- 122 PS (89,6 kW) bei 9.500/min aus 948 cm³
- In Deutschland ab 13.270 Euro, Marktstart im April 2027
- Radar vorn und hinten für adaptiven Tempomat, Kollisionswarnung und Totwinkelassistent
Bisher klaffte in der Versys-Familie eine Lücke zwischen der Versys 650 mit Zweizylinder und der Versys 1100. Diese Lücke schließt Kawasaki zum Modelljahr 2027 mit der Versys 900. Ganz überraschend kommt das Modell nicht. Schon im Sommer 2026 war die Maschine bei einem Videodreh in Montenegro aufgefallen, und ein Teaser in den sozialen Medien hatte den 13. Oktober als Termin genannt. Kawasaki stellt die Versys 900 unter das Motto „Destination Adrenaline“ und nennt sie ein sportliches Mehrzweck-Motorrad. Laut Hersteller soll sie die bislang sportlichste Versys sein. Gedacht ist sie für die Straße und nicht als Enduro fürs Gelände.

Welcher Motor steckt in der Kawasaki Versys 900?
Die Versys 900 nutzt den Reihenvierzylinder mit 948 cm³ aus der Z900, den Kawasaki für den Reiseeinsatz neu abgestimmt hat. Er leistet 122 PS (89,6 kW) bei 9.500/min und liefert 97,3 Nm (71,8 lb-ft) bei 8.000/min.
Zum Vergleich: Die Z900 kommt aktuell auf 124 PS (91 kW) bei 9.500/min und 97 Nm bei 7.700/min. Die Unterschiede bei den Spitzenwerten sind also klein. Bei der Abstimmung hat Kawasaki aber andere Prioritäten gesetzt. Ansaugung und Auspuff sind darauf ausgelegt, bei niedrigen und mittleren Drehzahlen viel Drehmoment zu liefern. Zwischen 6.000 und 10.000/min soll der Motor gleichmäßig und direkt ansprechen und anschließend frei nach oben drehen.
Technisch bleibt es bei einem flüssigkeitsgekühlten Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und 16 Ventilen. Bohrung und Hub betragen 73,4 x 56,0 mm, der Motor ist also kurzhubig ausgelegt. Für mehr Drehmoment im unteren Bereich sorgen lange, schlanke Ansaugtrichter. Die Airbox ist neu gestaltet, damit sie in den neuen Rahmen passt. Das Gas wird über 36-mm-Drosselklappen elektronisch gesteuert. Die Kolben werden in einem schmiedeähnlichen Gussverfahren hergestellt, und eine Ausgleichswelle dämpft die Vibrationen. Die 4-in-1-Auspuffanlage hat unter dem Motor eine Vorkammer mit 5,5 Litern. Dadurch fällt der Endschalldämpfer kompakter aus, und die Masse sitzt näher am Schwerpunkt.
Für Reisen ist vor allem die lange Sekundärübersetzung von 42/15 wichtig. Auf der Autobahn dreht der Motor damit niedriger. Zum Sechsganggetriebe gehören eine Anti-Hopping-Kupplung mit Servofunktion und der Quickshifter KQS. Er funktioniert in beide Richtungen und arbeitet schon ab 1.500/min.
Neuer Gitterrohrrahmen und Fahrwerk mit langen Federwegen
Für die Versys 900 hat Kawasaki einen neuen Gitterrohrrahmen aus Stahl entwickelt. Ausgangspunkt war laut Hersteller eine Analyse des Aluminium-Brückenrahmens der Versys 1100. Der Rahmen soll ein gutes Gefühl für das Vorderrad vermitteln und trotzdem auch mit voller Beladung stabil bleiben. Der Motor ist an fünf Punkten befestigt und trägt mit.
Beim Heckrahmen hat sich Kawasaki im Aufbau an der Z900 orientiert. Die Führung der Rohre stammt von der Ninja H2 SX, sie reichen bis zum Schwingenlager hinunter. Die zulässige Zuladung beträgt dadurch 220 kg (485 lbs), genauso viel wie bei der Versys 1100. Das soll für Sozius, Topcase und Seitenkoffer reichen. Die Aluminiumschwinge folgt dem Aufbau der größeren Schwester.
Wie ist die Geometrie der Versys 900 ausgelegt?
Die Geometrie bringt viel Gewicht auf das Vorderrad, um ein direktes Fahrgefühl zu erzeugen. Der Lenkkopfwinkel beträgt 24,5 Grad, der Nachlauf 106 mm und der Radstand 1.550 mm. Vorder- und Hinterrad tragen nahezu gleich viel Gewicht. Erreicht wird diese Verteilung von 50:50 unter anderem dadurch, dass Fahrer und Schwingenlager weiter vorn sitzen. Außerdem ist der 20-Liter-Tank innen so geformt, dass der Kraftstoff nach vorn wandert.
Vorn arbeitet eine 43-mm-Upside-down-Gabel mit 150 mm Federweg. Sie lässt sich in Federvorspannung und Zugstufe einstellen. Hinten sitzt ein Federbein mit Horizontal-Back-Link-Umlenkung und 159 mm Federweg. Auch hier lassen sich Zugstufe und Vorspannung einstellen, die Vorspannung über ein Handrad. Damit lässt sich das Fahrwerk schnell anpassen, wenn ein Sozius oder Gepäck dazukommt.
Vorn bremsen zwei schwimmend gelagerte 310-mm-Scheiben mit radial montierten Vierkolben-Monoblock-Sätteln und einer Radialpumpe. Hinten sitzt eine 260-mm-Scheibe. Die 17-Zoll-Räder mit fünf Speichen kommen im Design der Z900 und tragen Metzeler-Reifen vom Typ ROADTEC 01. Lange Federwege und sportliche 17-Zoll-Räder sind typisch für die Versys-Baureihe.

Was können die Radar-Assistenten der Versys 900?
Die Versys 900 ist die erste Versys mit Kawasakis Assistenzpaket ARAS, das mit Radarsensoren an Front und Heck arbeitet. Es umfasst einen adaptiven Tempomat, eine Frontkollisionswarnung und einen Totwinkelassistenten.
Der adaptive Tempomat heißt ACC Lite. Er hält die eingestellte Geschwindigkeit und passt sie an, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug schrumpft. Der Fahrer kann zwischen drei Abständen wählen. Wichtig ist der Zusatz „Lite“: Anders als das System der Ninja H2 SX regelt ACC Lite nur über das elektronische Gas und bremst nicht. Wenn das Fahrzeug davor stark abbremst, muss der Fahrer selbst bremsen.
Die Frontkollisionswarnung FCW meldet über das TFT-Display, wenn ein Auffahrunfall droht. Wie früh sie warnt, lässt sich in drei Stufen einstellen, und abschalten lässt sie sich auch. Der Totwinkelassistent BSD zeigt Fahrzeuge im toten Winkel über eine LED im Spiegel auf der jeweiligen Seite an. Setzt der Fahrer in diesem Moment den Blinker, blinkt die LED. Dazu kommt das Emergency Stop Signal, das bei einer Notbremsung die Blinker schnell aufblinken lässt und so den nachfolgenden Verkehr warnt.
Welche weiteren Fahrhilfen hat die Versys 900?
Grundlage ist eine Trägheitsmesseinheit mit sechs Achsen, die Schräglage und Fahrzustand erfasst. Die Kurvenfunktion KCMF stimmt die Traktionskontrolle KTRC und das Kurven-ABS aufeinander ab. Das ABS berücksichtigt auch, wie stark die Maschine beim Bremsen nach vorn eintaucht. Die KTRC hat drei Stufen und lässt sich abschalten.
Dazu kommen zwei Power Modes. Full liefert die volle Leistung, Low etwa 75 Prozent. Außerdem gibt es die Fahrmodi Sport, Road, Rain und einen frei einstellbaren Rider-Modus.
Cockpit, Ergonomie und Reiseausstattung
Die Sitzposition ist aufrecht und entspannt. Die Fahrersitzbank lässt sich ohne Werkzeug auf 825 oder 845 mm einstellen und ist vom Soziusplatz getrennt. Die Scheibe lässt sich von Hand siebenfach verstellen, insgesamt um 48 mm. Laut Kawasaki gab es mehr als 100 Tests im Windkanal, um Windschutz und sportliche Linie in Einklang zu bringen. Wer mehr Schutz möchte, kann eine Zubehörscheibe montieren, die 98 mm höher ist. Der Tank ist so geformt, dass der Fahrer gut mit den Füßen auf den Boden kommt und die Knie sicheren Halt finden.
Der breite Lenker sitzt in Gummilagern und hat Lenkerendgewichte. Lenker und Fußrasten sind gegen Vibrationen gedämpft. Serienmäßig sind einstellbare Handhebel, ein Gepäckträger und eine USB-C-Buchse am Cockpit an Bord.
Welche Anzeigen und Verbindungen bietet das TFT-Display?
Das 5-Zoll-Farbdisplay bietet zwei Darstellungen und verbindet sich über die App Rideology The App Motorcycle mit dem Smartphone. Type 1 stellt den Motor mit einem Balken-Drehzahlmesser in den Vordergrund. Type 2 ist für Reisen gedacht und zeigt Navigation und Fahrzeuginformationen größer an.
Über die App erscheint die Pfeilnavigation direkt im Display. Außerdem lassen sich Fahrten aufzeichnen, Benachrichtigungen anzeigen, Einstellungen vornehmen und Sprachbefehle nutzen. Bedient wird alles über einen neuen Joystick an der linken Lenkerarmatur.
Wie viel Gepäck passt an die Versys 900?
Das Zubehör-Gepäcksystem von SHAD besteht aus einem 47-Liter-Topcase und zwei Seitenkoffern mit je 32 Litern. In das Topcase passen laut Kawasaki zwei Integralhelme. Alle Koffer lassen sich mit dem Zündschlüssel öffnen und abnehmen. Dämpfende Elemente in den Halterungen sollen Vibrationen und Bewegungen abfangen, damit die Maschine auch mit Gepäck stabil fährt. Die Koffer sind zusammen mit dem Motorrad entwickelt und passen zum neuen Designkonzept Aero Edge. Es arbeitet mit übereinanderliegenden Verkleidungsteilen, offenen Flächen und frei stehenden Elementen, die die Maschine leicht wirken lassen sollen. Kawasaki liefert die Koffer in Wagenfarbe.

Versys 900 SE, 70-kW-Version und Edition-Modelle
Neben der Basisversion gibt es die Versys 900 SE. Sie bringt Zubehör ab Werk mit, das es für die Standardversion nur einzeln gibt: kompakte LED-Nebelscheinwerfer, Handprotektoren, Griffheizung, Kühlerschutzgitter, Rahmenprotektoren, einen Motorspoiler und einen Hauptständer.
Beide Versionen gibt es für Fahrer mit A2-Führerschein auch als Variante mit 95 PS (70 kW), die sich auf 48 PS (35 kW) drosseln lässt. Diese Varianten behalten die Traktionskontrolle, haben aber keine Power Modes und keine integrierten Fahrmodi. Sie kosten genauso viel wie die offenen Versionen. Außerdem sollen Kawasaki-Händler Edition-Modelle anbieten, darunter die Varianten Tourer und Grand Tourer mit Originalzubehör.
Was kostet die Kawasaki Versys 900 in Deutschland?
Die Kawasaki Versys 900 kostet in Deutschland ab 13.270 Euro (circa 14.850 US-Dollar), die Versys 900 SE 14.170 Euro (circa 15.855 US-Dollar). Beide Preise verstehen sich inklusive Liefernebenkosten.
Damit kostet die SE in Deutschland 900 Euro mehr als die Basisversion. In anderen Ländern liegen die Preise etwas anders:
- Italien: Versys 900 ab 12.890 Euro (circa 14.420 US-Dollar), Versys 900 SE ab 13.790 Euro (circa 15.430 US-Dollar), auch die 70-kW-Varianten jeweils zum selben Preis
- Großbritannien: Versys 900 ab 10.899 Pfund (circa 12.905 Euro / 14.435 US-Dollar), Versys 900 SE ab 11.799 Pfund (circa 13.970 Euro / 15.630 US-Dollar)

Wann kommt die Kawasaki Versys 900 zu den Händlern?
In Deutschland soll die Versys 900 ab April 2027 bei den Händlern stehen. Auch in Großbritannien ist April als Marktstart genannt, in Frankreich soll es bereits ab Mitte März 2027 losgehen. Für Italien gibt es noch keinen Termin.
Laut internationaler Pressemitteilung gibt es die Standardversion in Metallic Spark Black und Pearl Robotic White. In Deutschland soll sie zunächst nur in Schwarz kommen. Die SE gibt es in Plasma Lime Green/Metallic Spark Black und in Firecracker Red/Metallic Carbon Gray. Welche Farben und Modelle es in welchem Land gibt, kann je nach Markt unterschiedlich sein.
Einige Daten fehlen noch. Gewicht, Verbrauch und weitere Werte hat Kawasaki noch nicht veröffentlicht. Öffentlich zu sehen sein soll die Versys 900 erstmals auf der EICMA in Mailand. Für Kawasaki ist sie eine der Neuheiten des Modelljahrs 2027. Damit stehen in der Versys-Familie jetzt drei Hubraumklassen auf der Straße zur Wahl.

Häufige Fragen
-
Wie viel PS hat die Kawasaki Versys 900?
Die Kawasaki Versys 900 leistet 122 PS (89,6 kW) bei 9.500/min. Das maximale Drehmoment von 97,3 Nm liegt bei 8.000/min an. Für Fahrer mit A2-Führerschein gibt es eine Variante mit 95 PS (70 kW), die sich auf 48 PS (35 kW) drosseln lässt.
-
Was kostet die Kawasaki Versys 900?
In Deutschland kostet die Versys 900 ab 13.270 Euro, die SE 14.170 Euro, jeweils inklusive Liefernebenkosten. In Italien beginnen die Preise bei 12.890 Euro, in Großbritannien bei 10.899 Pfund.
-
Bremst der adaptive Tempomat der Versys 900 selbstständig?
Nein, der ACC Lite der Versys 900 regelt die Geschwindigkeit nur über das elektronische Gas. Bremst das vorausfahrende Fahrzeug stark, muss der Fahrer selbst bremsen. Darin unterscheidet sich das System von dem der Ninja H2 SX.
-
Wie hoch ist die Sitzhöhe der Versys 900?
Die Sitzbank lässt sich ohne Werkzeug auf 825 oder 845 mm einstellen. Zusammen mit dem Tank, der für einen guten Bodenkontakt geformt ist, soll das auch kleineren Fahrern entgegenkommen.
-
Was unterscheidet die Versys 900 SE von der Basisversion?
Die SE hat ab Werk LED-Nebelscheinwerfer, Handprotektoren, Griffheizung, Kühlerschutzgitter, Rahmenprotektoren, Motorspoiler und Hauptständer. In Deutschland kostet sie 900 Euro mehr als die Basisversion.












