- Martin führt die WM mit 355 Punkten vor Marquez mit 353 und Marco Bezzecchi mit 309 Punkten
- Aprilia hat die Infektion bestätigt, ein Arzt versorgte Martin am Mittwochabend mit einer Vitamin-Infusion
- Technikdirektor Fabiano Sterlacchini sieht Sepang und Katar als kritisch, Valencia gilt bei Aprilia als neutral
Fünf Rennen vor dem Ende der MotoGP-Saison 2026 ist der Titelkampf so eng wie selten. Nach 17 von 22 Runden trennen Jorge Martin und Marc Marquez nur zwei Punkte. Es geht um den letzten Titel der 1000er-Ära, bevor die MotoGP 2027 auf 850 Kubikzentimeter umstellt. Die kurze Pause nach dem Rennen in Mandalika verlief für den WM-Führenden allerdings anders als geplant. Statt sich in Ruhe auf die drei Übersee-Rennen in Folge vorzubereiten, musste Martin ärztlich behandelt werden. Bei Aprilia richtet sich der Blick derweil auf die restlichen Strecken. Dort gibt es zwei Stationen, die der Hersteller nach eigener Aussage mit Sorge sieht.

Was ist mit Jorge Martin passiert?
Jorge Martin hat sich in Asien eine Magen-Darm-Infektion eingefangen. Ein Arzt besuchte ihn am Mittwochabend in seinem privaten Apartment und versorgte ihn mit einer Vitamin-Infusion. Aprilia hat die Erkrankung bestätigt.
Nach dem Indonesien-GP sind einige MotoGP-Fahrer direkt nach Europa zurückgeflogen. Martin blieb dagegen mit seiner Freundin Maria in Indonesien. Der Grund: Vor der langen Anreise nach Australien wollte er sich nicht noch einmal dem Jetlag aussetzen, also der Müdigkeit durch die Zeitverschiebung. Vor Ort verbindet er Erholung mit Training.
Am Mittwoch sorgte der 28-Jährige dann für Unruhe. In den sozialen Medien zeigte er ein Bild von sich mit einer Infusion und schrieb knapp von Problemen. Schnell wurde klar, dass es sich um einen Infekt handelt. Er soll typisch für Reisende in der Region sein.
Gefährdet die Infektion Martins Start in Australien?
Nach bisherigem Stand nicht. Für den Grand Prix von Australien sollen keine Probleme zu erwarten sein.
Das passt zu Martins Art, mit Pausen umzugehen. Er schont sich kaum und trainiert auch an freien Tagen fast täglich, entweder auf dem Rennrad oder im Fitnessstudio. Bei Aprilia will man den Weltmeister von 2024 dabei nicht bremsen.
Erfahrung mit engen Titelkämpfen bringt Martin mit. 2024 legte er im Duell mit Francesco Bagnaia genau in den Übersee-Rennen den Grundstein für seinen WM-Titel. Diesmal wartet direkt ein hartes Programm: Phillip Island, Sepang und Katar folgen an drei Wochenenden hintereinander.

Welche Strecken bereiten Aprilia im Titelkampf Sorgen?
Aprilia sieht Sepang in Malaysia und Lusail in Katar als die beiden kritischsten Strecken. Das hat Technikdirektor Fabiano Sterlacchini nach dem Rennen in Indonesien erklärt.
Zunächst wollte er sich nicht festlegen. Das liege nicht an fehlendem Willen, sondern an der Erfahrung dieser Saison. In Spielberg sei Aprilia eigentlich auf ein Wochenende in der Defensive eingestellt gewesen, habe dort dann aber sehr gut abgeschnitten. Für zwei Strecken wurde er dann aber deutlich: „We are working to be as prepared as possible in Sepang, then clearly in Qatar Jorge last year didn’t race, so basically these two are the two tracks where we are a bit more concerned.“ Auf Deutsch: „Wir arbeiten daran, in Sepang so gut wie möglich vorbereitet zu sein. In Katar ist Jorge im letzten Jahr natürlich nicht gefahren. Im Grunde sind das die beiden Strecken, bei denen wir etwas mehr Bedenken haben.“
Auf den übrigen Strecken hält sich Aprilia für ziemlich konkurrenzfähig. Valencia stuft Sterlacchini als neutral ein. Die Strecke wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren und hat viele Linkskurven. Dort ist Marquez normalerweise sehr stark.
Was ist in Sepang das Problem?
Die Ergebnisse aus dem Vorjahr erklären die Sorge. 2025 schaffte es in Sepang kein einziger Aprilia-Fahrer ins zweite Qualifying, in dem um die vorderen Startplätze gefahren wird. Bester RS-GP-Pilot war Bezzecchi mit Platz sieben im Sprint, im Grand Prix kam Ai Ogura als Zehnter ins Ziel. Ducati gewann damals beide Rennen, obwohl Marquez verletzt fehlte. Bagnaia siegte im Sprint von der Pole Position, Alex Marquez im Grand Prix.
Genau diese beiden Fahrer könnten für Ducati in Malaysia wichtig werden. Bagnaia hat rechnerisch keine Titelchance mehr, und auch Alex Marquez dürfte bald aus dem Rennen sein. Damit kämen beide als Helfer für Marc Marquez in Frage. Aprilia selbst will seine Fahrer noch ein oder zwei Rennen frei fahren lassen. Danach sollen klare Vorgaben im Sinne von Martin kommen.
Warum ist Katar für Aprilia schwierig?
In Katar fiel Marquez im Vorjahr besonders stark auf. Er holte die Pole Position und gewann Sprint und Grand Prix. Bester Aprilia-Fahrer im Qualifying war Ogura auf Startplatz zehn, im Sprint wurde er Siebter. Im Grand Prix war Bezzecchi als Neunter die beste RS-GP. Martin selbst bestritt das Rennen nicht.
Warum fehlt Martin auf vielen Strecken die Erfahrung mit der Aprilia?
Martin hat 2025 wegen mehrerer schwerer Verletzungen die meisten der noch ausstehenden Rennen verpasst. Auf Phillip Island, in Sepang und in Portimao ist er deshalb noch nie ein Rennen mit der Aprilia RS-GP gefahren. In Sepang kommen lediglich ein paar Testrunden aus dem Jahr 2025 dazu.
Seine erste Aprilia-Saison war von Beginn an von Stürzen geprägt. Beim Test in Sepang vor der Saison 2025 brach er sich die rechte Hand und den linken Fuß. Sein Debüt im Rennen feierte er erst in Katar. Dort stürzte er erneut schwer und erlitt einen Hämatopneumothorax, also Blut und Luft im Brustraum, dazu mehrere gebrochene Rippen. Es folgten eine Woche im Krankenhaus in Doha und rund zwei Monate Pause. Beim Saisonfinale in Valencia schied er bei einem weiteren Comeback-Versuch aus.
Wie weit er von der WM-Führung damals entfernt war, beschreibt Martin selbst offen: „I really didn’t think I would be back leading. It wasn’t in my mind.“ Auf Deutsch: „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich wieder an der Spitze liegen würde. Das hatte ich nicht im Kopf.“
Dass fehlende Streckenerfahrung kein Ausschlusskriterium sein muss, hat Martin in dieser Saison bereits gezeigt. Auf zwölf Strecken, auf denen er 2025 nicht gefahren ist, fand er sich mit der RS-GP schnell zurecht. Auch Mandalika gehörte dazu. Zudem steht er nicht allein vor diesem Problem. Auch Marquez hat einen Großteil der verbleibenden Rennen im Vorjahr verletzt verpasst.

Wer hat auf Phillip Island die besseren Karten?
Eine klare Antwort gibt es nicht, beide Lager sehen Argumente für sich. Ducati-Teammanager Davide Tardozzi vermutet, dass einige Kurven der Aprilia beim Grip in extremer Schräglage entgegenkommen könnten.
Tardozzi sieht Phillip Island deshalb als wichtige Probe. Kann Ducati sich dort behaupten, hält er den Titel für absolut machbar. In den letzten fünf Rennen sind noch 185 Punkte zu vergeben.
Bei Aprilia klingt das anders. Aprilia-Racing-Chef Massimo Rivola nannte schon vor dem Rennen in Mandalika Marquez als den Fahrer mit den größten Chancen. Er sei solche Titelkämpfe gewohnt und hole die vollen 37 Punkte, wenn es nötig sei. Rivola zeigte sich außerdem gespannt, wie Marquez auf Phillip Island fährt. Die Strecke hat mehr Links- als Rechtskurven, und dort sei Marquez sehr stark.
Die Strecke an der australischen Küste ist 4,448 Kilometer lang und hat zwölf Kurven, sieben davon links herum. Sie ist geprägt von schnellen, fließenden Bögen. Starker Wind kann die Motorräder dort unruhig machen. Für die Reifen gilt Phillip Island als eine der härtesten Strecken im Kalender, vor allem die linke Flanke wird stark belastet. Der Grand Prix geht über 27 Runden. Damit Marquez die WM-Führung allein übernimmt, muss er am Wochenende mindestens drei Punkte mehr holen als Martin.
Wie bewertet Ducati das Rennwochenende in Mandalika?
Ducati zieht trotz der Überlegenheit von Aprilia ein positives Fazit. Ducati-Corse-Chef Gigi Dall’Igna sprach in seiner Analyse auf LinkedIn davon, eine große Hürde ohne Schaden genommen zu haben.
Der Ablauf des Wochenendes erklärt diese Sicht. Im Sprint kollidierten Bezzecchi und Raul Fernandez in der ersten Kurve, Martin verlor später wegen zu niedrigen Drucks im Vorderreifen die Führung. Marquez nutzte das und gewann. Am Sonntag belegte Aprilia dann die ersten vier Plätze, Martin wurde Dritter, Marquez Sechster. Am Ende stand derselbe Abstand von zwei Punkten wie vor dem Wochenende.
Dall’Igna nennt Mandalika vielleicht die schwierigste Strecke der Saison für Ducati. Marquez habe dort vorher noch nie ein Sonntagsrennen beendet. Er spricht davon, dass Marquez im richtigen Moment bereit gewesen sei und aus einer ungünstigen Lage das Maximum herausgeholt habe. Für das restliche Ducati-Aufgebot sei es dagegen ein schwieriger Grand Prix gewesen.
Vor dem Endspurt betont Dall’Igna, dass jetzt jedes Rennen entscheidend sei. Noch nie sei der Abstand an diesem Punkt der Weltmeisterschaft so knapp gewesen. Seine Botschaft an den Rivalen: „May the best man win.“ Auf Deutsch: „Möge der Bessere gewinnen.“ Über Martin hatte er schon vor Mandalika gesagt, dass dieser in der Schlussphase einer Saison nur wenige Fehler mache. Aber auch Marquez sei an solche Titelkämpfe gewöhnt.

So geht es im MotoGP-Titelkampf weiter
Das nächste Rennen steigt vom 23. bis 25. Oktober auf Phillip Island. Danach folgen Sepang vom 30. Oktober bis 1. November und Katar vom 6. bis 8. November. Den Abschluss bilden Portimao und das Finale in Valencia.
Bei den Reifen sind sich beide Hersteller einig. Michelin bringt für alle das gleiche Material, einen Vorteil für eine Seite sehen weder Dall’Igna noch Rivola. Für Martin geht es dabei auch um einen Abschied. 2027 wechselt er zu Yamaha, sein Platz bei Aprilia geht an Bagnaia. Ob er die Startnummer 1 mitnimmt, entscheidet sich in den nächsten fünf Rennen.

Häufige Fragen
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Was hat Jorge Martin?
Jorge Martin hat sich in Indonesien eine Magen-Darm-Infektion eingefangen. Ein Arzt versorgte ihn am Mittwochabend in seinem Apartment mit einer Vitamin-Infusion. Aprilia hat die Erkrankung bestätigt.
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Fährt Jorge Martin beim Australien-GP auf Phillip Island?
Nach bisherigem Stand ja. Für den Grand Prix vom 23. bis 25. Oktober sollen keine Probleme zu erwarten sein. Martin war nach dem Indonesien-GP bewusst in Asien geblieben, um die lange Anreise ohne zusätzlichen Jetlag anzutreten.
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Welche Strecken fürchtet Aprilia im MotoGP-Titelkampf?
Aprilia hat vor allem in Sepang und Katar Bedenken. 2025 kam in Sepang kein Aprilia-Fahrer ins zweite Qualifying, in Katar gewann Marquez Sprint und Grand Prix. Valencia stuft Technikdirektor Fabiano Sterlacchini als neutral ein.
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Wie viele Punkte liegt Marc Marquez hinter Jorge Martin?
Marc Marquez liegt zwei Punkte hinter Jorge Martin. Martin hat 355 Punkte, Marquez 353, Marco Bezzecchi folgt mit 309 Punkten auf Platz drei. In den letzten fünf Rennen sind noch 185 Punkte zu vergeben.











