- Rund 700 Plakatflächen an Autobahnen und Raststätten ab Anfang Oktober 2026
- Sieben Motive statt der ursprünglich geplanten drei
- Themen: Handy am Steuer, Sicherheitsabstand, Tempo und Alkohol
„Abstand halten!“, „Rasen ist doof!“ und „Finger vom Handy!“: Mit solchen Sätzen und selbst gemalten Bildern wenden sich Kinder künftig an die Erwachsenen auf Deutschlands Autobahnen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Christiane Leonard, Vizepräsidentin des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), haben die neue Plakatserie gemeinsam mit fünf der sieben jungen Künstlerinnen vor dem Bundesministerium für Verkehr in Berlin vorgestellt. Die Kampagne „Runter vom Gas“ gibt es seit 2008, Träger sind das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der DVR. Neu ist in diesem Jahr, dass die Öffentlichkeit von Anfang an mitentscheiden durfte. Angesprochen sind laut Kampagne alle, die auf Autobahnen unterwegs sind, ob im Auto, im Lkw oder auf dem Motorrad.

Was zeigen die neuen „Runter vom Gas“-Plakate?
Die sieben Plakate zeigen Kinderzeichnungen zu den häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen, jeweils mit einer kurzen Botschaft der Kinder. Drei Motive drehen sich um das Handy am Steuer, zwei um den Sicherheitsabstand und zwei um zu hohes Tempo, eines davon auch um Alkohol.
Die Motive im Einzelnen:
- Ella (11): „Handy weg“, dazu ein schwer zerstörtes Auto und ein Smartphone.
- Lotta (11): „Liebe Autos, haltet Abstand“.
- Maria (10): „Lieber Papa, Handy weg“, mit einem verunglückten Auto und einer schwer verletzten Person am Steuer.
- Martha (12): „Liebe Mama, Finger vom Handy“, mit einer Autofahrerin am Handy und einem weinenden Schutzengel.
- Sara (10): „Lieber Papa, Rasen ist doof“, mit einem Auffahrunfall zweier Autos.
- Talia (11): „Nicht trinken, nicht rasen“, mit einem verunglückten Auto.
- Zoe (9): „Abstand halten“, mit zwei verunglückten Autos.
Eigentlich waren nur drei Motive vorgesehen, so wie in den Jahren zuvor. Christiane Leonard erklärt, warum es am Ende sieben geworden sind: „Doch angesichts der vielen überzeugenden Einreichungen fiel uns die Auswahl so schwer, dass wir erstmals sieben unterschiedliche Motive an den Autobahnen zeigen werden.“
Warum haben so viele Kinder das Handy am Steuer gemalt?
Das Handy war das Thema, zu dem die meisten Zeichnungen eingingen. Die Kinder haben offenbar genau beobachtet, wie Erwachsene während der Fahrt zum Smartphone greifen.
Auf den Bildern tauchen übergroße Handys am Lenkrad auf und Fahrer, deren Blick nicht auf der Straße liegt. Leonard sieht darin ein deutliches Signal: „Besonders bemerkenswert ist, wie viele Kinder in ihren Zeichnungen das Thema Ablenkung durch das Handy aufgegriffen haben. Daran erkennen wir, wie aufmerksam Kinder das Verhalten von Erwachsenen im Straßenverkehr beobachten.“
Die zehnjährige Maria beschreibt ihr Motiv so: „Wenn Leute aufs Handy schauen, sind sie abgelenkt und so kann schnell ein Unfall passieren. Und das wollte ich mit meinem Bild zeigen.“ Lotta erzählt, dass sie manchmal ein bisschen Angst vor einem Unfall hat, zum Glück aber noch keinen gesehen hat. Sie wünscht sich weniger Eile und etwas mehr Rücksicht, weil es auch um die anderen gehe. Talia sagt, sie finde es erstaunlich, dass ihr Bild an der Autobahn hängen wird: „Wir können damit zeigen, dass Kinder auch ganz viel Mut haben.“

Wie wurden die Kinderzeichnungen ausgewählt?
Die Plakate sind das Ergebnis eines mehrstufigen Verfahrens aus Bürgerumfrage, öffentlicher Abstimmung und bundesweiter Malaktion. Am Ende wählte eine Jury aus BMV und DVR die sieben Motive aus.
Bürgerumfrage im November 2025
Zum Start fragte die Kampagne im November 2025, welche der häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen die Menschen am meisten beschäftigt. Laut DVR nannten 32 Prozent einen zu geringen Sicherheitsabstand als größte Gefahr. Es folgten nicht angepasste Geschwindigkeit mit 29 Prozent, Ablenkung am Steuer mit 26 Prozent und Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss mit 11 Prozent. Die Teilnehmer konnten außerdem eigene Botschaften an andere Verkehrsteilnehmer einreichen. Für viele spielten dabei Kinder und Familie eine große Rolle, andere wünschten sich schockierende Motive.
Drei Serien zur Wahl
Aus den Antworten entwickelte die Agentur Scholz & Friends drei sehr unterschiedliche Plakatserien: „Kinderzeichnungen“, „Totenillustrationen“ und „Leichensäcke“. Vom 2. bis zum 20. Juni 2026 konnte die Bevölkerung online abstimmen. Das Ergebnis war eindeutig. Die Kinderzeichnungen gewannen, die „Totenillustrationen“ kamen auf Platz zwei, die „Leichensäcke“ landeten mit etwas Abstand auf Platz drei.
Verkündet wurde das Ergebnis am 21. Juni beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung, damals noch vom damaligen Verkehrsminister Patrick Schnieder und DVR-Präsident Manfred Wirsch. Schnieder sagte dazu: „Die ‚Kinderzeichnungen‘ haben die Abstimmung klar gewonnen. Das zeigt, dass der Wunsch nach emotionalen, berührenden Botschaften groß ist.“ Wirsch sprach davon, dass die Bilder auf den ersten Blick leicht und unbeschwert wirken: „Gerade darin liegt ihre besondere Stärke.“ Nach seinen Worten erinnern sie daran, dass hinter jedem schweren Unfall Menschen stehen, also Verletzte, Angehörige und oft ganze Familien mit lebenslangen Folgen.
Echte Kinderbilder statt KI-Entwürfe
Die Motive, über die abgestimmt wurde, waren noch mit künstlicher Intelligenz erstellt worden. Nach dem Sieg der Serie riefen BMV und DVR deshalb Kinder in ganz Deutschland auf, selbst zum Stift zu greifen. Mitmachen durften alle Kinder bis 14 Jahre, Einsendeschluss war der 5. Juli 2026. Wie sie das Thema umsetzen, blieb komplett ihnen überlassen. Aus den zahlreichen Einsendungen wählte die Jury schließlich die sieben Motive aus, die jetzt die KI-Entwürfe ersetzen.
Wer steht hinter der Plakataktion?
Hinter der Aktion stehen das Bundesministerium für Verkehr und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Unterstützt wird sie von den Berufsgenossenschaften, den Unfallkassen und ihrem Spitzenverband, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Das Projekt hat zwei Minister erlebt. Steffen Bilger (CDU) ist seit Ende Juli 2026 Bundesverkehrsminister und hat Patrick Schnieder abgelöst, der im Juni noch die Abstimmung verkündet hatte. Bilger sagt zu den neuen Plakaten: „Mit dieser Kampagne wollen wir Respekt und Rücksichtnahme vermitteln. Eindringlicher als durch die Augen der Jüngsten unserer Gesellschaft können wir kaum an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren.“ Er zeigt sich überzeugt, dass die Motive bei Autofahrern Eindruck hinterlassen und die Sicherheit auf den Straßen weiter erhöhen werden.
DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer hatte zum Start der Abstimmung betont: „Verkehrssicherheit ist nicht nur eine Aufgabe von Institutionen, sondern ein gemeinsamer gesellschaftlicher Prozess.“ Durch die Beteiligung würden persönliche Erfahrungen direkt von der Straße in die Kampagnenarbeit einfließen.
Der DVR ordnet die Aktion in sein Ziel der Vision Zero ein. Gemeint ist ein Straßenverkehr ohne Tote, zusammengefasst im Leitsatz „Alle kommen an. Niemand kommt um.“ Leonard sagt dazu: „Wenn wir der Vision Zero näherkommen wollen, müssen wir dieser Verantwortung jeden Tag gerecht werden.“ Die Plakate reihen sich damit in eine Reihe von DVR-Kampagnen ein, die sich 2026 mit Abstand, Tempo und Ablenkung im Straßenverkehr beschäftigen.

Wie gefährlich sind Ablenkung, Abstand und Tempo auf der Autobahn?
Laut Kampagne verunglückten 2025 auf deutschen Autobahnen 30.934 Menschen, das sind rund 85 pro Tag. Die Hauptursache für die meisten dieser Unfälle ist menschliches Fehlverhalten.
Ein zu geringer Sicherheitsabstand ist nach Angaben der Kampagne zusammen mit unangepasster Geschwindigkeit die Hauptunfallursache auf Autobahnen. Zu schnelles Fahren gilt zudem als häufigste Ursache bei Unfällen mit Todesfolge. Ablenkung am Steuer soll das Unfallrisiko um bis zu 89 Prozent erhöhen. Genau diese Themen greifen die Kinder auf ihren Bildern auf, jeweils in wenigen Worten und ohne Umwege.
Wo sind die neuen Plakate zu sehen?
Die sieben Motive hängen ab Anfang Oktober 2026 bundesweit auf rund 700 Flächen an Autobahnen und Raststätten. Das ist die übliche Größenordnung der Plakatkampagne von „Runter vom Gas“.
Wer die Bilder nicht auf der Fahrt entdeckt, findet sie auf der Webseite der Kampagne. Dort gibt es zusätzlich eine Online-Galerie mit weiteren ausgewählten Einsendungen zu Ablenkung, Geschwindigkeit und Abstand. Darunter sind Zeichnungen wie ein Auto mit einem durchgestrichenen TikTok-Logo, zwei Autos als Igel mit dem Spruch „Abstand, sonst piekts!“ oder eine Unfallszene mit der Aufschrift „Rasen = tot“. In einem Video kommen einige der Mädchen selbst zu Wort. Auf Social Media läuft die Aktion unter dem Hashtag #DeinAutobahnplakat2026.
Zoe fasst ihren Wunsch so zusammen: „Ich hoffe, meine Zeichnung macht die Straßen sicherer. Ich möchte, dass sich mehr Menschen an die Verkehrsregeln halten.“

Häufige Fragen
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Ab wann sind die neuen „Runter vom Gas“-Plakate zu sehen?
Die neuen Plakate hängen ab Anfang Oktober 2026. Zu sehen sind sie bundesweit auf rund 700 Flächen an Autobahnen und Raststätten.
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Wer hat die neuen Autobahnplakate gemalt?
Die sieben Motive stammen von Ella, Lotta, Maria, Martha, Sara, Talia und Zoe. Die Mädchen sind zwischen neun und zwölf Jahre alt und haben an einer bundesweiten Malaktion für Kinder bis 14 Jahre teilgenommen.
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Welche anderen Plakatserien standen zur Wahl?
Neben den Kinderzeichnungen standen die Serien „Totenillustrationen“ und „Leichensäcke“ zur Abstimmung. Die Totenillustrationen kamen auf Platz zwei, die Leichensäcke mit etwas Abstand auf Platz drei.
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Warum wurden die KI-Motive ersetzt?
Die Entwürfe für die öffentliche Abstimmung waren noch mit künstlicher Intelligenz erstellt worden. Nach dem Sieg der Serie „Kinderzeichnungen“ sollten echte Bilder von Kindern an ihre Stelle treten, deshalb starteten BMV und DVR die Malaktion.
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Was ist die Kampagne „Runter vom Gas“?
„Runter vom Gas“ ist eine Verkehrssicherheitskampagne des Bundesministeriums für Verkehr und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Sie macht seit 2008 auf Risiken und Unfallursachen im Straßenverkehr aufmerksam, unter anderem mit Plakaten an Autobahnen.












