- 997 ccm, 90 Grad Zylinderwinkel, laut Hersteller mindestens rund 210 PS (154 kW)
- Variable Ansaugtrichter, Schlepphebel und Motor als tragendes Rahmenteil
- Ein Patent beschreibt neben dem Saugmotor auch eine Version mit Turbine am Zylinderkopf
CFMoto arbeitet seit einiger Zeit an einem eigenen Superbike, das mit den etablierten Modellen aus Europa und Japan mithalten soll. Vom Motor waren bisher aber nur die groben Eckdaten bekannt. Jetzt hat der chinesische Hersteller in seiner Heimat elf Patente zu dem V4 angemeldet, der intern V.04 heißt. Die meisten Schriften drehen sich um kleinere Details. Zusammen zeigen sie aber, welche grundlegenden Entscheidungen die Ingenieure getroffen haben. Und eine davon wirft eine neue Frage auf.

Was zeigen die neuen Patente zum CFMoto-V4-Motor?
Die Patentzeichnungen zeigen den V4 in Explosionsdarstellungen und bestätigen mehrere zentrale Konstruktionsmerkmale. Dazu gehören eine verstellbare Ansaugung, ein besonderer Antrieb der Nockenwellen und Schlepphebel im Zylinderkopf. Außerdem taucht in einer Anmeldung eine aufgeladene Variante des Motors auf.
Patente für einen V4 sind bei CFMoto übrigens nicht neu. Schon im Sommer 2023 tauchten Zeichnungen eines V-Vierzylinders mit 1.000 ccm auf. Damals war von einem Ziel von 201 PS (148 kW) die Rede. Diese Anmeldung lief allein auf CFMoto und nicht gemeinsam mit dem langjährigen Partner KTM. Eine Verbindung zum eingestellten V4-Straßenmotorrad der Österreicher ließ sich nicht belegen. Klar war damals auch, dass nicht jedes Patent zu einem Serienprodukt führt.
Welche technischen Daten hat der V4 der CFMoto V4 SR-RR?
Der Motor hat 997 ccm Hubraum und einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Bohrung und Hub messen 81 und 48,4 Millimeter. Diese Maße nutzen auch die Ducati Panigale V4 R und die Liter-Maschinen der MotoGP, deren Generation gerade ausläuft.
Wie bei Ducati dreht die Kurbelwelle gegenläufig zu den Rädern. So wirkt sie den Kreiselkräften der drehenden Räder entgegen, die ein Motorrad beim Einlenken träge machen. Die Maschine soll dadurch schneller in die Kurve finden.
Die Leistungsangaben haben sich über die Zeit leicht verändert. Bei der ersten Vorstellung auf der EICMA 2024 in Mailand stand der Motor als aufgeschnittenes Schaumodell in einer durchsichtigen Vitrine. Ein Infoschild nannte 212 PS (156 kW) bei 14.500/min und 114 Nm (84,1 lb-ft) bei 12.500/min. Mit dem kompletten Motorrad auf der EICMA 2025 sprach CFMoto dann von rund 210 PS (154 kW). Aktuell gibt der Hersteller mindestens diesen Wert an, dazu eine Höchstdrehzahl von 14.500/min. Der Motor allein soll trocken 61,5 kg (135,6 lbs) wiegen. Das sind nur 7,1 kg (15,7 lbs) mehr als beim Zweizylinder, den Ducati für die Panigale V2 und die Streetfighter V2 des Modelljahrs 2025 entwickelt hat.

Wie funktioniert die variable Ansaugung des CFMoto-V4?
Die Ansaugtrichter bestehen aus zwei Teilen, und das obere Stück kann ein kleiner Elektromotor anheben oder absenken. So passt sich die Länge des Ansaugwegs der Drehzahl an. Ansaugtrichter sind die kurzen Rohre, durch die die Luft aus dem Luftfilterkasten zu den Drosselklappen strömt.
Die längeren unteren Teile sind fest im Luftfilterkasten verschraubt, genau dort, wo die Drosselklappen anschließen. Die kürzeren oberen Teile sitzen auf einem gemeinsamen Rahmen. Diesen Rahmen bewegt ein Elektromotor in der Mitte nach oben oder unten.
Unterhalb einer festgelegten Drehzahl bleiben die oberen Teile angehoben. Die Luft strömt dann nicht nur durch die Trichter, sondern auch seitlich an ihren Rändern vorbei in den Motor. Laut Patentschrift bringt das mehr Drehmoment. Bei hohen Drehzahlen senkt sich der Rahmen ab, und die oberen Teile setzen auf den festen Trichtern auf. So entsteht ein längerer Ansaugweg, der die Spitzenleistung verbessern soll.
Ein solches System nutzt auch Ducati beim V4 der Panigale. Am Prototyp-Motor der EICMA 2024 war es noch nicht zu sehen.
CFMoto V4 SR-RR: Motor als tragendes Teil und Luft durch den Lenkkopf
Wie bei der Ducati Panigale V4 übernimmt der Motor der CFMoto V4 SR-RR eine tragende Rolle im Fahrwerk. Ein klassischer Rahmen, der den Motor umschließt, fehlt. Stattdessen ist ein kurzer Vorderrahmen aus Aluminiumguss direkt an die Zylinderköpfe geschraubt. Schon am Prototyp der EICMA 2025 sah es so aus, als sei auch das Rahmenteil mit den Fußrasten hinten am Motor befestigt.
Die Zeichnungen zeigen außerdem den Weg der Ansaugluft. Sie strömt geradlinig durch den Lenkkopf in den Luftfilterkasten. Dieser direkte Weg soll den sogenannten Ram-Air-Effekt möglichst gut ausnutzen. Gemeint ist, dass der Fahrtwind bei hohem Tempo zusätzliche Luft in den Motor drückt.

Was unterscheidet den Ventiltrieb des CFMoto-V4 von Ducati und Aprilia?
Der CFMoto-V4 öffnet seine Ventile über Schlepphebel und geht damit einen anderen Weg als die beiden italienischen V4-Konkurrenten. Schlepphebel sind kleine Hebel, die zwischen Nockenwelle und Ventil sitzen. Diese Bauweise entspricht der Richtung vieler aktueller Superbikes.
Aprilia setzt bei der RSV4 auf klassische Tassenstößel, bei denen kleine Plättchen das Ventilspiel festlegen. Ducati bleibt bei der typischen Desmodromik. Bei diesem System werden die Ventile aktiv geöffnet und auch aktiv wieder geschlossen.
Beim Antrieb der Nockenwellen ähnelt der CFMoto-Motor dagegen anderen modernen V4-Triebwerken. Die vordere Zylinderbank wird über eine Kette auf der linken Seite angetrieben, die hintere über eine Kette auf der rechten Seite. Die Ketten treiben jeweils nur die Einlassnockenwelle an. Die Auslassnockenwelle läuft über Zahnräder mit. Laut Patent reichen dadurch kürzere Ketten. Sie lassen sich leichter spannen, halten die Steuerzeiten genauer ein und sollen länger leben.
Die Zahnräder zwischen den Nockenwellen sitzen nicht am Ende, sondern in der Mitte der Wellen. Das soll den Motor kompakter machen und erinnert an die Lösung im V4 der Aprilia RSV4. Kompakt fallen auch die Zylinderköpfe aus. Die Drosselklappen sind direkt an ihnen verschraubt, ein separater Ansaugkrümmer entfällt.
Plant CFMoto einen V4 mit Turbo?
Eine der Patentschriften beschreibt ausdrücklich eine Turbo-Variante des V4. Ob daraus ein Motorrad wird, ist aber offen.
Die Stelle bezieht sich auf die Auslasskanäle im Zylinderkopf. Sinngemäß steht dort: Hat der Motor einen Turbolader, führt der Auslass direkt zu einer Turbine, die am Zylinderkopf montiert ist. Beim Saugmotor leitet dagegen ein normaler Abgaskrümmer die Abgase ab.
Damit liegt die Frage nach einem aufgeladenen Superbike nahe, ähnlich der Kawasaki Ninja H2 mit ihrem Kompressor. Ganz ungewöhnlich wäre das inzwischen nicht mehr. Honda hat zum Beispiel den Prototyp V3R 900 E-Compressor gezeigt.
Es gibt aber eine zweite mögliche Erklärung. CFMoto baut auch Side-by-Side-Fahrzeuge, also Geländefahrzeuge mit vier Rädern und nebeneinander liegenden Sitzen. Eines davon ist die ZForce Z10 mit einem 998 ccm großen Dreizylinder mit Turbo. Sie tritt gegen die Kawasaki Teryx H2 an, deren Kompressormotor aus der Ninja H2 stammt. Ein V4 mit Turbo könnte also genauso gut für ein solches Fahrzeug gedacht sein.

Wie weit ist die Entwicklung der CFMoto V4 SR-RR?
Die CFMoto V4 SR-RR ist noch ein Entwicklungsprojekt, sie fährt aber bereits. CFMoto hat kürzlich Aufnahmen veröffentlicht, auf denen Moto2-Fahrer David Alonso ein Entwicklungsmodell in China bewegt. Alonso holte 2024 mit dem Team Aspar auf CFMoto den Titel in der Moto3-WM.
Der Weg bis hierhin lief in klaren Schritten. Auf der EICMA 2024 zeigte CFMoto zunächst nur den Motor, zusammen mit einem Designmodell des späteren Motorrads. Ein Jahr später folgte auf derselben Messe das komplette Superbike als Prototyp. Es trug elektronisch verstellbare Winglets, die sich auf beiden Seiten gemeinsam oder gegenläufig bewegen lassen. Dazu kamen ein elektronisch gesteuertes Fahrwerk und eine Titan-Auspuffanlage von Akrapovič, die die Abgasnorm Euro5+ erfüllen soll.
Die Höchstgeschwindigkeit gab CFMoto mit über 300 km/h an. Beim Leistungsgewicht nennt der Hersteller weniger als 1 kg pro PS. Ob dieser Wert auch für ein voll zugelassenes Serienmotorrad mit Katalysatoren und allen nötigen Bauteilen gilt, ist nicht bekannt. Mit der V4 SR-RR will CFMoto in das Segment der großen Superbikes vordringen, in dem bisher vor allem Hersteller aus Europa und Japan vertreten sind.

Häufige Fragen
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Wie viel PS hat der CFMoto V4 Motor?
Laut CFMoto leistet der V4 mindestens rund 210 PS (154 kW). Die Höchstdrehzahl liegt bei 14.500/min, das maximale Drehmoment bei 114 Nm (84,1 lb-ft). Bei der ersten Vorstellung 2024 nannte der Hersteller noch 212 PS (156 kW).
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Wie viel Hubraum hat die CFMoto V4 SR-RR?
Die CFMoto V4 SR-RR hat 997 ccm Hubraum. Der V4 hat einen Zylinderwinkel von 90 Grad, Bohrung und Hub messen 81 und 48,4 Millimeter.
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Bekommt die CFMoto V4 SR-RR einen Turbo?
Das ist offen. Ein Patent beschreibt zwar eine Turbo-Variante des V4 mit einer Turbine am Zylinderkopf. Diese könnte aber auch für die Side-by-Side-Fahrzeuge von CFMoto gedacht sein, wo der Hersteller bereits einen Turbo-Dreizylinder einsetzt.
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Wie schwer ist der Motor der CFMoto V4 SR-RR?
Der V4 soll trocken 61,5 kg (135,6 lbs) wiegen. Das sind nur 7,1 kg (15,7 lbs) mehr als beim aktuellen Ducati-Zweizylinder der Panigale V2.












