Millionen US-Dollar (circa 16,2 Millionen Euro) im Vorjahresquartal.
Zum Konzern gehört außerdem die Kindermarke STACYC mit Laufrädern und E-Bikes, die im Quartal 5.223 Einheiten absetzte. Der Konzernumsatz lag bei 9,1 Millionen US-Dollar (circa 7,9 Millionen Euro) und damit 55 Prozent über dem Vorjahreswert. Für das laufende Jahr hat LiveWire die Produktion der neuen S4 Honcho gestartet, deren erste Exemplare im Sommer bei den Händlern eintreffen sollten. Im Mai 2026 wurde zudem der Elektro-Geländespezialist Dust Motorcycles übernommen.
Bemerkenswert ist dabei ein anderer Wert: Nach Daten des Motorcycle Industry Council hielt LiveWire zum 30. Juni 2026 einen Anteil von 76 Prozent im US-Segment der straßenzugelassenen Elektromotorräder ab 50 kW. Die Marke wird in ihrem Marktsegment also nicht von Wettbewerbern verdrängt. Das Segment selbst ist schlicht klein.
Ist der Vergleich zwischen beiden Marken überhaupt fair?
Nein, ein direkter Vergleich der beiden Zahlen ist methodisch nicht sauber. Die 694 Einheiten sind Zulassungen in Indien innerhalb eines Monats, die 267 Einheiten sind weltweite Verkäufe von LiveWire über ein ganzes Quartal.
Rechnerisch liegt der Juli-Wert von Ultraviolette beim rund 2,6-fachen des LiveWire-Quartals und beim rund 2,3-fachen des kompletten LiveWire-Halbjahres. Aussagekräftig ist daran vor allem die Größenordnung des indischen Marktes. Der Absatz an Motorrädern mit Verbrennungsmotor lag in Indien im Geschäftsjahr 2026 bei 13 Millionen Einheiten. Selbst ein sehr kleiner Anteil davon ergibt Stückzahlen, die westliche Elektromarken bisher nicht erreichen.

Welche Modelle hat Ultraviolette im Programm?
Ultraviolette verkauft aktuell vier Motorräder: die F77 Mach 2, die F77 Superstreet sowie die X-47 und die X-47 Desert Wing. Die Preise reichen von 249.000 Rupien (circa 2.246 Euro / 2.605 US-Dollar) bis 459.000 Rupien (circa 4.140 Euro / 4.801 US-Dollar).
Die beiden F77-Varianten kosten zwischen 309.000 Rupien (circa 2.787 Euro / 3.232 US-Dollar) und 424.000 Rupien (circa 3.824 Euro / 4.435 US-Dollar) und erreichen 155 km/h. Alle drei Hauptmodelle teilen sich denselben Antrieb mit rund 41 PS (30 kW). Der Hersteller nennt für den Motor 100 Nm (circa 74 lb-ft) und an anderer Stelle 610 Nm (circa 450 lb-ft) am Hinterrad, wobei sich die beiden Angaben auf unterschiedliche Messpunkte beziehen. Der 10,3 kWh große Akku soll nach dem indischen IDC-Zyklus bis zu 323 Kilometer Reichweite ermöglichen, die Beschleunigung von 0 auf 60 km/h gibt Ultraviolette mit 2,8 Sekunden an, für die X-47 mit 2,7 Sekunden. Die X-47 läuft 145 km/h.
Als technisches Alleinstellungsmerkmal führt der Hersteller ein Radarsystem an, das bei allen sechs Varianten der X-47 zur Serienausstattung gehören soll. Firmenchef Narayan Subramaniam beschreibt die Funktion so: „The radar is calibrated for India market requirements, it’s got about 200 metres or sensing capability, real-time blind spot detection, collision and overtake alerts, and lane change assist.“ Übersetzt: Das Radar ist auf die Anforderungen des indischen Marktes abgestimmt, hat rund 200 Meter Erfassungsreichweite, erkennt den toten Winkel in Echtzeit, warnt vor Kollisionen und Überholvorgängen und unterstützt beim Spurwechsel.
Die X-47 ist damit ein Crossover, der laut Subramaniam Fahrer von Straßenmaschinen, Roadstern und Geländemodellen gleichermaßen ansprechen soll. Als Wettbewerber nennt der Hersteller Verbrenner der Klasse zwischen 300 und 400 Kubikzentimetern, darunter die Royal-Enfield-350er-Modelle, die Bajaj Pulsar N250, die TVS Apache RTR 310, die BMW G 310 R, die Kawasaki Ninja 300, die KTM 390 Duke, die Husqvarna Svartpilen 401 sowie die Harley-Davidson X440 und Mavrick 440.
Welche neuen Modelle kommen als nächstes?
Ultraviolette bereitet zwei weitere Fahrzeuge vor: die Shockwave als Geländemodell und den E-Roller Tesseract. Beide liegen preislich deutlich unter der bisherigen Modellpalette.
Die Shockwave startet bei 175.000 Rupien (circa 1.578 Euro / 1.830 US-Dollar) und ist auf den Stadtverkehr sowie kurze Ausflüge am Wochenende zugeschnitten. Der Hersteller gibt 14,5 PS (11 kW), 505 Nm (circa 372 lb-ft) am Hinterrad, 120 km/h Spitze und 120 Kilogramm (circa 265 lbs) an. Dazu kommen ein 19-Zoll-Speichenrad vorn und ein 17-Zoll-Rad hinten, eine 270-Millimeter-Bremsscheibe vorn und eine 220-Millimeter-Scheibe hinten, eine Cartridge-Gabel mit 37 Millimetern Standrohrdurchmesser und 200 Millimetern Federweg sowie ein Federbein mit 180 Millimetern Radweg. Serienmäßig sind ein 5-Zoll-TFT-Display, vier Stufen der Traktionskontrolle, ein abschaltbares Zweikanal-ABS und sechs Rekuperationsstufen vorgesehen. Die Shockwave soll wahlweise mit Einzel- oder Doppelsitzbank und in den Farben Cosmic Black und Frost White angeboten werden. Die Auslieferung war ursprünglich für das zweite Quartal 2026 geplant, dieser Termin ist inzwischen verstrichen.
Der Tesseract beginnt bei 145.000 Rupien (circa 1.308 Euro / 1.517 US-Dollar), soll nach IDC-Zyklus 261 Kilometer weit kommen, 125 km/h laufen und in 2,9 Sekunden von 0 auf 60 km/h beschleunigen. Die Leistung wird mit rund 21 PS (15 kW) angegeben. Vorbestellungen laufen bereits, der Marktstart ist für Januar 2027 vorgesehen.

Wann kommt Ultraviolette nach Europa?
Ultraviolette ist bereits in Europa vertreten. Die F77 hat die europäische Zulassung, die X-47 befindet sich nach Angaben des Unternehmens in einem fortgeschrittenen Stadium der Zertifizierung und soll noch 2026 auf den europäischen Markt kommen.
Subramaniam ordnet die Strategie so ein: „Our global outlook goes back to 2016 when all the decisions taken on hardware, software architectures were with global certification in mind. India is a key market but we were clear right at the start that we need to take this brand global. Europe is critical because it has amongst the most stringent certification processes.“ Übersetzt: Die globale Ausrichtung geht auf das Jahr 2016 zurück, als alle Entscheidungen zu Hardware und Software-Architektur bereits mit Blick auf weltweite Zulassungen getroffen wurden. Indien sei ein Schlüsselmarkt, aber von Beginn an sei klar gewesen, dass die Marke international werden müsse. Europa sei dabei zentral, weil die Zertifizierungsverfahren hier zu den strengsten gehören.
Zur Zahl der Länder gibt es unterschiedliche Angaben. Der Firmenchef selbst spricht von rund zehn europäischen Ländern und nennt dabei Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal, die Niederlande, Belgien und Italien. In Medienberichten ist auch von 19 Ländern die Rede, diese Zahl ließ sich nicht bestätigen.
Wer verkauft in Indien mehr Elektromotorräder?
Vor Ultraviolette liegen im laufenden Jahr nur zwei reine Elektromotorrad-Hersteller: Revolt Motors mit 6.876 Einheiten und Oben Electric mit 3.347 Einheiten, jeweils bis zum 12. August 2026. Beide bedienen allerdings deutlich günstigere Preisklassen.
Weitere Anbieter im Segment sind Ola Electric, KLB Komaki, Matter Motor Works, Okaya EV und Wardwizard Innovations. Als jüngster Wettbewerber ist Royal Enfield mit der Submarke Flying Flea dazugekommen. Die Flying Flea C6 kam am 9. April auf den Markt und kostet 279.000 Rupien (circa 2.517 Euro / 2.918 US-Dollar), mit Batteriemiete 199.000 Rupien (circa 1.795 Euro / 2.082 US-Dollar). Bis zum 12. August wurden davon 124 Einheiten verkauft, darunter 63 im Juni und 32 im Juli. Das Modell ist bislang nur in Bengaluru erhältlich.
Für das Gesamtjahr wird erwartet, dass Ultraviolette zwischen August und Ende Dezember weitere 3.000 bis 4.000 Fahrzeuge absetzt und damit erstmals über 6.500 Einheiten in einem Kalenderjahr kommt. Das Unternehmen aus Bengaluru wird von TVS Motor unterstützt und war nach eigenen Angaben der erste indische Elektrohersteller, der seine Fahrzeuge auf der Rennstrecke des Madras Motor Sports Club getestet hat.
Im Kontext des Modelljahrgangs 2026 ist die Entwicklung damit ein Beleg dafür, dass Elektromotorräder dort Käufer finden, wo Preis, Reichweite und Verfügbarkeit zusammenpassen. Ob sich das auf europäische Märkte übertragen lässt, wird sich zeigen, sobald die X-47 hier verfügbar ist.

Häufige Fragen
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Wie viele Motorräder hat Ultraviolette im Juli 2026 verkauft?
Ultraviolette hat im Juli 2026 in Indien 694 Elektromotorräder zugelassen. Das ist ein Plus von 406 Prozent gegenüber Juli 2025 mit 137 Einheiten. Es ist der stärkste Monat seit dem Verkaufsstart im Februar 2023.
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Was kostet die Ultraviolette X-47?
Die X-47 beginnt bei 249.000 Rupien (circa 2.246 Euro / 2.605 US-Dollar). Mit dem Batteriemietmodell sinkt der Kaufpreis auf 149.000 Rupien (circa 1.344 Euro / 1.559 US-Dollar), dafür fallen laufende Mietkosten für den Akku an.
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Wie viele Motorräder verkauft LiveWire?
LiveWire verkaufte im zweiten Quartal 2026 weltweit 267 Motorräder, im ersten Quartal waren es 33. Im gesamten Jahr 2025 kam die Marke auf 653 Einheiten. Trotz dieser kleinen Zahlen hält LiveWire 76 Prozent Marktanteil im US-Segment der Elektromotorräder ab 50 kW.
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Ist Ultraviolette in Deutschland erhältlich?
Ja, Deutschland gehört zu den europäischen Ländern, in denen Ultraviolette vertreten ist. Die F77 besitzt die europäische Zulassung, die X-47 soll nach Herstellerangaben im Laufe des Jahres 2026 folgen.
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Welche neuen Modelle plant Ultraviolette?
Geplant sind die Shockwave ab 175.000 Rupien (circa 1.578 Euro / 1.830 US-Dollar) und der E-Roller Tesseract ab 145.000 Rupien (circa 1.308 Euro / 1.517 US-Dollar). Der Marktstart des Tesseract ist für Januar 2027 vorgesehen, die Auslieferung der Shockwave hat sich gegenüber dem ursprünglichen Plan verschoben.











