- Bestes Ergebnis bisher: Platz fünf für Fabio Quartararo in Barcelona, über die volle Renndistanz Rang sechs in Le Mans.
- Im fünften und sechsten Gang fehlt Spitzenleistung, beim Beschleunigen ist der V4 dem alten Reihenvierzylinder überlegen.
- Die M1 für 2027 soll das leichte Einlenken zurückbekommen, das der aktuellen Version abhandengekommen ist.
Für Yamaha ist 2026 ein Jahr des Umbruchs. Nach vielen Jahren mit dem Reihenvierzylinder fährt die YZR-M1 nun mit einem V4-Motor, also einem Motor, bei dem die vier Zylinder in zwei Reihen V-förmig angeordnet sind. Weil 2027 der Hubraum in der MotoGP auf 850 Kubikzentimeter sinkt, sah Yamaha die laufende Saison von Anfang an als Testjahr, um mit dem neuen Konzept Erfahrung zu sammeln. Dass das kein Spaziergang wird, war allen Beteiligten klar. Teammanager Massimo Meregalli spricht offen über die Probleme, und auch Paolo Pavesio, Managing Director von Yamaha Motor Racing, zog im September eine erste Bilanz.

Warum ist das erste V4-Jahr für Yamaha so schwierig?
Weil Yamaha mit dem V4 praktisch bei null angefangen hat. Fast alle Daten aus der Vergangenheit lassen sich nicht mehr verwenden, deshalb ist jede Rennstrecke für das Team Neuland.
„Uns war von Beginn an klar, dass es kein einfaches Jahr werden würde“, sagt Meregalli. „Dieses Motorrad ist für uns ein völlig unbeschriebenes Blatt.“ Zu Beginn habe das Team erst einmal verstehen müssen, wie das Motorrad überhaupt auf Änderungen reagiert. Viele Eigenheiten hätten sich erst von Rennen zu Rennen gezeigt, und meist seien das keine angenehmen Erkenntnisse gewesen, sondern wiederkehrende Probleme. Meregalli betont aber auch, dass sich daran nichts geändert hätte, wenn Yamaha das Projekt erst ein Jahr später gestartet hätte. Die Situation wäre genau dieselbe gewesen.
Pavesio wird noch deutlicher. Als Yamaha sich für den V4 entschied, rechnete man mit einer gewissen Spanne bei der Leistungsfähigkeit. Nach seiner Einschätzung liegt Yamaha eher im unteren Teil dieser Spanne. Der Hauptgrund seien Probleme mit der Zuverlässigkeit gewesen. Ohne einen stabilen Motor lasse sich keine Leistung herausholen. Inzwischen habe Yamaha die Zuverlässigkeit im Griff, deshalb sollten nun Motor-Updates folgen. Alles, was in dieser Saison noch kommt, ist bereits auf das nächste Jahr ausgerichtet. Insgesamt sei es mühsamer gewesen als erwartet, gibt Pavesio zu.
Warum hat Yamaha vom Reihenvierzylinder auf einen V4-Motor gewechselt?
Ein zentraler Grund war die Aerodynamik. Ein V4-Motor baut schmaler als ein Reihenvierzylinder, dadurch bleibt an der Seitenverkleidung mehr Platz für aerodynamische Teile.
Dazu kommt das Reglement für 2027. Nach Pavesios Worten legt es die erlaubte Breite der Aerodynamik fest, und schon deshalb hätte Yamaha früher oder später auf einen V-Motor umsteigen müssen. Die Konkurrenz habe mit dieser Bauweise bereits viel Erfahrung. Den V4 schon jetzt einzuführen, sei mit Blick auf 2027 eine zwingende Entscheidung gewesen.
Der alte Reihenvierzylinder hatte nach Pavesios Rechnung 18 Jahre lang sehr gut funktioniert, tat sich dann aber immer schwerer. Die anderen Hersteller hatten sich längst für eine andere Bauweise entschieden, und auch die Reifen waren für diese Motorräder ausgelegt. Im Vorjahr war die M1 im Qualifying sehr schnell, im Rennen aber kaum konkurrenzfähig. Sie verbrauchte die Reifen stärker, hatte zu wenig Traktion und brachte ihre Leistung schlecht auf den Asphalt.
Mit dem neuen Motor hat sich auch das Fahrwerk grundlegend verändert. Das bisherige Chassis zählte laut Meregalli immer zu den besten im Feld. Durch die andere Motorform hätten sich jedoch die Steifigkeit und die Einbaulage des Motors drastisch verschoben. Yamaha habe versucht, das Verhalten vorab zu berechnen und zu simulieren. Trotzdem gebe es noch viele Bereiche, die das Team nicht vollständig verstanden hat. Gleichzeitig ist Meregalli überzeugt, dass das Motorrad als Ganzes inzwischen ordentlich funktioniert.

Wo verliert die Yamaha M1 mit dem V4-Motor noch Zeit?
Vor allem auf den Geraden. Der größte Rückstand liegt bei der Motorleistung, genauer gesagt bei der Spitzenleistung im fünften und sechsten Gang.
„Leider haben wir eine Großbaustelle“, sagt Meregalli. „Die Motorleistung ist der Bereich, in dem wir am meisten nachlegen müssen, denn genau dort haben wir aktuell die größten Probleme.“ Das mache den Fahrern das Leben schwer. Weil sie auf den Geraden Zeit verlieren, versuchen sie, auf der Bremse aufzuholen. Sie bremsen also deutlich später und härter, als es dem Motorrad guttut. Dieses sogenannte Überbremsen macht alles noch komplizierter, und in der Folge leidet auch das Einlenken im Vergleich zur Konkurrenz.
Es gibt aber auch einen Fortschritt. Beim Herausbeschleunigen ist der V4 besser als der Reihenvierzylinder, am deutlichsten am Ausgang von Schikanen vor langen Geraden. Pavesio sieht darin den Beweis, dass das Motorrad grundsätzlich gesund entwickelt ist.
„Oggi la moto accelera bene, per cui secondo noi è nata sana.“
Übersetzt: „Heute beschleunigt das Motorrad gut, deshalb ist es unserer Meinung nach gesund auf die Welt gekommen.“
Beide nennen Aragon als Beispiel. Die Yamaha kam dort gut aus der letzten Kurvenkombination auf die Gegengerade. Wer Jack Miller überholen wollte, schaffte das laut Meregalli zwar irgendwie, aber erst ganz am Ende der Geraden. Pavesio beschreibt das als frustrierend. Die Schuld sieht er aber bei Yamaha selbst, weil es Aufgabe des Werks sei, den eigenen Motor schneller zu machen. Die Zahlen im fünften und sechsten Gang kenne Yamaha vom Prüfstand.
Technikdirektor Max Bartolini hatte genau davor gewarnt. Meregalli erinnert sich an dessen Worte zum Projektstart: „Erwarte nicht, dass der Wechsel vom Reihenvierzylinder auf ein V4-Triebwerk wie von Zauberhand die fehlende Performance liefert.“ Das Gesamtpaket bestehe aus weit mehr als nur dem Motor, sagt Meregalli. Yamaha verstehe das Motorrad heute viel besser als zu Saisonbeginn, es sei aber weiterhin in der Entwicklung. Für ein endgültiges Urteil sei es noch zu früh.
Wie steht Yamaha bei Elektronik und Aerodynamik da?
In diesen beiden Bereichen sieht Meregalli Yamaha auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Hier hat das Team in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt.
Max Bartolini kam Ende 2023 von Ducati zu Yamaha und übernahm die Rolle des Technischen Direktors. Schon beim Reihenvierzylinder lag ein Schwerpunkt auf neuen Strategien für die Elektronik. Durch den Wechsel auf den V4 sieht Meregalli dort keine Nachteile. Von den Fahrern höre er kaum Beschwerden über die Elektronik. Yamaha habe in diesem Bereich echte Fortschritte gemacht und auch Ingenieure von anderen Herstellern geholt.
Optisch wirkt die M1 allerdings deutlich zurückhaltender als die Aprilia, deren Verkleidung aussieht, als sei sie direkt im Windkanal geformt worden. Meregalli bestätigt diesen Eindruck, verweist aber auf kleine Details an der Yamaha, die von außen schwer zu erkennen sind. Im Fahrerlager kenne man die Konzepte der anderen Hersteller genau. Nach aktuellem Wissensstand stehe Yamaha im Vergleich gar nicht so schlecht da.

Welche Ergebnisse hat Yamaha mit dem V4-Motor bisher erzielt?
Das beste Ergebnis ist ein fünfter Platz von Fabio Quartararo in Barcelona, in einem Rennen mit Unterbrechungen. Über eine komplette Renndistanz war Rang sechs in Le Mans sein bestes Resultat.
Meregalli nennt die Saison ohne Umschweife hart. Ein Grund liege auch in der Stärke des Feldes. Früher habe ein Rückstand von einer halben Sekunde auf die Spitze noch für einen Platz unter den besten drei oder vier gereicht. Heute liegen alle so eng beisammen, dass die Aufgabe noch einmal deutlich schwerer geworden ist. „Das ist keine Ausrede, auf die ich mich gerne berufe, sondern schlichtweg die Realität“, stellt Meregalli klar.
Was plant Yamaha mit dem V4-Motor für die MotoGP-Saison 2027?
Yamaha will die Erfahrungen aus dem Lernjahr direkt in die neue 850er-M1 einfließen lassen. Das Ziel ist, 2028 voll konkurrenzfähig zu sein, 2027 soll dafür die Grundlage legen.
Im September beschrieb Pavesio den Stand der Entwicklung. Bis dahin waren alle Hersteller mit Übergangsmotorrädern unterwegs, etwa mit gedrosselten 1000er-Motoren oder Prototyp-Triebwerken. Yamaha begann gerade mit den ersten ernsthaften Tests auf Basis der 2027er-Maschine, das Testteam fuhr dafür in Barcelona und auf einer weiteren Strecke in Italien. Von den Stammfahrern hatte bis dahin nur Toprak Razgatlioglu die Übergangsversion getestet: ein 1000er-Motorrad mit dem 850er-Motor, ohne Fahrhöhenverstellung und mit reduzierter Aerodynamik. Er probierte dabei zwei Motorkonfigurationen aus, um herauszufinden, welche den besseren Charakter hat, denn der Motor beeinflusst auch das Kurvenverhalten des Fahrwerks. Nach Pavesios Angaben fand Toprak positive Ansätze, und Yamaha hat bereits eine Richtung gewählt.
Wichtig ist für Yamaha vor allem ein Punkt. Die M1 von 2026 hat nach Aussage der Fahrer ihre traditionelle Stärke verloren: das leichte Einlenken in die Kurve. Beim 2027er-Modell scheint Yamaha dieses Verhalten nach Pavesios Worten wiedergefunden zu haben. Eine große Unbekannte bleiben für alle Hersteller die neuen Reifen von Pirelli. Pavesio betont außerdem, dass Yamaha ohne den bereits laufenden V4 noch nicht einmal mit einem solchen Übergangsmotorrad hätte fahren können. Intern habe man mit einem schwierigen Start gerechnet, aber auch mit einer Steigerung.
Auch personell stellt sich Yamaha neu auf. Im Werksteam fahren 2027 Jorge Martin und Ai Ogura, im Satellitenteam Pramac bekommt Rookie Izan Guevara neben Toprak Razgatlioglu eine Chance. Mit der 850er-Ära beginnt für Yamaha damit auch auf der Fahrerseite eine neue Phase.

Häufige Fragen
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Warum fährt Yamaha in der MotoGP einen V4-Motor?
Yamaha ist vor allem wegen der Aerodynamik auf den V4 umgestiegen. Der Motor baut schmaler als ein Reihenvierzylinder und schafft so Platz an der Seitenverkleidung. Außerdem hätte das Reglement für 2027 nach Aussage von Paolo Pavesio ohnehin einen schmaleren V-Motor nötig gemacht.
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Was ist das beste Ergebnis der Yamaha V4 in der MotoGP?
Das beste Ergebnis ist Platz fünf von Fabio Quartararo in Barcelona, in einem Rennen mit Unterbrechungen. Über die volle Renndistanz war Rang sechs in Le Mans sein bestes Resultat.
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Wo hat die Yamaha V4 in der MotoGP Schwächen?
Die größte Schwäche ist die fehlende Spitzenleistung im fünften und sechsten Gang. Weil die Fahrer auf den Geraden Zeit verlieren, bremsen sie zu spät und hart, was das Einlenken verschlechtert. Beim Beschleunigen aus Kurven ist der V4 dagegen besser als der alte Reihenvierzylinder.
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Wer fährt 2027 für Yamaha in der MotoGP?
Im Werksteam fahren 2027 Jorge Martin und Ai Ogura. Im Satellitenteam Pramac starten Toprak Razgatlioglu und Rookie Izan Guevara.












