- Der Große Preis von Australien 2026 ist das 30. und letzte WM-Rennen auf Phillip Island.
- Jorge Martin führt die WM nur 2 Punkte vor Marc Marquez an.
- Für Sonntag sind 100 % Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt, eine Änderung des Zeitplans ist im Gespräch.
Seit 1989 gehört der Kurs südlich von Melbourne zur Motorrad-WM, und viele Fahrer zählen ihn zu ihren Lieblingsstrecken. Umso stärker fällt die Wehmut beim 18. Lauf der MotoGP-Saison 2026 aus. Sportlich steht viel auf dem Spiel. Die vier Aprilia-Fahrer haben schon am Freitag gezeigt, wie gut ihnen die schnellen Kurven an der Küste liegen. Marc Marquez will trotzdem so viele Punkte wie möglich holen. Über allem hängt die Frage, ob das Wetter überhaupt ein normales Rennen zulässt.

Warum fährt die MotoGP zum letzten Mal auf Phillip Island?
Die Regierung von South Australia hat sich den Australien-GP ab 2027 gesichert, die MotoGP wechselt deshalb auf einen umgebauten Stadtkurs in Adelaide. Auf diesem Straßenkurs fuhr früher schon die Formel 1.
Ganz überraschend kam das Ende nicht. Die Anlage auf Phillip Island gilt als veraltet, es gibt nur wenige Unterkünfte, und die Strecke ist schwer zu erreichen. Die Zuschauerzahlen waren in den letzten Jahren gesunken. Für die Region war der Grand Prix trotzdem wichtig, denn die Besucher bringen den örtlichen Betrieben Umsatz.
Die Geschichte der Strecke in der WM ist lang. 1989 fand dort zum ersten Mal der Große Preis von Australien statt. Ab 1997 wurde Phillip Island fester Gastgeber und löste Eastern Creek ab. Mit dem Rennen an diesem Sonntag endet die Ära nach 30 WM-Läufen.
Die Fahrer hatten anfangs Sicherheitsbedenken gegen den Stadtkurs in Adelaide. Die MotoGP ging darauf ein und zeigte ihnen unter anderem ein KI-generiertes Onboard-Video der neuen Strecke. Seitdem sind die Fahrer weniger kritisch.
Was macht die Strecke für die Fahrer so besonders?
Phillip Island ist mit 4,4 Kilometern Länge sehr schnell, hat viele Höhenunterschiede und wirkt wie eine Rennstrecke alter Schule. Dazu kommen die Lage direkt an der Küste und die Nähe zu den Fans.
Jack Miller kennt das besser als jeder andere im Feld. Der Pramac-Yamaha-Pilot ist der einzige Australier in der MotoGP und zählt Phillip Island zu den prägendsten Strecken im Kalender. Er beschreibt eine Runde als ständigen Tanz mit dem Motorrad. Es schüttelt, das Vorderrad steigt, und der Wind drückt auf die Maschine. Richtig voll angreifen kann man deshalb nie. Gerade das macht für ihn den Reiz aus. Sein Vorteil: Wenn das Motorrad nicht perfekt abgestimmt ist, lässt sich auf dieser Strecke trotzdem noch etwas herausholen, sobald es gut einlenkt.
Marc Marquez nennt die Strecke eine seiner liebsten, warnt aber auch vor ihr. Sie ist schnell und schmal, und wer stürzt, liegt sofort im Kiesbett. Er vergleicht den Respekt der Fahrer mit dem vor Assen. Vor allem der letzte Abschnitt der Runde beeindruckt ihn jedes Jahr wieder, besonders in den ersten Runden.
Für Jorge Martin gehört auch das Drumherum dazu. Viele Fahrer wohnen hier nicht im Hotel, sondern in gemieteten Ferienhäusern. Martin erzählt von der Tierwelt rund um die Häuser und vom Surfen. Fahrerisch verlangt die Strecke aus seiner Sicht viel Technik, weil sie sich stark von den üblichen Kursen unterscheidet. Seit seiner Zeit in der Moto3 mag er sie.

Wie verabschieden sich die Fahrer von Phillip Island?
Die Stimmung im Fahrerlager ist zwiegespalten: Viele freuen sich auf ein letztes Wochenende an einem besonderen Ort und sind gleichzeitig traurig, dass es vorbei ist.
Pedro Acosta von KTM stellt Phillip Island auf eine Stufe mit Mugello und Jerez. Er schwärmt von der Atmosphäre und davon, wie nah die Fans an den Fahrern sind. Dass die MotoGP im nächsten Jahr nicht mehr kommt, findet er sehr schade. Jorge Martin wird die Strecke nach eigener Aussage vermissen. Er hält es aber für möglich, dass die MotoGP irgendwann zurückkehrt.
Luca Marini von Honda denkt an die großen Rennen, vor allem an die Jahre 2017 und 2018. Für Fernsehzuschauer und Fans waren die Läufe hier aus seiner Sicht oft die schönsten der ganzen Saison. Besonders mag er die Siegertrophäe, die es so nur auf Phillip Island gibt. Aufs Podest hat er es hier noch nie geschafft. Ob er am Wochenende überhaupt angreifen kann, ist offen. Marini fuhr am Freitag nur zwei Runden im ersten freien Training und musste danach wegen eines Virus pausieren. Am Samstag wird sein Zustand neu bewertet.
Marco Bezzecchi verbindet mit der Insel nach eigener Aussage mehr Erinnerungen als mit anderen Strecken. Er nennt Auftritte von Valentino Rossi, das Fotofinish zwischen Jack Miller und Pecco Bagnaia und viele enge Zweikämpfe. Im vergangenen Jahr stand er hier zum ersten Mal in der MotoGP auf dem Podest, obwohl er im Rennen eine doppelte Long-Lap-Strafe absitzen musste. Den Sprint hatte er da sogar klar beherrscht. Auf dieser Strecke zu fahren, sieht er als Privileg.
Wie steht der WM-Kampf vor dem Australien-GP?
Vor dem 18. von 22 Saisonläufen führt Jorge Martin auf Aprilia mit nur 2 Punkten vor Weltmeister Marc Marquez. Nach diesem Wochenende stehen noch vier Rennwochenenden aus.
Marquez lag in dieser Saison schon über 100 Punkte zurück und hatte sich selbst aus dem Titelrennen gestrichen. Dann holte der 33-Jährige in zehn Rennwochenenden fünfmal den Doppelsieg aus Sprint und Grand Prix. Auf Phillip Island will der Ducati-Werkspilot möglichst nah an die vollen 37 Punkte herankommen. Er räumt aber ein, dass die schnellen Kurven Aprilia entgegenkommen. Seine Hoffnung sind die Linkskurven der Strecke. Marquez erinnert daran, dass Aprilia auch in Mandalika als Favorit galt und er dort trotzdem keinen einzigen Punkt auf Martin verlor. Den Sprint in Indonesien hatte er gewonnen. Zu seinen Gegnern zählt er inzwischen auch wieder Bezzecchi.
Der Italiener ist WM-Dritter und hat den Grand Prix in Indonesien gewonnen. Auf die Spitze fehlen ihm aber noch 46 Punkte. Den Rückstand hat er sich zum Teil selbst eingehandelt, denn im Sprint von Mandalika ging er nach einer Kollision leer aus.

Wie stark ist Aprilia vor dem letzten Rennen auf Phillip Island?
Aprilia hat den Freitag klar bestimmt: Im Practice belegten die RS-GP-Fahrer die Plätze 1, 2, 4 und 5. Bezzecchi fuhr mit 1:26,775 Minuten die Bestzeit, Raul Fernandez lag knapp eine Zehntelsekunde dahinter.
Der Tag verlief allerdings nicht ruhig. Bezzecchi fuhr kurz nach Beginn der Session in Kurve 4 auf das Heck der Gresini-Ducati von Alex Marquez auf. Danach stürzte er im Kiesbett, Verkleidungsteile lagen auf der Strecke, und es gab eine rote Flagge. Wenig später unterbrach eine zweite rote Flagge das Training, weil Tiere auf der Strecke waren. Bezzecchi stieg auf sein Ersatzmotorrad um und arbeitete sich wieder an die Spitze.
Marc Marquez war im ersten freien Training am Vormittag Schnellster. Im Practice blieb er als einziger Ducati-Fahrer an den Aprilias dran und wurde Dritter. Ai Ogura fuhr auf Platz 4 exakt dieselbe Zeit wie Marquez. WM-Spitzenreiter Martin landete als langsamster der vier Aprilia-Fahrer auf Platz 5. Diogo Moreira war als Neunter bester Honda-Fahrer, Fabio di Giannantonio schaffte als Zehnter den letzten direkten Platz im Q2. Heimfahrer Jack Miller muss nach einem frühen Sturz als Zwölfter in das Q1.
Gibt es bei Aprilia eine Teamorder?
Eine Teamorder hat bei Aprilia bisher niemand bestätigt. Am Donnerstag trafen sich die vier Aprilia-Piloten zwar mit dem Teamstrategen. Bezzecchi und Fernandez spielten das aber herunter und sprachen nur von einem gemeinsamen Kaffee. Bezzecchi verweist darauf, dass sich das Werksteam und Trackhouse an jedem Rennwochenende austauschen.
Die Frage liegt trotzdem nahe. In Mandalika fuhren die vier Aprilias im Grand Prix auf die Plätze 1 bis 4. Fernandez kam als Zweiter vor Martin ins Ziel. Die beiden Trackhouse-Fahrer Fernandez und Ogura können sich vor Marquez schieben und ihm Punkte wegnehmen. Genauso können sie aber auch Martin Punkte kosten. Ob Fernandez im Ernstfall zurückstecken müsste, ist offen.
Dass Absprachen nicht immer funktionieren, hat Indonesien gezeigt. Vor dem Sprint gab es die Vorgabe, sich gegenseitig nicht zu behindern. Trotzdem prallten Bezzecchi und Fernandez in der ersten Runde vor der ersten Bremszone zusammen. Bezzecchi war weit gekommen und drängte Fernandez Richtung Randstein. Fernandez war wütend und warf ihm unprofessionelles Verhalten vor. Er hatte am selben Tag zum ersten Mal in der MotoGP die Pole Position geholt.
Wie fit ist Vorjahressieger Raul Fernandez?
Raul Fernandez fährt auf Phillip Island, ist nach eigener Aussage aber nicht bei 100 Prozent. Seit dem Sprint-Sturz in Mandalika plagen ihn zwei gebrochene Finger an der rechten Hand.
Zunächst war nur ein Bruch bekannt. Am Morgen nach dem Sturz merkte Fernandez, dass auch ein zweiter Finger gebrochen war, darunter der Zeigefinger, mit dem er normalerweise bremst. Er behielt das zunächst für sich. Trackhouse veränderte die Position seiner Hand und des Bremshebels, Fernandez bremste mit dem Mittelfinger. Damit fehlten ihm alle gewohnten Anhaltspunkte für Bremspunkte und Kurven. Trotzdem führte er den Grand Prix 18 von 27 Runden lang an und wurde Zweiter hinter Bezzecchi. Nach etwa der Hälfte des Rennens war er nach eigener Aussage am Ende seiner Kräfte.
Zwei Wochen später geht es ihm deutlich besser als in Indonesien, aber schlechter als vor einem Jahr. Fernandez will das Wochenende mit seinem Team Schritt für Schritt angehen und schauen, wie der Finger hält. Am schwierigsten wird für ihn die körperliche Belastung, dazu kommt das wechselhafte Wetter.
Auf Phillip Island feierte der Spanier 2025 seinen ersten MotoGP-Sieg. Er startete damals von Platz 4 und lag im Ziel 1,5 Sekunden vor Fabio di Giannantonio. Fernandez räumt ein, dass damals Martin und Marc Marquez verletzt fehlten. Ein Ziel nennt er deshalb nicht. Wenn sich eine Chance auf den Sieg ergibt, will er sie aber nutzen.

Droht wegen Regen eine Verschiebung des Rennens?
Ja, eine Änderung des Zeitplans ist möglich, aber noch nicht beschlossen. Laut Fabio di Giannantonio wurde im Fahrerlager schon über Alternativen gesprochen, damit unter möglichst guten Bedingungen gefahren werden kann.
Die Prognose des australischen Wetterdienstes Bureau of Meteorology ist düster:
- Für den Freitag waren Sonne, bis zu 26 Grad und starker Wind angekündigt.
- Am Samstag soll es nur noch 19 Grad warm werden, bei 95 % Regenwahrscheinlichkeit und 6 bis 20 Millimetern Niederschlag. Der Regen soll aber vor allem am Nachmittag und Abend kommen, der Sprint könnte also noch trocken bleiben.
- Am Sonntag liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei 100 %, erwartet werden 10 bis 30 Millimeter und höchstens 18 Grad. Schauer sind den ganzen Tag über möglich und könnten alle drei Grand-Prix-Läufe treffen.
Pecco Bagnaia rechnet damit, dass am Samstag und Sonntag schon das Fahren an sich schwierig wird. Marc Marquez betont, dass das Wetter für alle gleich ist. Ein unbeständiges Wochenende macht es den Fahrern aber schwerer. Jack Miller sieht darin eine gewisse Ironie: Nach mehreren schwierigen Jahren hatte er für das letzte Rennen auf gutes Wetter gehofft.
Einen Vorgänger gibt es. 2023 zog die MotoGP den Grand Prix wegen einer Sturmwarnung auf den Samstag vor und tauschte ihn mit dem Sprint. Der Sturm kam am Sonntag tatsächlich. Die Moto3 fuhr noch im strömenden Regen, das Moto2-Rennen wurde abgebrochen und der MotoGP-Sprint abgesagt. Die Veranstalter wollen auch diesmal abwarten, wie sich die Vorhersage entwickelt.
Wann starten Sprint und Grand Prix nach deutscher Zeit?
Nach dem aktuellen Zeitplan startet der Sprint am Samstag um 15 Uhr Ortszeit, also um 6 Uhr deutscher Zeit. Der Grand Prix beginnt am Sonntag um 14 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es dann 4 Uhr.
Der Zeitunterschied ändert sich am Wochenende, weil in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Deutschland die Sommerzeit endet. Am Samstag ist Australien uns neun Stunden voraus, am Sonntag zehn Stunden. Das Qualifying der MotoGP ist am Samstag um 10:50 Uhr Ortszeit angesetzt, am Sonntag folgen das Warm-up um 9:40 Uhr, die Moto3 um 11 Uhr und die Moto2 um 12:15 Uhr Ortszeit. Ändern die Veranstalter wegen des Wetters den Zeitplan, verschieben sich auch diese Startzeiten.

Wie geht es mit Phillip Island nach der MotoGP weiter?
Die Strecke bleibt eine Rennstrecke. Ab 2027 kommt die australische Tourenwagenserie Supercars mit einem Fünfjahresvertrag zurück.
Die Supercars fuhren zuletzt 2019 auf Phillip Island und standen schon 1997 dort im Kalender. Künftig soll die Strecke eines der Finalrennen am Ende der Saison ausrichten. Die Superbike-WM verlässt Phillip Island dagegen ebenfalls. Sie fährt dort 2027 noch ihren Saisonauftakt, danach ist auch für sie Schluss. Die Regierung von Victoria hofft, dass die Supercars wieder Zuschauer und damit Kunden für die Betriebe in der Region bringen.

Häufige Fragen
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Warum verlässt die MotoGP Phillip Island?
Die Regierung von South Australia hat sich den Australien-GP ab 2027 gesichert, gefahren wird dann auf einem umgebauten Stadtkurs in Adelaide. Gegen Phillip Island sprachen schon länger die veraltete Anlage, wenige Unterkünfte und die schwierige Anreise.
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Wie viele WM-Rennen gab es auf Phillip Island?
Das Rennen 2026 ist das 30. und letzte WM-Rennen auf Phillip Island. Der erste Große Preis von Australien fand dort 1989 statt, ab 1997 war die Strecke fester Gastgeber.
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Wird das MotoGP-Rennen auf Phillip Island wegen Regen verschoben?
Eine Verschiebung ist im Gespräch, aber noch nicht beschlossen. Für Sonntag sind 100 % Regenwahrscheinlichkeit und bis zu 30 Millimeter Niederschlag vorhergesagt. 2023 hatte die MotoGP den Grand Prix aus demselben Grund auf den Samstag vorgezogen.
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Wann startet das MotoGP-Rennen auf Phillip Island in Deutschland?
Nach dem aktuellen Zeitplan beginnt der Grand Prix am Sonntag um 4 Uhr deutscher Zeit, der Sprint am Samstag um 6 Uhr. Wegen der Zeitumstellung in der Nacht auf Sonntag beträgt der Unterschied am Renntag zehn Stunden.
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Was kommt nach der MotoGP auf Phillip Island?
Ab 2027 fährt dort wieder die australische Tourenwagenserie Supercars, und zwar mit einem Fünfjahresvertrag. Die Superbike-WM trägt 2027 noch ihren Saisonauftakt auf Phillip Island aus und zieht danach ebenfalls weg.












