- Rund 800 Millionen Euro (circa 912 Millionen US-Dollar) hat Bajaj seit 2025 in die Rettung von KTM gesteckt
- Im Quartal April bis Juni 2026 erreichte KTM nach mehreren Verlustquartalen wieder den EBITDA-Break-even
- Im ersten Halbjahr 2026 setzte die Gruppe 147.572 Motorräder ab, ein Plus von 81 Prozent
Vor gut anderthalb Jahren stand KTM vor dem Aus. Sanierungsverfahren, Produktionsstopp, Werksschließungen und ein Berg an unverkauften Motorrädern bei Händlern und Importeuren prägten die Lage in Mattighofen. Heute klingen die Meldungen aus Oberösterreich anders. Der Absatz steigt, der Umsatz hat sich im ersten Halbjahr fast verdoppelt, und operativ steht wieder eine schwarze Null. Genau in dieser Phase macht der neue Eigentümer eine Ansage, die in Österreich aufmerksam registriert wird: Bajaj wäre bereit, einen weiteren Partner an Bord zu holen.

Warum ist Bajaj offen für einen strategischen Partner bei KTM?
Bajaj sieht die eigene Rolle vor allem darin, Geld bereitzustellen und die Kostenstruktur zu verbessern. Ein zusätzlicher Partner käme nur infrage, wenn er die langfristige Ausrichtung mitträgt.
Rakesh Sharma, Joint Managing Director bei Bajaj Auto, hat den Rahmen bei der Präsentation der Quartalszahlen im Juli 2026 abgesteckt. Er spricht davon, dass KTM eigenständig von der neuen Führung geführt werden muss und Bajaj dafür Liquidität bereitgestellt, den Führungswechsel begleitet und die Beschaffung aus günstigeren Standorten ausgeweitet hat. Danach, so seine Formulierung, müsse das Unternehmen laufen.
Auf die Frage, ob ein Finanz- oder Industriepartner einsteigen könnte, antwortete Sharma: „The option remains open, but we are not actively searching for someone to participate in KTM.“ Auf Deutsch: „Die Option bleibt offen, aber wir suchen nicht aktiv nach jemandem, der sich an KTM beteiligt.“
Wichtig ist der Zusatz, den er an anderer Stelle macht: Eine Eingliederung von KTM in Bajaj Auto ist nicht geplant. Die Marke soll als eigenständiges Unternehmen weiterlaufen.
Wie viel Geld hat Bajaj in die Rettung von KTM gesteckt?
Insgesamt rund 800 Millionen Euro (circa 912 Millionen US-Dollar). Das Geld floss in zwei Schritten und verschaffte Bajaj am Ende die Mehrheit.
Im Jahr 2025 stellte Bajaj zunächst 450 Millionen Euro (circa 513 Millionen US-Dollar) als Kredit bereit. Damit wurde der laufende Betrieb gesichert, die Restrukturierung gestartet und das gerichtlich genehmigte Verfahren finanziert. Danach kamen weitere rund 350 Millionen Euro (circa 399 Millionen US-Dollar) hinzu. Im November 2025 stockte Bajaj seinen Anteil an der Holding BAIH AG von 49,9 auf 100 Prozent auf und wurde damit zum beherrschenden Eigentümer. An KTM selbst hält der Konzern heute 74,9 Prozent.
Anfang 2026 folgte ein Schritt, der in vielen Berichten untergeht: KTM refinanzierte sich über einen Kredit von 550 Millionen Euro (circa 627 Millionen US-Dollar) bei einem internationalen Bankenkonsortium und zahlte den ursprünglichen 450-Millionen-Kredit von Bajaj Auto International Holdings BV zurück. KTM hängt damit finanziell weniger stark am Tropf des eigenen Konzerns.

Wie steht KTM nach der Sanierung wirtschaftlich da?
Die Zahlen zeigen nach oben, allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau aus. Das Vorjahr war von Insolvenzverfahren und Produktionsstopps geprägt.
Im ersten Quartal 2026 setzte die Gruppe weltweit 40.332 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS ab, ein Plus von mehr als 125 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz im Motorradgeschäft stieg dabei um mehr als 150 Prozent auf rund 272 Millionen Euro (circa 310 Millionen US-Dollar). Auch die Lagerbestände wurden deutlich abgebaut. Nach Unternehmensangaben lagen die Händlerbestände zum Quartalsende fast 49.000 Motorräder unter dem Vorjahreswert.
Das zweite Quartal setzte den Trend fort. Außerhalb Indiens verkaufte die Gruppe 48.672 Motorräder, ein Zuwachs von 71 Prozent. Der Umsatz der Motorradsparte kletterte auf 370 Millionen Euro (circa 422 Millionen US-Dollar) nach 330 Millionen Euro (circa 376 Millionen US-Dollar) im ersten Quartal. Über das gesamte erste Halbjahr summierten sich die Verkäufe auf 147.572 Motorräder gegenüber 81.336 im Vorjahreszeitraum, der Umsatz lag bei rund 700 Millionen Euro (circa 798 Millionen US-Dollar) nach 373 Millionen Euro (circa 425 Millionen US-Dollar).
Entscheidender als die Prozentwerte ist die Ertragslage. Für das zweite Quartal rechnet das Unternehmen mit einer EBITDA-Marge von etwa 8,7 Prozent, für das Halbjahr mit rund 5,4 Prozent. Die EBITDA-Marge zeigt, wie viel vom Umsatz vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen übrig bleibt. Im Vorjahr war dieser Wert negativ, sobald man die Sanierungsgewinne herausrechnet. Sharma spricht davon, dass KTM nach mehreren Verlustquartalen im Zeitraum April bis Juni wieder den Break-even erreicht hat. Alle genannten Werte sind vorläufig.
Was ändert sich beim Einkauf von KTM?
Bajaj bindet die Beschaffung von KTM stärker in das eigene globale Einkaufsnetz ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Indien, weil dort die Kosten niedriger sind.
Das ist der Kern der aktuellen Strategie und der Punkt, den Sharma im Juli 2026 ausdrücklich bestätigt hat. Es geht um Teile, Komponenten und Lieferanten, nicht um die Endmontage kompletter Modelle. Niedrigere Einkaufspreise verbessern die Marge, ohne dass Werke verlegt werden müssen. Genau darin sieht Bajaj auch den Reiz für einen möglichen Investor.
Die Grundlage dafür existiert seit Langem. Seit 2011 baut Bajaj kleinvolumige KTM-Modelle im Werk Chakan bei Pune, darunter die 125er, 200er und 390er Baureihen. Von dort gehen Motorräder in mehr als 60 Märkte, viele davon in Europa. Im Januar 2023 verließ die einmillionste KTM, eine 390 Adventure, das Werk. Nach Angaben von Sharma hat Bajaj inzwischen über 1,4 Millionen Motorräder für KTM gebaut. Auch die 390 Enduro R und die 390 Adventure der jüngsten Generation entstehen dort.
Diese Arbeitsteilung ist also nichts Neues. Neu ist lediglich, dass sie beim Einkauf systematischer genutzt werden soll.

Was bedeutet das für die Werke in Österreich?
Nach dem aktuellen Stand nichts. Eine Verlagerung der Fertigung ist weder angekündigt noch beschlossen.
In Mattighofen und Munderfing läuft die Produktion seit Ende Juli 2025 wieder, zunächst im Fünf-Tage-Betrieb und aktuell in einer Schicht. Modelle wie die 990 RCR und die 1390 Adventure kamen dort mit etwa einem Jahr Verzögerung als Modelljahr 2026 auf den Markt.
Debattiert wurde das Thema trotzdem, und zwar auf Basis zweier älterer Äußerungen. Im Herbst 2025 sagte Bajaj-Auto-Chef Rajiv Bajaj in einem Interview mit dem indischen Sender CNBC TV18: „Die europäische Produktion ist tot.“ Er verwies auf Triumph, wo die Fertigung vor rund 15 Jahren nach Thailand ging und heute auch in Indien läuft. KTM-Chef Gottfried Neumeister widersprach damals umgehend: „Derzeit gibt es keine Pläne, die Produktion zu verlagern.“ Im Januar 2026 erklärte Sharma dann, weitere KTM-Modelle könnten in Indien gebaut werden, wenn es aus Kostensicht sinnvoll sei. Konkrete Modelle oder einen Zeitplan nannte er nicht.
Seither ist zu diesem Punkt nichts nachgekommen. In den öffentlichen Aussagen von Juli 2026 geht es ausschließlich um die Beschaffung. Ein Umzug der Endmontage aus Oberösterreich steht damit derzeit nicht zur Debatte.
Welche Folgen hat die Bajaj-Strategie für das MotoGP-Engagement?
Keine. KTM Racing ist eine eigene Gesellschaft, und die wichtigsten Verträge sind bereits unterschrieben.
KTM hat sich gegenüber der MotoGP Sports Entertainment Group, dem früheren Rechteinhaber Dorna, für mindestens fünf weitere Jahre gebunden. Beim Deutschland-Grand-Prix am Sachsenring folgte die Verlängerung mit Red Bull. Der Vertrag ist als mehrjährig beschrieben und gilt ab 2027, also ab dem Start der neuen Ära mit 850 Kubikzentimetern und Pirelli-Reifen. KTM bleibt damit der einzige Hersteller der Königsklasse, bei dem Red Bull als Titelsponsor auftritt.
Motorsportdirektor Pit Beirer ordnete die Partnerschaft so ein: „Red Bull und KTM gehören zusammen. Das ist seit so langer Zeit eine großartige Partnerschaft, und sie geht weit über die Farben der Motorräder hinaus.“
Für die laufende Saison 2026 mit Brad Binder und Pedro Acosta im Werksteam ändert sich durch die Konzernthemen nichts. Der Slogan Ready to Race und der Auftritt in der Königsklasse bleiben eng mit dem Standort Österreich verknüpft, und beide Zusagen reichen über die aktuelle Sanierungsphase hinaus.

Der nächste Termin steht bereits fest
Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal will die Bajaj Mobility AG, die frühere Pierer Mobility AG, am 27. August 2026 vorlegen. Erst dann gibt es belastbare Angaben unterhalb der EBITDA-Linie, also zu Gewinn, Cashflow, Schulden und Lagerbeständen. Bis dahin bleiben alle genannten Werte vorläufig.
Festhalten lässt sich schon jetzt: Bajaj hat KTM stabilisiert, die Bilanz vom eigenen Kredit gelöst und den Absatz wieder in Gang gebracht. Ob daraus eine Beteiligung eines Dritten wird, ist offen. Die Rettung nach dem Sanierungsjahr 2025 ist damit abgeschlossen, die Phase, in der sich die neue Struktur beweisen muss, beginnt erst.

Häufige Fragen
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Wie viel Prozent an KTM gehören Bajaj?
Bajaj hält 74,9 Prozent an KTM. Die Mehrheit kam zustande, nachdem der indische Konzern seinen Anteil an der Holding BAIH AG im November 2025 von 49,9 auf 100 Prozent aufgestockt hatte.
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Sucht Bajaj aktiv einen Investor für KTM?
Nein. Joint Managing Director Rakesh Sharma hat bestätigt, dass es keine laufende Suche gibt. Die Option bleibt offen, ein möglicher Partner müsste aber die langfristige Strategie für KTM mittragen.
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Was ändert sich bei Bajaj KTM beim Einkauf?
Die Beschaffung von KTM soll stärker in das globale Einkaufsnetz von Bajaj eingebunden werden, mit Schwerpunkt Indien. Das betrifft Teile und Lieferanten, nicht die Endmontage. Sharma hat diesen Punkt im Juli 2026 ausdrücklich bestätigt.
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Wird die KTM-Produktion nach Indien verlagert?
Eine Verlagerung ist nicht angekündigt. Kleinvolumige Modelle entstehen bereits seit 2011 im Werk Chakan bei Pune, die Fertigung in Mattighofen und Munderfing läuft weiter. KTM-Chef Gottfried Neumeister erklärte im Herbst 2025, es gebe keine Pläne für einen Umzug der Produktion.
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Wie viele Motorräder hat KTM 2026 verkauft?
Im ersten Halbjahr 2026 setzte die Gruppe weltweit 147.572 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS ab. Das sind 81 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025, als es 81.336 Einheiten waren.
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Bleibt KTM in der MotoGP?
Ja. KTM hat sich gegenüber der MotoGP Sports Entertainment Group für mindestens fünf weitere Jahre verpflichtet. Zusätzlich wurde der Vertrag mit Titelsponsor Red Bull für die ab 2027 startende Ära verlängert.











