- Produktionsende am 10. Juni 2026 bekanntgegeben, verkauft wird nur noch der Restbestand
- Preise in Japan: 699.800 Yen für die X350, 839.800 Yen für die X500
- Beide Modelle entstanden mit dem chinesischen Hersteller QJ Motor und sind eng mit Benelli verwandt
Die Ankündigung kam am 10. Juni 2026. Seitdem nimmt Harley-Davidson Japan keine regulären Bestellungen mehr an, und neue Lieferungen sind nicht geplant. Wer noch eine X350 oder X500 kaufen möchte, ist auf die Bestände der autorisierten Händler angewiesen. Sind diese verkauft, endet der Verkauf in Japan endgültig. In seiner Mitteilung richtet sich das Unternehmen gezielt an Fahrer, die gerade ihren ersten Schritt zur Marke machen oder neu mit dem Motorradfahren anfangen. Es beschreibt den Abverkauf als letzte Gelegenheit, eines der beiden Modelle zu bekommen, und empfiehlt, vor dem Händlerbesuch eine Probefahrt zu vereinbaren.

Warum stellt Harley-Davidson die X350 und X500 in Japan ein?
Einen Grund nennt Harley-Davidson Japan nicht. Es gibt weder Hinweise auf einen technischen Mangel noch auf einen Rückruf, es handelt sich also um eine strategische Entscheidung.
Auffällig ist, wie sehr sich die beiden Modelle vom restlichen Programm unterscheiden. Harley-Davidson verkauft seine Motorräder traditionell über amerikanische Herkunft, den typischen Charakter des V2-Motors und eigene Plattformen. Die X350 und die X500 dagegen wurden maßgeblich von der Partnerschaft mit einem chinesischen Hersteller geprägt und haben einen Reihenzweizylinder. Ob das bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hat, lässt Harley-Davidson offen.
Was waren die Harley-Davidson X350 und X500?
Die beiden Modelle sollten vor allem jüngere Fahrer und Neueinsteiger zu Harley-Davidson bringen. Nach dem Marktstart in Asien 2023 kamen sie am 20. Oktober 2023 auch zu den japanischen Händlern.
Entworfen wurden sie in Milwaukee, dem Stammsitz der Marke. Gebaut wurden sie in China beim Hersteller QJ Motor, zu dem auch Benelli gehört. Technisch sind sie eng mit bekannten Benelli-Modellen verwandt: Die X350 steht der Benelli 302 S nahe, die X500 der Benelli Leoncino 500.
Optisch gehen die beiden getrennte Wege. Die X350 erinnert an die XR750, mit der Harley-Davidson ab den 1970er-Jahren Flat-Track-Rennen fuhr, also Rennen auf Sand- und Schotterovalen. Die X500 ist ein Roadster mit rundem Tank, dicker Sitzbank und kurzem Heckfender im Bobber-Stil und greift Elemente der Sportster auf. Angeboten wurden beide in Dramatic Black, Dynamic Orange, Supersonic Silver und Pearl White.
Die X350 gehört zu den Serienmodellen mit dem kleinsten Hubraum in der Geschichte der Marke. In Japan brachte ihr das einen besonderen Vorteil: Sie darf mit dem mittleren Motorradführerschein gefahren werden. Dort bekam sie deshalb den Spitznamen „Chūmen-Harley“, was sich grob mit „Harley für den mittleren Führerschein“ übersetzen lässt.

Welche Technik steckt in der X350 und X500?
Beide Modelle nutzen einen flüssigkeitsgekühlten Reihenzweizylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder. Die Kraft geht über ein Sechsganggetriebe, eine per Seilzug betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung und eine Kette ans Hinterrad.
Laut Hersteller sind die Motoren auf kräftiges Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich abgestimmt. Das soll vor allem im Stadtverkehr helfen, für den beide Modelle gedacht waren.
Harley-Davidson X350
Der Motor der X350 hat 353 Kubikzentimeter Hubraum bei 70,5 Millimetern Bohrung und 45,2 Millimetern Hub, die Verdichtung liegt bei 11,9:1. Er leistet 37 PS (27 kW) bei 9.500 U/min und liefert 31 Nm (23 lb-ft) bei 7.000 U/min. Fahrfertig wiegt die X350 195 kg (430 lbs), der Tank fasst 13,5 Liter. Die Sitzhöhe beträgt 777 Millimeter, der Radstand 1.410 Millimeter. Vorn arbeitet eine Upside-down-Gabel mit 41 Millimetern Rohrdurchmesser, bei der die dickeren Rohre oben sitzen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 140 km/h.
Harley-Davidson X500
Die X500 hat 500 Kubikzentimeter Hubraum bei 69 Millimetern Bohrung und 66,8 Millimetern Hub, verdichtet wird 11,5:1. Sie leistet 48 PS (35 kW) bei 8.500 U/min, die 46 Nm (34 lb-ft) liegen bei 6.000 U/min an. Damit trifft sie genau die Grenze der in Europa wichtigen Führerscheinklasse A2, die bei 48 PS (35 kW) liegt. Das Gewicht beträgt 208 kg (459 lbs), der Tank fasst 13,1 Liter. Die Sitzhöhe liegt bei 820 Millimetern, der Radstand bei 1.485 Millimetern. Die Gabel fällt mit 50 Millimetern Rohrdurchmesser deutlich kräftiger aus. Rund 160 km/h sind möglich.
Bei beiden Modellen lässt sich an der Gabel die Zugstufe einstellen, also wie schnell die Gabel nach dem Einfedern wieder ausfährt. Das Federbein hinten ist in Vorspannung und Zugstufe einstellbar. Die 17-Zoll-Gussräder tragen Radialreifen vom Typ Maxxis Supermaxx ST in 120/70 ZR17 vorn und 160/60 ZR17 hinten. Vorn bremsen zwei Scheiben, hinten eine. ABS ist Serie, die Beleuchtung arbeitet komplett mit LED. Mittig angeordnete Fußrasten und ein flacher Lenker ergeben eine aufrechte Sitzposition.
Was kosteten die kleinen Harleys in Japan?
Die X350 kostete in Japan 699.800 Yen (circa 3.930 Euro / 4.460 US-Dollar), die X500 839.800 Yen (circa 4.710 Euro / 5.350 US-Dollar), jeweils inklusive Steuer.
Mit diesen Preisen trat Harley-Davidson direkt gegen die japanischen Hersteller im eigenen Land an. Innerhalb des Harley-Programms war der Abstand groß: Die Nightster kostet in Japan knapp 1,5 Millionen Yen (circa 8.400 Euro / 9.550 US-Dollar) und damit ungefähr doppelt so viel wie die X350.

Wie oft hat Harley-Davidson schon kleine Einstiegsmodelle versucht?
Harley-Davidson hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach versucht, mit kleineren Motorrädern neue Käufer zu gewinnen. Einen dauerhaften Erfolg brachte keiner dieser Anläufe.
Früh gab es kleine Harleys des italienischen Herstellers Aermacchi. Hinzu kam die Hummer, ein Zweitakter auf Basis einer DKW-Konstruktion. In jüngerer Zeit folgten die Street-Modelle mit 750 Kubikzentimetern, die sich ebenfalls nicht durchsetzen konnten. Auch die neueren 975er kamen nicht so gut an, wie der Wegfall der Sportster 883 bedauert wurde.
Die luftgekühlten Sportster mit 883 und 1.200 Kubikzentimetern waren über viele Jahre ein fester Absatzbringer, bei Kunden genauso wie bei Händlern. Die technisch modernen, wassergekühlten Sportster haben diese Stückzahlen nicht mehr erreicht, unter anderem wegen deutlich höherer Preise. Die X350 und die X500 waren der bislang letzte Versuch, diese Lücke zu füllen.
Was passiert mit der X350 in den USA?
In den USA war die X350 nie für den Straßenverkehr zugelassen. Sie diente dort ausschließlich als Schulungsmotorrad in der Harley-Davidson Riding Academy, dem Fahrtrainingsprogramm der Marke mit bisher mehr als einer Million Teilnehmern.
Jetzt dürfen teilnehmende Händler diese ausgemusterten Motorräder mit der Bezeichnung X350RA erstmals gebraucht an Privatkunden verkaufen. Voraussetzung ist, dass die Garantie abgelaufen ist und ein Umrüstsatz für die Straßenzulassung verbaut wurde. In einem Rundschreiben an die Händler heißt es: „Dear Dealers, We’re pleased to announce that participating Harley-Davidson Riding Academy (HDRA) dealers can now sell de-fleeted H-D X350 RA vehicles.“ Übersetzt: „Liebe Händler, wir freuen uns, mitteilen zu können, dass teilnehmende Händler der Harley-Davidson Riding Academy (HDRA) ab sofort ausgemusterte H-D X350 RA verkaufen dürfen.“ Frei werden die Motorräder, weil die Schulungsflotte auf das neue Modell Sprint umgestellt wird.

Wie geht es bei Harley-Davidson mit Einstiegsmodellen weiter?
Harley-Davidson will nach eigener Aussage weiter an zugänglichen Modellen für die nächste Generation von Fahrern arbeiten. Beendet ist in Japan nur das Kapitel der X-Modelle aus chinesischer Fertigung, nicht das Thema Einstiegs-Harley.
Das passt zur Neuausrichtung, die Konzernchef Artie Starrs am 5. Mai 2026 unter dem Namen „Back to the Bricks“ vorgestellt hat. Ein Ziel dieser Strategie ist, die Marke wieder für mehr Menschen erreichbar zu machen. Die Sprint spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie soll voraussichtlich 2027 als A2-taugliches Modell auf den Markt kommen und dann auch in Europa angeboten werden.

Häufige Fragen
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Kann man die Harley-Davidson X350 in Japan noch kaufen?
Ja, aber nur so lange der Vorrat reicht. Harley-Davidson Japan hat am 10. Juni 2026 das Produktionsende bekanntgegeben, neue Fahrzeuge werden nicht mehr geliefert. Verkauft werden nur noch die Motorräder, die bei den Händlern auf Lager stehen.
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Was kosten die Harley-Davidson X350 und X500 in Japan?
Die X350 kostet 699.800 Yen (circa 3.930 Euro / 4.460 US-Dollar), die X500 839.800 Yen (circa 4.710 Euro / 5.350 US-Dollar), jeweils inklusive Steuer. Damit sind sie deutlich günstiger als die Nightster, die in Japan knapp 1,5 Millionen Yen kostet.
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Wie viel PS hat die Harley-Davidson X350?
Die X350 leistet 37 PS (27 kW) bei 9.500 U/min und kommt auf 31 Nm (23 lb-ft) Drehmoment. Ihr flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder hat 353 Kubikzentimeter Hubraum.
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Wer baut die Harley-Davidson X350 und X500?
Entworfen wurden beide Modelle in Milwaukee, gebaut wurden sie in China beim Hersteller QJ Motor. Technisch sind sie eng mit der Benelli 302 S und der Benelli Leoncino 500 verwandt.












