- Termin: Bolivia Speed Trials vom 22. bis 27. Oktober 2026 auf dem Salar de Uyuni
- Ziel: mehr als 400 mph (643,7 km/h), der bisherige Rekord liegt bei 376,363 mph (605,697 km/h)
- Strecke: rund 30 Kilometer lang, auf etwa 3.600 Metern Höhe
Sechzehn Jahre ist es her, dass Rocky Robinson auf den Bonneville Salt Flats im US-Bundesstaat Utah den bis heute gültigen Motorrad-Weltrekord aufgestellt hat. Ernsthaft in Gefahr war die Marke seitdem nicht. Auch Chris Rivas kam im August 2026 bei den Bonneville Speed Trials nicht in ihre Nähe. Jetzt nimmt der Rekordhalter selbst einen neuen Anlauf. Zusammen mit Konstrukteur und Teamchef Mike Akatiff reist Robinson nach Bolivien, auf den größten Salzsee der Welt. Das Ziel ist die Grenze, die bisher noch kein Motorrad offiziell geknackt hat: 400 Meilen pro Stunde.

Wer will mit der Ack Attack 400 mph fahren?
Am Lenker sitzt Rocky Robinson, der seit 2010 als schnellster Motorradfahrer der Welt geführt wird. Er ist früher Speedway-Rennen gefahren und hat den absoluten Motorrad-Rekord bereits dreimal geholt.
Den ersten Rekord fuhr Robinson am 3. September 2006 mit 342,797 mph (551,7 km/h). Ein Jahr später wollte er noch schneller sein und stürzte bei mehr als 320 mph (515 km/h). Die Maschine überschlug sich dabei 16 Mal. 2008 kehrte er nach Bonneville zurück und stellte mit 350,884 mph (564,7 km/h) seinen zweiten Rekord auf. Am 25. September 2010 folgte die dritte Bestmarke mit 376,363 mph (605,697 km/h). Diese Zahl steht bis heute in den Rekordbüchern des Motorrad-Weltverbands FIM.
Hinter dem Projekt steht Mike Akatiff. Er hat die Ack Attack entworfen und gebaut, sie gehört ihm, und er leitet das Team. Nach Angaben des Teams arbeitet er seit mehr als 20 Jahren an der Maschine.
Was steckt technisch in der Ack Attack?
Die Ack Attack ist ein sogenannter Streamliner, also ein komplett stromlinienförmig verkleidetes Rekordmotorrad mit zwei Motoren und Turboaufladung. Sie ist rund 6,1 Meter (20 Fuß) lang.
Angetrieben wird sie von zwei Motoren der Suzuki Hayabusa mit jeweils 1.300 cm³. Ein Turbolader von Garrett mit Ladeluftkühler drückt laut Team 35 psi Ladedruck in das System, das sind umgerechnet rund 2,4 bar. Das Ergebnis sollen mehr als 910 PS (671 kW) sein. Diese Angaben stammen allerdings aus dem Jahr 2017. Aktuelle Leistungsdaten hat das Team nicht veröffentlicht.
Die lange Strecke in Bolivien ist für die Technik eine besondere Belastung. Akatiff sprach schon vor dem ersten Bolivien-Versuch darüber, dass die Maschine dort rund zehn Meilen Anlauf bis zur Zeitmessung bekommt. Die entscheidende Frage sei, wie hart und wie lange die Motoren dabei belastet werden können. Von den Hayabusa-Motoren zeigte er sich damals beeindruckt und nannte sie sehr robust.
Damit die Ack Attack beim Anfahren und Anhalten nicht umkippt, hat sie ausfahrbare Stützräder. Wie wichtig die sind, zeigte sich 2017 auf dem Salzsee.

Warum findet der Rekordversuch in Bolivien statt?
Der Salar de Uyuni bietet zwei Dinge, die es kaum irgendwo sonst gibt: eine sehr lange gerade Strecke und dünne Luft. Beides braucht ein Motorrad, das schneller als 640 km/h fahren soll.
Der Salzsee liegt im Südwesten Boliviens auf der Hochebene Altiplano in den Anden. Mit mehr als 10.000 Quadratkilometern ist er die größte Salzfläche der Welt. Er gilt außerdem als so flach, dass die NASA ihn nutzt, um die Höhenmessung von Satelliten zu überprüfen. Die Salzkruste ist fast zehn Meter dick.
Die Strecke für die Bolivia Speed Trials soll rund 30 Kilometer lang und 33 Meter breit sein. Damit gibt es genug Platz zum Beschleunigen und genug Raum zum Abbremsen. Weil der Salzsee auf rund 3.600 Metern Höhe liegt, ist die Luft dort dünner. Das senkt den Luftwiderstand deutlich. Gleichzeitig bekommen die Motoren weniger Luft zum Atmen, was die Turboaufladung ausgleichen soll. Der Termin am Ende des bolivianischen Winters soll gutes Wetter und nur eine geringe Regenwahrscheinlichkeit bringen.
Akatiff selbst fasst die Hoffnung des Teams so zusammen: „We’ve spent more than 20 years developing The Top 1 ACK Attack and have already proven it is the fastest motorcycle in the world. At Uyuni, we finally have the distance and conditions to see if a motorcycle can officially break the 400 mph barrier.“ Auf Deutsch: „Wir haben mehr als 20 Jahre in die Entwicklung der Top 1 ACK Attack gesteckt und bereits bewiesen, dass sie das schnellste Motorrad der Welt ist. In Uyuni haben wir endlich die Strecke und die Bedingungen, um zu sehen, ob ein Motorrad offiziell die 400-mph-Grenze durchbrechen kann.“
Warum ist der Rekord in Bonneville so schwer zu knacken?
Auf den Bonneville Salt Flats wird die Salzschicht seit Jahren dünner, und nasse Bedingungen verhindern immer wieder schnelle Läufe. Robinson sprach schon 2017 darüber, dass die letzten Jahre in Bonneville für das Team nur Enttäuschungen gebracht hätten. Er habe die gewünschten Geschwindigkeiten nicht fahren können und sich dabei weder sicher noch wohl gefühlt.
Wie schwierig die Lage ist, zeigte sich auch in diesem Jahr. Bei den Bonneville Motorcycle Speed Trials vom 23. bis 27. August 2026 wollte Chris Rivas mit dem BUB Seven Streamliner den Rekord von Robinson angreifen. Seine schnellste Fahrt lag bei 180,64 mph (290,71 km/h), also weit unter der Bestmarke. Der Rekord von 2010 bleibt damit auch nach der Saison in Utah unangetastet, und der Blick der Szene richtet sich nun auf Bolivien.

Was ging beim ersten Versuch in Bolivien 2017 schief?
2017 scheiterte die Ack Attack in Bolivien vor allem an der Logistik. Der Container mit der Maschine kam drei Wochen zu spät auf dem Salzsee an, dem Team blieben nur zwei Tage zum Fahren.
Das reichte nicht, um die komplizierte Maschine richtig abzustimmen. Trotzdem war die Ack Attack schnell. Beim besten Lauf erreichte sie nach Angaben von Robinson 378 mph (608,3 km/h). Dann riss rund eine halbe Meile (etwa 800 Meter) vor der Zeitmessung der Krümmer am Turbo. Robinson rollte ohne Antrieb mit 338 mph (544 km/h) durch die Messstrecke. Bei einem anderen Lauf zerlegte sich ein Hinterreifen, danach riss erneut ein Krümmer. Einmal schoss Robinson eine Viertelmeile (rund 400 Meter) über die Boxengasse hinaus und kam auf unpräpariertem Salz zum Stehen. Bei einer weiteren Fahrt fuhren die Stützräder nicht aus, und die Ack Attack kippte beim Ausrollen in die Box um.
Der offizielle Rekord blieb danach unverändert bei 376,363 mph. Auch 2023 war Robinson bei den Bolivia Speed Trials am Start, wieder mit dem Ziel, die 400-mph-Grenze zu überschreiten. Geklappt hat es auch dieses Mal nicht.
Wie wird ein Motorrad-Weltrekord offiziell gemessen?
Für einen offiziellen FIM-Rekord muss ein Motorrad zwei Läufe in entgegengesetzter Richtung fahren. Aus beiden Zeiten wird ein Durchschnitt berechnet, und nur dieser Wert zählt.
Gemessen wird sowohl über eine Meile als auch über einen Kilometer. Nach dem ersten Lauf bleiben zwei Stunden Zeit für die Rückfahrt. Ein einzelner schneller Lauf reicht also nicht aus. Die Maschine muss die Geschwindigkeit ein zweites Mal schaffen, ohne dass etwas kaputtgeht.
Die Bolivia Speed Trials gehören zur Disziplin FIM Land Speed World Records. Sie stehen zum ersten Mal seit 2023 wieder im Kalender und finden nur zwei Monate nach den Bonneville Speed Trials statt. Für die Rekordjäger ist das 2026 die zweite Chance, sich in die Bücher einzutragen. Zum ersten Mal wurde der Salzsee 2017 für eine FIM-Rekordveranstaltung genutzt, danach noch 2018 und 2023. Laut Veranstalter sind in diesem Jahr offizielle Weltrekorde sowohl nach den Regeln der FIM als auch des Automobil-Weltverbands FIA möglich.

Wer steht hinter den Bolivia Speed Trials?
Finanziert wird die Veranstaltung von Mike Akatiff, Jamie Williams und Jim Knapp, unterstützt vom Schmierstoffhersteller Top 1 Oil. Akatiff tritt damit nicht nur als Teamchef an, er sorgt auch dafür, dass es die Veranstaltung überhaupt gibt.
Er spricht darüber, dass der Salar de Uyuni den Platz und die Distanz biete, die die schnellsten Fahrzeuge der Welt brauchen, um ihr volles Potenzial zu zeigen. Ziel sei es, Bedingungen zu schaffen, unter denen Fahrer sicher mehr als 400 mph anpeilen und bestehende FIM-Rekorde angreifen können. Nach seiner Einschätzung könnte das Treffen zu einer der wichtigsten Rekordveranstaltungen seit vielen Jahren werden.
Der Rekordversuch soll außerdem den Höhepunkt einer Dokumentarserie bilden. Sie heißt „400 MPH: The Last Run“ und wird von Tory Belleci moderiert, der aus der Fernsehsendung MythBusters bekannt ist. Die Serie greift auf fast 20 Jahre Filmmaterial zurück. Sie erzählt den Weg der Ack Attack von einer Werkstatt in Kalifornien über den Weltrekord in Bonneville bis zum Versuch in Bolivien. Der Titel deutet an, was auch Akatiff in der Ankündigung schreibt: Nach 20 Jahren und drei Weltrekorden sollen die 400 mph das letzte große Ziel des Projekts sein.

Häufige Fragen
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Wie schnell ist die Ack Attack?
Die Ack Attack hält seit 2010 mit 376,363 mph (605,697 km/h) den absoluten FIM-Geschwindigkeitsrekord für Motorräder. Gefahren hat ihn Rocky Robinson auf den Bonneville Salt Flats in Utah. Bei einem einzelnen Lauf in Bolivien 2017 erreichte die Maschine laut Robinson 378 mph (608,3 km/h), offiziell zählt das aber nicht.
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Wann findet der 400-mph-Versuch in Bolivien statt?
Die Bolivia Speed Trials finden vom 22. bis 27. Oktober 2026 auf dem Salar de Uyuni statt. Die Veranstaltung ist Teil der FIM Land Speed World Records und kehrt zum ersten Mal seit 2023 in den Kalender zurück.
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Welche Motoren hat die Ack Attack?
Die Ack Attack wird von zwei Motoren der Suzuki Hayabusa mit jeweils 1.300 cm³ angetrieben. Ein Turbolader von Garrett mit Ladeluftkühler sorgt für den nötigen Druck. Nach Teamangaben aus dem Jahr 2017 sollen so mehr als 910 PS (671 kW) zusammenkommen.
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Warum wird der Motorrad-Weltrekord nicht in Bonneville angegriffen?
Die Salzschicht in Bonneville wird seit Jahren dünner, und nasse Bedingungen verhindern immer wieder schnelle Läufe. Der Salar de Uyuni bietet dagegen eine rund 30 Kilometer lange Strecke und durch die Höhe von etwa 3.600 Metern weniger Luftwiderstand.












