- BMW Motorrad hat am 29. Oktober 2026 eine Beteiligung an Venna bekanntgegeben, Summe und Anteil bleiben geheim.
- Venna ist das frühere slowenische Start-up Flux Performance, bekannt durch den Elektro-Crosser Primo mit 86 PS.
- Das erste Motorrad der neuen Generation soll im Januar 2027 vorgestellt werden.
BMW Motorrad wagt sich wieder an Elektromotorräder, diesmal aber nicht auf der Straße, sondern im Gelände und nicht mit einem eigenen Modell. Die Münchner haben Geld in Venna gesteckt, ein Start-up, das sich auf leistungsstarke Elektro-Offroadmotorräder konzentriert. In der offiziellen Mitteilung taucht ein Name gar nicht auf, der für die Einordnung entscheidend ist: Venna ist aus Flux Performance hervorgegangen, einem Unternehmen aus Slowenien, das schon 2022 mit einem besonders starken Elektro-Crosser auf sich aufmerksam gemacht hat. Ein Serienmodell gab es bis heute nicht. Genau dabei soll die Erfahrung von BMW jetzt helfen.

Was ist über die Beteiligung von BMW an Venna bekannt?
BMW Motorrad beteiligt sich an Venna, um im Markt für elektrische Offroad-Motorräder Fuß zu fassen und neue, vor allem jüngere Kunden zu erreichen. Wie viel Geld fließt und wie groß der Anteil von BMW ist, haben beide Unternehmen nicht verraten.
Fest steht, wie die Zusammenarbeit grundsätzlich aussehen soll. Venna bleibt ein eigenständiges Unternehmen und soll sein eigenes Tempo bei der Entwicklung beibehalten. Im Gegenzug kann das Start-up auf das Wissen von BMW zurückgreifen, und zwar bei Entwicklung, Qualität, dem Aufbau einer Serienfertigung und dem weltweiten Geschäft. In welchen Bereichen beide Partner konkret zusammenarbeiten, ist offen. BMW spricht nur von ausgewählten Feldern.
Als Grund nennt BMW einen Wandel bei den Kunden. Gerade jüngere Fahrer sehen das Motorrad demnach immer seltener als Verkehrsmittel und immer häufiger als sportliches Freizeitgerät. Mit der Beteiligung will der Hersteller früh Erfahrung in einem Segment sammeln, dem er großes Wachstum zutraut. BMW-Motorrad-Chef Markus Flasch sagt dazu: „Die Partnerschaft eröffnet uns Perspektiven in einem neuen Segment und hilft uns, neue Zielgruppen für die Faszination Motorrad zu begeistern.“
Venna-Chef Marko Ukota bezeichnet den Einstieg der Münchner als „enorme Bestätigung unserer Leidenschaft und unseres technologischen Ansatzes“. Sein Ziel ist es, leistungsstarke Elektromotorräder für alle Fahrkategorien zu bauen. Durch BMW sollen sowohl die Technik als auch der Weg in die Serienfertigung deutlich schneller vorankommen.
Zum Vergleich der Größenordnung: Die BMW Group hat 2025 weltweit mehr als 202.500 Motorräder verkauft. Venna hat dagegen noch kein einziges Serienmotorrad ausgeliefert.
Wer steckt hinter dem Start-up Venna?
Venna ist die neue Form von Flux Performance, einem 2021 in Slowenien gegründeten Hersteller von Elektro-Geländemotorrädern. Die Verbindung ist eindeutig: Die alte Flux-Website leitet inzwischen auf Venna weiter, die US-Markenanmeldung für den Namen Venna stammt von der Flux Performance Group, und an der Spitze steht weiterhin Flux-Gründer Marko Ukota.
Vom Supermoto-Meister zum Elektro-Entwickler
Ukota kommt aus dem Rennsport. Er war Meister im Supermoto in Slowenien und Italien und ist nach rund 15 Jahren Rennerfahrung auch als Konstrukteur tätig. Flux hat er zusammen mit zwei Ingenieuren aus der Raumfahrt gegründet, Jure Tomažič und Črt Gorup. Die Idee eines elektrischen Supermotos hatte Ukota schon 2009. Damals scheiterte das Projekt an den Akkus, die für seine Ansprüche noch nicht gut genug waren.
Seine Gründe für den Elektroantrieb im Gelände hat Ukota immer wieder ähnlich erklärt. Lärm sieht er als größtes Problem des Sports. Als Beispiel nennt er Belgien, wo es in den 1970er-Jahren rund 60 Motocross-Strecken gegeben haben soll und heute nur noch sechs. Dazu kommen die Kosten und der Aufwand für die Wartung von Verbrennungsmotoren, die Zeit und Geld vom eigentlichen Fahren abziehen.
Inzwischen hat sich das Unternehmen neu aufgestellt. Der Firmensitz soll von Slowenien nach Los Angeles umgezogen sein. Ins Team geholt hat Flux erfahrene Leute aus der Elektromotorrad-Branche: Alta-Motors-Gründer Marc Fenigstein, Cake-Mitgründer Karl Ytterborn und im Juni 2025 César Ferreira, zuvor leitender Fahrzeugingenieur und zeitweise Technikchef bei Stark Future.

Was konnte der Prototyp Flux Primo?
Die Flux Primo war als elektrische Alternative zu 450er-Crossern mit Verbrennungsmotor gedacht und sollte mit 86 PS (63 kW) Spitzenleistung mehr bieten als die Konkurrenz. Herzstück war ein wechselbarer Akku mit 7 kWh und 450 Volt.
Der Akku lässt sich von der rechten Seite aus dem Motorrad ziehen und durch einen geladenen ersetzen. Flux nannte dafür einmal rund eine Minute. Der wassergekühlte Elektromotor sollte am Abtrieb 200 Nm (circa 148 lb-ft) liefern, am Hinterrad kamen nach Herstellerangabe 750 Nm (circa 553 lb-ft) an. Das Fahrwerk bestand aus einer 48er-Gabel von KYB und einem TTX-Federbein von Öhlins.
Viel Wert legte Flux auf die Software. Über das Smartphone lässt sich die Leistung von sehr sanft bis zur vollen Kraft einstellen, mit sechs verschiedenen Parametern und eigenen Fahrprofilen. Eine virtuelle Kupplung ahmt das Schleifen einer echten Kupplung nach, ein eigener Hebel steuert die Rekuperation, also das Bremsen mit dem Motor, bei dem Strom zurück in den Akku fließt. Dazu kamen ein Rückwärtsgang und eine Diebstahlsicherung per PIN. Sensoren für Beschleunigung, Neigung, Raddrehzahlen und GPS sollten die Grundlage für spätere Assistenzfunktionen bilden.
Geplant waren drei Versionen: ein reiner Crosser für die Strecke sowie eine Enduro und ein Supermoto mit Straßenzulassung.
Warum gibt es die Primo bis heute nicht zu kaufen?
Die Serienfertigung der Primo hat sich immer wieder verschoben. Zuletzt war sie für 2026 geplant, nun soll unter dem Namen Venna im Januar 2027 ein erstes Motorrad der neuen Generation vorgestellt werden.
Die Zeitpläne von Flux waren von Anfang an ehrgeizig. 2022 war von ersten Serienmotorrädern bis 2024 die Rede. 2023 bezeichnete Ukota die gezeigte Primo selbst als Prototyp und Entwicklungswerkzeug, das Serienmodell sollte Ende 2024 folgen, Auslieferungen 2025. Reservierungen nahm Flux damals für 12.000 Euro (circa 13.470 US-Dollar) entgegen, der reguläre Preis sollte bei 13.000 Euro (circa 14.590 US-Dollar) liegen. Beide Umrechnungen basieren auf dem heutigen Kurs. 2025 meldete das Unternehmen, die erste Charge sei zu diesem Einführungspreis ausverkauft.
Ob die geplante Neuheit auf der Primo aufbaut oder ein komplett neues Modell wird, ist nicht bekannt. Klar ist nur, woran es bisher gehakt hat: am Schritt von einem funktionierenden Prototyp zu einem Motorrad, das sich in Stückzahlen bauen, ausliefern und betreuen lässt. Genau diese Erfahrung bringt BMW mit. Sollte der Termin im Januar halten, gehört Venna zu den Neuheiten des Motorradjahres 2027.

Warum setzt BMW bei Elektromotorrädern jetzt auf das Gelände?
Auf der Straße hat BMW seine Pläne für Elektromotorräder vorerst auf Eis gelegt, im Gelände sieht der Hersteller dagegen einen Markt mit großem Potenzial. Der Elektroantrieb passt dort besser als auf der Landstraße.
Bei Rollern war BMW früh dabei. 2014 kam der C evolution, später folgten der CE 04 und der kleinere CE 02. Mit der Studie Vision DC Roadster zeigte BMW 2019 auch ein elektrisches Motorrad, eine Serienversion gab es aber nie. Stattdessen hält der Hersteller bei seinen Motorrädern am Verbrennungsmotor fest.
Im Gelände sprechen mehrere Punkte für den Elektroantrieb. Die Fahrten sind meist kurz, die Motorräder werden mit dem Anhänger oder Transporter zur Strecke gebracht, und die Reichweite spielt deshalb eine kleinere Rolle. Gleichzeitig werden die Lärmvorschriften strenger, und ein Elektromotor braucht kaum Wartung. Für einen großen Hersteller ist eine Beteiligung zudem ein überschaubares Risiko. Er sichert sich Technik und Fachleute, ohne eigene Fabriken für ein Segment umzubauen, das bisher nur kleine Stückzahlen erreicht.
Ganz neu ist der Ausflug ins Gelände für BMW nicht. Mit der G 450 X brachte BMW 2008 eine Sportenduro mit Einzylinder, die mit ungewöhnlicher Technik auffiel: Die Kupplung saß direkt auf der Kurbelwelle, und die Schwinge drehte sich um dieselbe Achse wie die Ausgangswelle des Getriebes, damit die Kette beim Einfedern gleich gespannt bleibt. Auch Husqvarna gehörte einige Jahre zu BMW. Beim Verkauf der Marke an Pierer Industrie 2013 nannte BMW urbane Mobilität und Elektromobilität als neue Schwerpunkte.
Wie sieht die Konkurrenz bei elektrischen Offroad-Motorrädern aus?
Mit Venna steigt BMW in ein Segment ein, in dem Stark Future den Ton angibt. Der Hersteller der Varg ist bisher die einzige Marke, die ein Elektro-Geländemotorrad in nennenswerten Stückzahlen an Kunden bringt.
Stark hat seine Varg-Reihe vom Crosser auf Enduro und Supermoto ausgebaut. KTM sammelt seit 2014 mit der Freeride E Erfahrung und bietet sie auch für 2027 an. Die großen japanischen Hersteller testen ebenfalls: Honda hat seinen Elektro-Crosser CR Electric Proto bereits 2023 in der japanischen Motocross-Meisterschaft eingesetzt und 2024 im FIM E-Xplorer World Cup. Yamaha entwickelt mit der YE-01 Racing Concept einen Elektro-Crosser auf Basis der YZ450F.
Bemerkenswert ist, dass mehrere große Marken den gleichen Weg wie BMW gehen. Yamaha hat sich 2024 am französischen Spezialisten Electric Motion beteiligt, und auch LiveWire, die Elektromarke von Harley-Davidson, hat sich mit einem Start-up Zugang zum Elektro-Geländemotorrad verschafft. Statt alles selbst zu entwickeln, sichern sich die Hersteller das Wissen junger Spezialisten.

Was ist bei der Partnerschaft noch offen?
Vieles. Es gibt weder technische Daten noch einen Preis oder einen Liefertermin für ein Venna-Motorrad, und auch die Höhe der Beteiligung bleibt geheim. Ein Elektro-Geländemotorrad mit BMW-Logo oder ein Werksteam im Rennsport im Zusammenhang mit Venna hat BMW nicht angekündigt.
Unklar ist auch, in welchen Bereichen die Zusammenarbeit konkret stattfinden soll und wie viel BMW-Technik am Ende in den Venna-Modellen steckt. Die nächste Etappe ist damit klar umrissen: Venna muss zeigen, dass aus dem vielversprechenden Prototyp ein echtes Serienmotorrad wird, und wo es sich gegenüber Stark, KTM und den kommenden Modellen der Japaner einordnet.

Häufige Fragen
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Was ist Venna?
Venna ist ein Start-up, das leistungsstarke Elektromotorräder mit Schwerpunkt auf dem Gelände entwickelt. Es ist aus dem slowenischen Unternehmen Flux Performance hervorgegangen und wird von Gründer Marko Ukota geführt. BMW Motorrad hat sich im Oktober 2026 an Venna beteiligt.
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Wie viel investiert BMW in Venna?
Das ist nicht bekannt. Weder BMW noch Venna haben die Höhe der Investition oder den Anteil von BMW veröffentlicht. Fest steht nur, dass Venna eigenständig bleibt.
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Was hat Venna mit Flux zu tun?
Venna ist die neu aufgestellte Form von Flux Performance. Die frühere Flux-Website leitet auf Venna weiter, der Markenname wurde von der Flux Performance Group angemeldet, und Chef ist weiterhin Flux-Gründer Marko Ukota.
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Wann kommt das erste Motorrad von Venna?
Ein erstes Motorrad der neuen Generation soll im Januar 2027 vorgestellt werden. Technische Daten, Preis und Liefertermin gibt es noch nicht. Der Vorgänger-Prototyp Flux Primo hatte 86 PS (63 kW) und einen wechselbaren Akku mit 7 kWh.












