- Im Rennen am Sonntag sind nur noch der mittlere und der harte Hinterreifen erlaubt
- Das Warm-up wird von 10 auf 20 Minuten verlängert, damit die Fahrer den harten Reifen kennenlernen können
- WM-Stand nach dem Sprint: Jorge Martin 313 Punkte, Marc Marquez 306 Punkte
Eigentlich sollte beim Sprint in Motegi der Titelkampf zwischen Jorge Martin und Marc Marquez im Mittelpunkt stehen. Am Ende sprach das Fahrerlager aber vor allem über Gummi. Marc Marquez gewann das Rennen über zwölf Runden ohne Gegenwehr. Hinter ihm rettete sich Martin mit einem kaputten Hinterreifen gerade noch ins Ziel, und Francesco Bagnaia stellte seine Ducati mit einem regelrecht zerfetzten Reifen in der Box ab. Michelin reagierte am Abend nach Gesprächen mit den Teams und der Dorna und strich den weichen Hinterreifen für den Grand Prix. Das Rennen über 24 Runden startet am Sonntag um 7 Uhr MESZ. Motegi ist der Auftakt der Asien-Tour und damit der Beginn der entscheidenden Saisonphase.

Warum hat Michelin den weichen Hinterreifen in Motegi verboten?
Michelin hat den Soft gestrichen, weil nach dem Sprint drei Motorräder mit starker Blasenbildung am Hinterreifen auffielen. Als Ursachen nennt der Reifenhersteller den neuen, sehr griffigen Asphalt, eine Asphalttemperatur von rund 40 Grad und ein außergewöhnlich hohes Renntempo.
Wie hoch das Tempo war, zeigt eine Zahl von Michelin: Der Sprint war neun Sekunden schneller vorbei als im Jahr 2025. Michelin-Manager Piero Taramasso erklärt, dass die Fahrer und Teams schon am Donnerstag gewarnt wurden, die Reifentemperaturen genau im Blick zu behalten. Der weiche Hinterreifen lag demnach im Training am Freitag und am Samstagvormittag bei fast allen Fahrern am Limit. Für zwölf Runden wollte Michelin ihn trotzdem zulassen.
Dazu kommt eine Besonderheit des Sprints. Laut Taramasso spielt der Spritverbrauch dort keine Rolle. Die Fahrer haben die volle Leistung zur Verfügung und fahren von der ersten bis zur letzten Runde mit Vollgas. Dabei gelangt sehr viel Energie in den Reifen, und durchdrehende Hinterräder verschärfen das Problem zusätzlich. Wer den Reifen schonen will, muss also weniger Hitze erzeugen und Schlupf vermeiden.
Nach der Analyse fiel die Entscheidung gemeinsam mit der Dorna. Taramasso beschreibt sie so: „We spoke with Dorna, and the decision for the race is that the rear soft won’t be allowed, and they will have to work with the medium or the hard one.“ Auf Deutsch: „Wir haben mit der Dorna gesprochen, und die Entscheidung für das Rennen lautet, dass der weiche Hinterreifen nicht erlaubt ist und sie mit dem Medium oder dem harten Reifen arbeiten müssen.“ Michelin empfiehlt den harten Reifen nach eigenen Angaben sehr deutlich, überlässt die Wahl aber den Teams und Fahrern.
Welche Reifen hatte Michelin für Motegi mitgebracht?
Michelin hatte für Motegi drei Hinterreifen dabei, die alle steifer sind als im Vorjahr. Weil die Strecke komplett neu asphaltiert wurde und vorab keine Testfahrten möglich waren, erweiterte der Hersteller das Kontingent um eine zusätzliche Variante.
Der weiche und der mittlere Hinterreifen nutzen die Standard-Karkasse. Die Karkasse ist der tragende Unterbau des Reifens, also das Gerüst unter der Gummimischung. Der harte Hinterreifen hat dagegen eine verstärkte Karkasse, die mehr Hitze verträgt. Sie kam zuletzt in Spielberg zum Einsatz, in dieser Saison außerdem in Buriram, Mandalika und Goiania. Anders als dort gab es die verstärkte Karkasse in Motegi aber nur in Verbindung mit der harten Mischung.
Vorne konnten die Fahrer zwischen Soft, Medium und Hard wählen. Diese Reifen haben die gleiche Steifigkeit wie im Vorjahr, nur der harte Vorderreifen hat ebenfalls eine verstärkte Karkasse. Im Sprint fuhren alle 22 Fahrer vorne den Medium. Hinten setzten bis auf Marco Bezzecchi und Jack Miller alle auf den Soft. Den harten Hinterreifen hatte am Freitag und Samstag kein einziger Fahrer ausprobiert.
Schon vor dem Wochenende war die Skepsis groß. Jack Miller von Pramac Yamaha erinnerte sich an ein schwaches Wochenende in Spielberg und meinte halb im Scherz, er würde seine Sachen packen und nach Hause fahren, wenn er diesen Reifen fahren müsste. Auch Honda-Fahrer Luca Marini machte klar, dass er wenn möglich immer den weicheren Reifen mit mehr Grip und die Standard-Karkasse nimmt.

Was ist mit den Reifen von Bagnaia und Martin passiert?
Bei beiden wurde die Mitte des Hinterreifens so heiß, dass sich im Gummi Blasen bildeten und danach ganze Stücke aus der Lauffläche brachen. Fachleute sprechen dabei von Blistering und Chunking.
Der Ablauf lässt sich Schritt für Schritt erklären. Beim Blistering staut sich die Hitze tief im Reifen zwischen Karkasse und Lauffläche. Die Struktur bleibt intakt, aber im Gummi entstehen Gasblasen, die aufplatzen und Löcher hinterlassen. Diese Hohlräume schwächen die Lauffläche von innen. Beim Herausbeschleunigen aus den Kurven wirken enorme Kräfte, und der Asphalt reißt dann einzelne Stücke aus dem Reifen. Das nennt man Chunking.
Motegi verstärkt diesen Effekt. Die Strecke besteht vor allem aus harten Bremszonen und kräftigen Beschleunigungen aus engen Kurven. Hinzu kommt, dass Reifenwärmer heute nur noch niedrigere Temperaturen erreichen dürfen. Die Fahrer müssen den Reifen deshalb in den ersten Runden sehr aggressiv auf Temperatur bringen. Fabio Di Giannantonio sieht das größte Problem auf den Geraden. Wenn die Fahrer dort lange mit abgesenktem Motorrad fahren, liegt viel Last auf dem Reifen, und er heizt sich auf. Das gleiche Phänomen gab es in dieser Saison schon in Thailand.
Bagnaia: Vibrationen ab der sechsten Runde
Bagnaia spürte etwa ab der sechsten Runde starke Vibrationen beim Einlenken. Um sie zu dämpfen, bremste er stärker mit der Hinterradbremse. Das brachte aber noch mehr Hitze ins Hinterrad und verschlimmerte das Problem. Am Ende hatte er nach eigenen Worten überhaupt kein Gefühl mehr für das Motorrad und gab eine Runde vor Schluss auf.
Den Grund sieht Bagnaia in seinem bekannten Gripproblem. Sobald er Gas gibt, rutscht das Hinterrad, und der Reifen erhitzt sich noch stärker. Im Training war davon nichts zu merken. Wer allein fährt und immer wieder an die Box kommt, bemerkt solche Probleme kaum. Im dichten Feld heizen sich Motorrad und Reifen dagegen viel schneller auf.
Martin: Kein einziges Warnzeichen
Bei Martin ließ der Hinterreifen nach sieben oder acht Runden auf der linken Seite nach. In den letzten beiden Runden konnte er auf der Geraden nicht einmal mehr richtig Gas geben. In der letzten Runde war er der langsamste Fahrer im ganzen Feld und verlor mehr als eine Sekunde. Der zerfallende Reifen zerschlug sogar Teile der Heckverkleidung seiner Aprilia. Enea Bastianini, der direkt hinter ihm fuhr, bemerkte merkwürdige Bewegungen am Motorrad. Martin selbst sagt, er habe kein einziges Anzeichen für das Problem gespürt, und nennt das mit Blick auf das Rennen besorgniserregend.
Warum hatte Marc Marquez mit demselben Reifen keine Probleme?
Nach Einschätzung von Michelin hängt der Verschleiß vor allem vom Fahrstil, von der Abstimmung und vom Reifenmanagement ab. Bei Marc Marquez funktionierte der weiche Reifen laut Taramasso einwandfrei, während Bagnaia auf dem gleichen Motorrad mit dem gleichen Reifen aufgeben musste.
Die Bilanz nach Herstellern fällt deutlich aus. Bei zwei Aprilia und einer Ducati gab es massive Blasenbildung. Bei KTM hatte kein Motorrad Probleme, bei Honda war nur eines betroffen. Marquez selbst erklärt seinen Sieg mit einer kleinen Änderung an der Abstimmung vor dem Rennen, nach der er sich deutlich wohler fühlte.
Johann Zarco von LCR Honda beschreibt das Dilemma, in dem alle Fahrer stecken: „The problem is that sometimes you need to spin to go fast and then when you spin you have a blister in the tyre.“ Übersetzt: „Das Problem ist, dass man manchmal Schlupf braucht, um schnell zu sein, und wenn man Schlupf hat, bekommt man Blasen im Reifen.“ Wer den Schlupf beim Herausbeschleunigen kontrollieren kann, fährt laut Zarco ein gutes Rennen.

Warum wird der harte Reifen nicht Pflicht?
Michelin will die Hersteller nicht bestrafen, die mit dem weichen Reifen gut zurechtkamen. Taramasso nennt ausdrücklich KTM und einige Honda, die wenig Energie in die Reifen bringen.
Dabei hatten nach dem Sprint mehrere Teams eine Pflicht für den harten Reifen gefordert. Auch Jack Miller ging fest davon aus. Er war einer von nur zwei Fahrern mit dem Medium und hatte trotzdem viele Blasen auf der Lauffläche, nicht ganz so schlimm wie bei Bagnaia, aber nicht weit davon entfernt. Sein Fazit direkt nach dem Rennen: „So, we’ll all be on the hard tomorrow. I can almost guarantee it.“ Auf Deutsch: „Also werden wir morgen alle den Harten fahren. Das kann ich fast garantieren.“ Die Prognose ging nicht auf.
Andere sahen das vor der Entscheidung ganz anders. Fabio Quartararo hätte im Rennen am liebsten den Soft gefahren, und auch Marc Marquez wollte den weichen Reifen nicht ausschließen.
Medium oder Hard: Welche Wahl haben die Teams im Rennen?
Die Teams können im Grand Prix zwischen dem mittleren und dem harten Hinterreifen wählen. Michelin weist darauf hin, dass der Medium sorgfältiges Reifenmanagement braucht, und empfiehlt den Hard allen, die über die volle Distanz ein hohes Tempo halten wollen.
Die Erfahrungen mit dem Medium sind gemischt. Bei Bezzecchi blieb der Reifen sauber, bei Miller nicht. Taramasso erklärt, der Medium sei zwar robuster als der Soft. Wenn die Abstimmung aber nicht optimal sei und das Hinterrad mehr durchdrehe, müsse der Fahrer alles tun, um den Schlupf zu begrenzen. Bezzecchi hatte den Medium bewusst gewählt, weil er damit im Training eine gute Pace und weniger Temperaturrisiko hatte. Im Sprint fehlte ihm dann nach eigener Schätzung etwa eine Sekunde, und er fiel auf Platz sechs zurück. Zarco hält den Medium dennoch für die sicherere Wahl über die volle Distanz.
Der harte Reifen ist für alle Neuland. Deshalb wird das Warm-up am Sonntag auf Wunsch von Michelin um zehn Minuten verlängert. Es läuft von 9:35 bis 9:55 Uhr Ortszeit, also von 2:35 bis 2:55 Uhr MESZ. Miller erwartet eine große Umstellung. Er spricht davon, dass die Motor-Mappings komplett anders sein werden und die Arbeit des ganzen Wochenendes damit im Grunde wertlos ist. Ein Rennen mit Lotteriecharakter hält er für möglich. Am liebsten wäre ihm Regen, doch die Wettervorhersage gibt das nach seinen Worten nicht her.

Was bedeutet die Reifenentscheidung für den WM-Kampf?
Die Entscheidung trifft die beiden Titelkandidaten unterschiedlich, denn der harte Reifen mit verstärkter Karkasse lag in dieser Saison vor allem Aprilia. In Thailand, Brasilien und Österreich, wo diese Konstruktion zum Einsatz kam, waren die Aprilia sehr schnell, während Ducati große Probleme hatte.
Gerade das Ducati-Werksteam von Marc Marquez kam mit der hitzebeständigen Karkasse bisher schlecht zurecht. In Spielberg verlor Marquez wichtige Punkte an das Aprilia-Duo Martin und Bezzecchi. Dass der Hard in Motegi keine Pflicht ist, dürfte ihm deshalb entgegenkommen. Im Sprint verkürzte er den Rückstand auf Martin um fünf Punkte. Martin führt nun mit 313 Punkten vor Marquez mit 306 Punkten, Bezzecchi folgt mit 268 Punkten auf Rang drei.
Reifendramen dieser Art sind in der Geschichte der MotoGP nicht neu. Beim Großen Preis von Australien 2013 schrieb der damalige Ausrüster Bridgestone einen Motorradwechsel während des Rennens vor, weil die Reifen nicht sicher die volle Distanz halten sollten. Marquez kam damals eine Runde zu spät an die Box, wurde disqualifiziert und hätte so fast seinen ersten Titel in der Königsklasse verloren.
Wie lief der Sprint in Motegi ab?
Marc Marquez gewann den Sprint vom zweiten Startplatz aus vor Diogo Moreira und Jorge Martin. Es war sein 22. Sprintsieg.
Beim Start beschleunigten Marquez und Polesetter Martin Seite an Seite auf die erste Kurve zu. Marquez hatte die Innenseite und übernahm die Führung. Dabei kam es zu einer Berührung: Martin veröffentlichte später ein Foto, auf dem das Vorderrad der Ducati ihn trifft, und an seinem Leder blieb eine Spur zurück. In der sechsten Runde baute Marquez seinen Vorsprung erstmals auf eine Sekunde aus, danach hatte Martin keine Antwort mehr.
Ins Ziel kamen zunächst Martin, Bastianini und Moreira auf den Plätzen zwei bis vier. Weil Martin und Bastianini in der letzten Runde die Streckenbegrenzung überfuhren, wurden beide um einen Platz zurückversetzt. So holte LCR-Honda-Fahrer Moreira sein erstes Podium in der MotoGP. Martin sicherte als Dritter immerhin das erste Podium für Aprilia in Motegi. Dahinter folgten Bastianini, Lokalmatador Ai Ogura, Bezzecchi, Zarco, Raul Fernandez und Quartararo, der als Neunter den einzigen Punkt für Yamaha holte. Auf den ersten vier Plätzen standen damit vier verschiedene Hersteller.
Startunfall: Doppelte Long-Lap-Strafe für Alex Marquez
Schon in der ersten Runde war der Sprint für drei Fahrer vorbei. Alex Marquez von Gresini war von Startplatz fünf auf Rang sieben zurückgefallen und griff in Kurve drei Fabio Di Giannantonio auf der Bremse an. Dabei verlor er die Front, prallte in das Heck von Pedro Acosta und riss auch Di Giannantonio mit ins Kiesbett.
Die Rennkommissare um Simon Crafar werteten das als Verstoß gegen Artikel 1.21.2 des Reglements. Obwohl es sein erstes Vergehen dieser Art in der Saison war, muss Alex Marquez im Grand Prix eine doppelte Long-Lap-Strafe absitzen. Er übernahm sofort die Verantwortung, entschuldigte sich bei beiden Fahrern und nannte die Strafe verdient. Acosta sprach von einem überstürzten Manöver und trauerte einer guten Chance auf ein Podium nach, mit dem er Punkte auf Bezzecchi im Kampf um WM-Rang drei hätte gutmachen können. Di Giannantonio bekam einen heftigen Schlag gegen die rechte Hüfte und die Rippen und blieb zunächst mit Atemproblemen im Kies liegen. Die Untersuchung im Medical Center ergab aber keine ernsthaften Verletzungen.

Häufige Fragen
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Welche Reifen sind beim Rennen der MotoGP in Motegi erlaubt?
Im Grand Prix von Japan dürfen die Fahrer hinten nur den mittleren oder den harten Reifen verwenden. Den weichen Hinterreifen hat Michelin nach dem Sprint gemeinsam mit der Dorna gestrichen. Michelin empfiehlt den harten Reifen mit verstärkter Karkasse, die Wahl liegt aber bei den Teams.
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Warum ist der Reifen von Bagnaia in Motegi kaputtgegangen?
Der Hinterreifen von Francesco Bagnaia ist in der Mitte überhitzt, wodurch sich Blasen bildeten und Gummistücke herausbrachen. Bagnaia erklärt das mit fehlendem Grip, durch den das Hinterrad beim Gasgeben rutscht. Sein Versuch, die Vibrationen mit der Hinterradbremse zu dämpfen, brachte zusätzlich Hitze in den Reifen.
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Wer hat den MotoGP-Sprint in Motegi gewonnen?
Marc Marquez hat den Sprint in Motegi auf der Ducati gewonnen. Diogo Moreira wurde Zweiter und holte sein erstes MotoGP-Podium, Jorge Martin wurde nach einer Strafe für Tracklimits Dritter.
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Wann startet der Grand Prix von Japan in Motegi?
Das Rennen über 24 Runden startet am Sonntag, 4. Oktober 2026, um 7 Uhr MESZ. Vorher gibt es ein auf 20 Minuten verlängertes Warm-up, in dem die Fahrer den harten Hinterreifen erstmals testen können.
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Welche Strafe bekommt Alex Marquez nach dem Sprint in Motegi?
Alex Marquez muss im Grand Prix eine doppelte Long-Lap-Strafe absitzen. Die Rennkommissare machten ihn für den Startunfall verantwortlich, bei dem Pedro Acosta und Fabio Di Giannantonio stürzten.











