- Beide Anmeldungen gingen am 29. Juli 2026 am selben Tag beim USPTO ein
- Die RMCR nutzt den 1.250 Kubikzentimeter großen Revolution-Max-V2 mit rund 150 PS (110 kW)
- Der letzte Cafe Racer aus Milwaukee war die XLCR, gebaut von 1977 bis 1979
Als Harley-Davidson im Februar bei der Mama Tried Motorcycle Show in Milwaukee ein schwarzes Carbon-Motorrad namens RMCR auf die Bühne stellte, blieb offen, ob daraus jemals mehr wird als ein Einzelstück. Der Hersteller selbst sprach von einem Konzept ohne Produktionspläne. Fünf Monate später sieht die Lage anders aus. Zwei Markenanmeldungen deuten darauf hin, dass in Milwaukee an konkreten Modellen gearbeitet wird.

Warum ist eine Markenanmeldung mehr als eine Formalie?
Eine Markenanmeldung ist kein Serienversprechen, aber sie kostet Geld und hinterlässt eine behördliche Spur. Unternehmen sichern sich Namensrechte in der Regel dann, wenn ein Produkt bereits weit genug entwickelt ist, um den Aufwand zu rechtfertigen.
Die Anträge für RMCR und RMXR gingen am 29. Juli 2026 beim US-Patent- und Markenamt ein, beide am selben Tag. Das Kürzel RM steht für Revolution Max, die flüssigkeitsgekühlte V2-Baureihe der Marke. CR bedeutet Cafe Racer, XR verweist auf die Flat-Track-Tradition des Hauses.
Vorsicht bleibt trotzdem angebracht. Laut Medienberichten schaffen es längst nicht alle geschützten Namen bis in die Produktion. Das bekannteste Gegenbeispiel bei Harley-Davidson ist die Bronx, ein Naked Bike auf Revolution-Max-Basis, das 2019 angekündigt und 2020 wieder gestrichen wurde. Auch ein Cafe Racer und ein Scrambler aus derselben Ankündigungsrunde verschwanden damals wieder in der Schublade.
Was steckt technisch in der RMCR?
Im Rahmen sitzt der 1.250 Kubikzentimeter große Revolution-Max-V2 mit rund 150 PS (110 kW) und etwa 127 Nm (94 lb-ft). Der Motor trägt mit, dient also als tragendes Element der Konstruktion, wie schon in der Pan America und der Sportster S.
Das Fahrwerk fällt für ein Harley-Modell ungewöhnlich sportlich aus. Vorn arbeitet eine voll einstellbare Upside-down-Gabel aus der Black Series von Öhlins, hinten ein ebenfalls einstellbares Federbein derselben Marke. Zwischen den tief montierten Lenkerstummeln sitzt ein Lenkungsdämpfer, für die Verzögerung sorgen Bremsen von Brembo. Dazu kommen 17-Zoll-Räder mit Supersport-Reifen vom Typ Michelin Power GP2 und eine nach hinten versetzte Fußrastenanlage, die mehr Schräglage ermöglicht.
Die Verkleidungsteile bestehen weitgehend aus Carbon, von der kleinen Lampenmaske mit rundem LED-Scheinwerfer bis zum kurzen Heck. Goldfarbene Details setzen Akzente. Die Auspuffanlage stammt von Akrapovic und ist als 2-in-2-System mit zwei getrennten Endtöpfen ausgeführt, die teilweise aus Titan bestehen. Für ein Serienmodell dürften die Dämpfer allerdings etwas mehr Volumen brauchen, um die aktuelle Abgasnorm Euro 5+ zu erfüllen.
Zum Gewicht gibt es keine offiziellen Angaben. Die Sportster S wiegt fahrfertig 228 kg (503 lbs), die RMCR mit ihrem kürzeren Heckrahmen und der kompakteren Aluminium-Schwinge soll darunter liegen.

Welche Rolle spielt die XLCR aus den 1970er Jahren?
Die XLCR ist die historische Vorlage für das gesamte Projekt. Harley-Davidson baute sie von 1977 bis 1979 und verkaufte in dieser Zeit weniger als 2.000 Stück.
Gezeichnet hatte sie Willie G. Davidson, der Enkel eines Firmengründers und über Jahrzehnte prägender Designer des Unternehmens. Die XLCR fiel damals aus dem Rahmen, weil sie mit ihrer schmalen Silhouette und der schwarzen Lackierung so gar nicht zu den schweren Cruisern der Marke passte. Kommerziell ging der Versuch schief, heute ist die XLCR ein gesuchtes Sammlerstück.
Der Leistungsunterschied zeigt, wie weit die beiden Maschinen auseinanderliegen. Die XLCR kam auf 57 PS (42 kW) und rund 92 Nm (67,9 lb-ft), die RMCR erreicht mit dem modernen V2 fast das Dreifache an Leistung.
Bjorn Shuster, Designchef bei Harley-Davidson, ordnet das Projekt als Hommage ein. Er beschreibt die RMCR als Arbeit des Designteams, mit der die Leistungsfähigkeit der Revolution-Max-Plattform gefeiert werden sollte: „Looking at our history and our legacy, we really wanted to celebrate the iconography that’s in Willie’s original XLCR.“ Übersetzt: „Mit Blick auf unsere Geschichte und unser Erbe wollten wir die Bildsprache feiern, die in Willies originaler XLCR steckt.“
Was ist über die RMXR bekannt?
Zur RMXR gibt es bislang kein Konzeptfahrzeug und keine Bilder. Der Name selbst liefert die meisten Hinweise.
XR steht bei Harley-Davidson traditionell für Flat Track. Die XR750 gilt als eines der erfolgreichsten Rennmotorräder der Marke, die XR1200 und die XR1200X übertrugen diese Optik zwischen 2006 und 2013 auf ein Serienmodell. Diese Maschinen nutzten noch den luftgekühlten Sportster-Motor. Das RM im neuen Namen zeigt, dass die geplante Neuauflage auf den flüssigkeitsgekühlten Revolution Max setzt.
Offen bleibt der Hubraum. Möglich sind die 1.250 Kubikzentimeter der RMCR oder die kleinere Variante mit 975 Kubikzentimetern, die in der Nightster und der Nightster S arbeitet. Diese Entscheidung bestimmt auch, in welchem Preissegment das Modell landen würde.

Wie passt das Ganze zur Strategie von Harley-Davidson?
Beide Modelle würden direkt in das Programm passen, das Harley-Davidson unter dem Namen „Back to the Bricks“ fährt. Der Hersteller stellte den Plan am 5. Mai 2026 vor, benannt nach dem historischen Firmensitz an der Juneau Avenue in Milwaukee, intern „the Bricks“ genannt.
Vorstandschef Artie Starrs baut die Strategie auf fünf Säulen auf. Dazu gehören eine engere Bindung an das Händlernetz, das Zurückgewinnen von Marktanteilen im Kerngeschäft und ein stabileres Finanzgerüst. Für das Motorradgeschäft peilt das Unternehmen 2027 ein EBITDA von mehr als rund 304 Millionen Euro (350 Millionen US-Dollar) an. Die Händler sollen ihre Profitabilität 2026 verdoppeln und bis 2029 erneut verdoppeln.
Starrs erwähnte die RMCR bei der Präsentation der Quartalszahlen selbst, ohne sich festzulegen. Er sprach davon, dass das Konzept bei der Mama Tried Show, anschließend in Daytona und beim MotoGP-Lauf in Austin gezeigt wurde und dass die Rückmeldungen aus der Fahrergemeinde außergewöhnlich ausfielen: „you might see that from us in the market.“ Übersetzt: „Möglicherweise sehen Sie so etwas von uns im Markt.“
Wann könnten RMCR und RMXR auf den Markt kommen?
Ein offizieller Termin existiert nicht. Laut Medienberichten deutet der Zeitplan aus der Strategiepräsentation darauf hin, dass die RMCR im Herbst als Modelljahr 2027 vorgestellt werden könnte.
Bei der RMXR ist der Ablauf offener. Denkbar wäre eine Prototypenpremiere zum selben Zeitpunkt und ein Serienstart erst 2028. Auch beim Preis gibt es bislang nur Einordnungen. Die Pan America kostet in den USA je nach Ausstattung zwischen rund 17.350 Euro (19.999 US-Dollar) und rund 23.000 Euro (26.499 US-Dollar). In dieser Spanne wird die RMCR in Marktbeobachtungen erwartet.
Damit reiht sich das Thema in die Modelloffensive ein, mit der Harley-Davidson seine Palette für die Jahrgänge 2027 und 2028 umbaut. Die Rückkehr der luftgekühlten Sportster und das Einstiegsmodell Sprint gehören ebenfalls dazu. Ein Cafe Racer und ein Flat Tracker auf Revolution-Max-Basis wären der sportliche Gegenpol zu den klassischen Cruisern.

Häufige Fragen
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Was bedeutet die Abkürzung RMCR bei Harley-Davidson?
RMCR steht für Revolution Max Cafe Racer. RM bezeichnet die flüssigkeitsgekühlte V2-Motorenfamilie Revolution Max, CR steht für die Bauform Cafe Racer. Nach demselben Muster steht RMXR für ein Modell in der Flat-Track-Tradition der Marke.
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Wie viel Leistung hat die Harley-Davidson RMCR?
Die RMCR nutzt den 1.250 Kubikzentimeter großen Revolution-Max-V2 mit rund 150 PS (110 kW) und etwa 127 Nm (94 lb-ft). Derselbe Motor arbeitet in der Pan America und in der Sportster S. Zum Gewicht des Konzepts gibt es keine offiziellen Angaben.
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Kommt die Harley-Davidson RMCR wirklich in Serie?
Bestätigt ist das nicht. Harley-Davidson hat den Namen lediglich als Marke angemeldet und keine Produktionspläne veröffentlicht. Die Anmeldung gilt aber als deutliches Signal, weil Hersteller diesen Schritt üblicherweise erst bei fortgeschrittener Entwicklung gehen.
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Wann war der letzte Cafe Racer von Harley-Davidson?
Das war die XLCR, die von 1977 bis 1979 gebaut wurde. In diesen drei Jahren entstanden weniger als 2.000 Exemplare. Käme die RMCR in Serie, wäre es der erste Cafe Racer der Marke nach knapp 50 Jahren.












