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Motorcycles.News – Motorrad Magazin
Startseite » MotoGP-Format 2027 spaltet die Fahrer: Warum sie kaum mitreden
Francesco Bagnaia setzt den Helm auf, vor ihm seine Ducati mit Startnummer 63 in der Startaufstellung – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Francesco Bagnaia (Ducati Lenovo Team, Startnummer 63) in der Startaufstellung – Japan-GP, MotoGP 2026
MotoGP

MotoGP-Format 2027 spaltet die Fahrer: Warum sie kaum mitreden

By Andreas Denner9 Oktober, 2026
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Das neue Wochenendformat der MotoGP für 2027 teilt das Fahrerfeld in zwei Lager. Gleichzeitig zeigt der Streit, wie wenig Einfluss die Fahrer auf solche Entscheidungen haben.
  • Ab 2027 gibt es am Freitag ein eigenes Sprint-Qualifying, das Warm-up am Sonntag fällt weg
  • In der Sitzung, in der das Format den Fahrern erklärt wurde, saßen nur vier von ihnen
  • Eine Fahrervereinigung wie die GPDA in der Formel 1 gibt es in der MotoGP bis heute nicht

Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, haben die MotoGP und der Motorrad-Weltverband FIM das neue Wochenendformat für 2027 bestätigt. Einen Tag später war es vor dem Großen Preis von Indonesien in Mandalika das Thema Nummer eins im Fahrerlager. Die Meinungen gehen weit auseinander. Francesco Bagnaia, Luca Marini und Marco Bezzecchi sehen Vorteile. Pedro Acosta, Marc Marquez und Alex Marquez warnen dagegen vor noch mehr Stress und Risiko. Und fast alle sind sich in einem Punkt einig: Mitentschieden haben die Fahrer nicht.

Luca Marini führt auf der Honda RC213V eine Gruppe mit Ducati, Gresini-Ducati und KTM an – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Luca Marini (Honda HRC Castrol, Startnummer 10) – Japan-GP, MotoGP 2026

Was ändert sich am MotoGP-Wochenende 2027?

Ab 2027 bekommt der Sprint ein eigenes Qualifying am Freitag, und das Warm-up am Sonntagmorgen fällt weg. Stattdessen öffnet vor dem Grand Prix für zehn Minuten die Boxengasse, damit die Fahrer ein paar Besichtigungsrunden drehen können.

Am Freitag folgen auf das FP1 mit 45 Minuten und das FP2 mit 30 Minuten die 15 Minuten des Sprint-Qualifyings. Am Samstag gibt es ein 20 Minuten langes FP3. Danach fahren alle Fahrer im Q1, die zwölf Schnellsten ziehen ins Q2 ein. Laut Carlos Ezpeleta, dem stellvertretenden CEO der MotoGP, sinkt die Streckenzeit damit pro Wochenende um insgesamt 35 Minuten. Das neue Format kommt in einer Saison, in der mit den 850-ccm-Motorrädern und den Pirelli-Reifen ohnehin vieles neu ist.

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Wer hat das neue MotoGP-Format angestoßen?

Nach Angaben des Promoters kam die Initiative von den Teams und den Herstellern. Die MotoGP Sports Entertainment Group betont, dass nicht sie die Änderung vorangetrieben hat.

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Ezpeleta erklärt, die Teams seien auf die Serie zugekommen, weil sie das Format verbessern wollten. Die Hersteller wollten vor allem weniger Fahrzeit, damit einzelne Bauteile weniger Kilometer sammeln. Auch der etwas spätere Start am Freitag soll ein Wunsch der Hersteller gewesen sein. Loris Capirossi, der heute in der Rennleitung für die Sicherheit mitverantwortlich ist, bestätigt das. Er spricht darüber, dass die Hersteller auf weniger Streckenzeit gedrängt haben, weil die Motoren dann weniger laufen und weniger kosten.

Ezpeleta sieht dahinter auch eine neue Generation von Führungskräften im Fahrerlager, die eine klare Vorstellung von der Zukunft der Meisterschaft hat. Als Beispiel nennt er Günther Steiner. Der frühere Teamchef von Haas in der Formel 1 gehört zu der Gruppe, die Ende 2025 das Tech3-Team übernommen hat.

Toprak Razgatlıoğlu beim Trainingsstart vor der Brembo-Bande – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Toprak Razgatlıoğlu (Prima Pramac Yamaha, Startnummer 7) – Japan-GP, MotoGP 2026

Welche MotoGP-Fahrer begrüßen das neue Format?

Vor allem Bagnaia, Marini, Bezzecchi und mehrere junge Fahrer sehen im zweiten Qualifying einen Vorteil. Ihr wichtigstes Argument: Ein verpatzter Freitag kostet künftig nicht mehr die Startplätze für beide Rennen.

Bagnaia erinnert daran, dass die Fahrer schon seit der Einführung der Sprints zwei getrennte Startaufstellungen gefordert haben. „Ich mag es, das wird gut“, sagt der Ducati-Pilot. Auch Bezzecchi ist zufrieden und sagt, er möge das neue Format wirklich sehr. Marini hält die Änderung für einen Vorschlag der Teams, um die Show zu verbessern und die Serie bekannter zu machen. Am Ende könne das eine positive Veränderung sein. Er findet es außerdem gut, dass die freien Trainings wieder FP1, FP2 und FP3 heißen, weil das leichter zu verstehen ist.

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Toprak Razgatlioglu hat einen ganz persönlichen Grund zur Freude. Er musste zuletzt oft von ganz hinten starten, obwohl er am Samstag schneller wurde. Mit dem zweiten Qualifying hat er nun eine weitere Chance, seinen Startplatz zu verbessern. Ähnlich sehen es Fermin Aldeguer und Diogo Moreira: Nach einem schlechten Freitag ist am Sonntag trotzdem noch ein gutes Ergebnis möglich. Brad Binder, der 2027 in die Superbike-WM wechselt, findet das neue Format spannend.

Aldeguer, mit 21 Jahren einer der Jüngsten im Feld, sieht in der kürzeren Streckenzeit sogar einen körperlichen Vorteil. Rechnet man die 35 Minuten auf 22 Rennwochenenden hoch, kommen in einer Saison fast 13 Stunden zusammen. Johann Zarco geht noch einen Schritt weiter. Wer wenig Vorbereitungszeit hat, muss sofort schnell sein, und das könne ihm als erfahrenem Fahrer helfen, wenn die Honda 2027 gut ist. Fabio Di Giannantonio nimmt die Sache gelassen. Für Fahrer und Teams, die gut zusammenpassen und wenig Zeit auf der Strecke brauchen, könne das Format gut funktionieren.

Warum kritisieren Acosta und die Marquez-Brüder das Format?

Sie befürchten mehr Risiko, mehr mentale Belastung und noch mehr Verletzungen. Schon jetzt kommt kaum ein Fahrer ohne Verletzung durch eine Saison.

Pedro Acosta ist 22 Jahre alt, verlässt KTM und fährt ab 2027 bei Ducati an der Seite von Marc Marquez. Er erwartet ein extrem anstrengendes Jahr. Das Rennwochenende beginne oft schon am Mittwoch mit PR-Terminen. Dann kämen das Sprint-Qualifying mit 22 Fahrern auf der Strecke, das Q1, das Q2, der Sprint und das Rennen. An jedem Wochenende fünfmal das absolute Maximum zu riskieren, ohne sich früher oder später zu verletzen, hält er für unmöglich. „Das geht einfach nicht“, sagt er.

Acosta könnte das Format verstehen, wenn es nur halb so viele Sprints gäbe, also 11 statt 22. Zum Vergleich: Die Formel 1 plant für 2027 zehn Sprints bei 24 Rennwochenenden. Viele Sprints hält Acosta ohnehin für langweilig, etwa auf dem Sachsenring, wo kaum überholt werden kann. Außerdem glaubt er, dass die Karrieren der Fahrer immer kürzer werden. Eine so lange Laufbahn wie die von Valentino Rossi werde es dann nicht mehr geben.

Marc Marquez sieht das genauso. Der amtierende Weltmeister möchte zuerst verstehen, was das eigentliche Ziel der Änderung ist. Für die Fahrer bedeute sie nur mehr Intensität und mehr Belastung, vor allem im Kopf. „With the [current] schedule, it’s enough. But we don’t decide. It is what it is, and we must shut up.“ Übersetzt: „Mit dem aktuellen Zeitplan ist es genug. Aber wir entscheiden das nicht. Es ist, wie es ist, und wir müssen den Mund halten.“ Seine eigene Karriere neige sich dem Ende zu, Acosta gebe er trotzdem voll und ganz recht. Die jungen Fahrer würden sich anpassen. Welchen Tribut 22 Rennwochenenden in diesem Format fordern, werde sich erst zeigen.

Sein Bruder Alex Marquez vom Gresini-Team sagt, die Entscheidung sei zwischen der Meisterschaft und den Teams gefallen. Das Format bringe deutlich mehr riskante Momente an einem Wochenende. Die Fahrer hätten schon immer weniger Sprints gewollt, höchstens halb so viele. Ändern werde sich daran aber nichts, egal wie viel sie sich beschweren.

Wie stark die Verletzungen das Feld prägen, zeigte sich schon in der ersten Sprint-Saison 2023. Bis zur 15. Runde gab es damals kein einziges Rennen, bei dem nicht mindestens ein Fahrer verletzt fehlte.

Fabio Quartararo in Schräglage auf der Yamaha YZR-M1 im Gegenlicht – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Fabio Quartararo (Monster Energy Yamaha MotoGP, Startnummer 20) – Japan-GP, MotoGP 2026

Reicht die Trainingszeit mit den neuen 850ern?

Für Fabio Quartararo und Jack Miller reicht sie nicht. Beide halten die gekürzte Trainingszeit gerade im Jahr des neuen Reglements für ein Problem.

Quartararo wechselt 2027 von Yamaha zu Honda und hat weder die neuen 850er noch die Pirelli-Reifen getestet. Mit neuen Motorrädern und neuen Reifen weniger zu trainieren, hält er für den falschen Weg. Den Teams fehle Zeit, das Motorrad sauber abzustimmen und zu verstehen, wie lange die Reifen über die Renndistanz halten. Er würde zum Beispiel das FP2 gern auf eine Stunde verlängern, geplant sind 30 Minuten. Gegen das zusätzliche Qualifying hat er dagegen nichts, weil es für alle gleich ist.

Miller vom Pramac-Team erinnert daran, dass die Fahrer schon heute in den letzten 15 Minuten des Trainings voll angreifen. Bisher habe es davor wenigstens etwas Zeit gegeben, das Motorrad halbwegs anzupassen. 2027 müsse man mit noch weniger Vorbereitung attackieren. Dass die Show mit weniger Zeit auf der Strecke besser wird, glaubt er nicht. Das zweite Qualifying mache es aus seiner Sicht nur schwerer, den Überblick zu behalten. Marini hält dagegen, dass MotoGP-Fahrer genau für solche Situationen trainiert sind.

Warum streiten die MotoGP-Fahrer über das Warm-up?

Für viele Fahrer war das Warm-up die letzte Chance, das Motorrad vor dem Rennen zu prüfen. Andere halten die zehn Minuten am Sonntagmorgen für überflüssig.

„Ein Warm-up ist zwingend erforderlich“, sagt Miller. Er habe das auch Carlos Ezpeleta direkt gesagt. Die Fahrer säßen nicht geschützt in einem Auto, und das Motorradfahren sei körperlich extrem fordernd. Schon heute stünden die Fahrer bei der Fahrerparade am Sonntagmorgen auf dem Truck und massierten sich die Oberarme. Ohne Warm-up werde das zum Beispiel in Mugello noch unangenehmer.

Marini nennt einen weiteren Grund: Wer im Sprint stürzt oder am Motorrad viel verändert, kann das am Sonntagmorgen in diesen zehn Minuten überprüfen. Außerdem hätten die Fans auf den Tribünen etwas davon, die bei Rennen wie in Jerez, Le Mans oder auf dem Sachsenring schon um 7 Uhr morgens da sind. Acosta warnt, dass ein Fahrer mit einem Problem am Motorrad den Sonntag künftig abschreiben kann. Auch Enea Bastianini braucht das Warm-up nach eigener Aussage, um noch Dinge zu verstehen und sich richtig aufzuwärmen.

Auf der anderen Seite stehen Jorge Martin und Alex Rins. Martin hat das Warm-up nie gemocht und nennt die Streichung sogar das Einzige, was ihm am neuen Format gefällt. Alex Marquez und Moreira stört der Wegfall ebenfalls nicht.

Es gibt außerdem ein praktisches Problem. Nachtanken in der Startaufstellung ist nicht erlaubt. Wer mehrere Besichtigungsrunden fährt, verbraucht also Sprit, der im Rennen fehlt. Marini geht davon aus, dass die Fahrer für diese Runden meist ihr zweites Motorrad nehmen werden.

Ganz vom Tisch ist das Warm-up noch nicht. Bagnaia hat die Serie gebeten, es wieder aufzunehmen. Die MotoGP müsse das noch mit den Teams besprechen, er hält es aber für machbar. Ezpeleta sagt, die Serie sei offen dafür, den Zeitplan zu ändern und zu verbessern. Und Capirossi erklärt, die Rennleitung könne aus Sicherheitsgründen jederzeit wieder eine Session am Sonntagmorgen ansetzen. So geschah es zuletzt in Japan, wo das Warm-up um zehn Minuten verlängert wurde, damit alle Fahrer den mittleren und den harten Reifen testen konnten. Er erinnert auch daran, dass es viel Streit gab, als das Warm-up 2023 in der Moto2 und Moto3 gestrichen wurde, um Platz für die Fahrerparade zu schaffen. Negative Folgen habe das am Ende nicht gehabt.

Jack Miller mit der Startnummer 43 beim Trainingsstart vor der Brembo-Bande – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Jack Miller (Prima Pramac Yamaha, Startnummer 43) – Japan-GP, MotoGP 2026

Wird das MotoGP-Wochenende 2027 gefährlicher?

Die Serie sagt nein. Laut Ezpeleta bleibt die Zahl der schnellen Runden unter Druck gleich, und die Fahrer bekommen für die Qualifyings deutlich weniger Reifen.

Bisher entschied das lange Training am Freitagnachmittag, wer direkt ins Q2 kommt. Deshalb fuhren die Fahrer dort zusätzliche Zeitenjagden mit wenig Sprit. Dieses Training ist künftig komplett frei. Im Sprint-Qualifying darf nur ein Satz Reifen verwendet werden, die Fahrer haben also nur einen schnellen Versuch. Auch für Q1 und Q2 gibt es eine Begrenzung. Ezpeleta argumentiert, wer weniger Reifen hat, gehe weniger Risiko ein, weil nach einem Fehler keine zweite Chance bleibt. Die Serie habe in diesem Jahr bereits einiges für die Sicherheit getan, etwa die Startaufstellung länger und breiter gemacht und die Holeshot-Devices verboten. Das sind Startvorrichtungen, die das Motorrad beim Start absenken. Verletzungen gehörten aber leider zu diesem Sport.

Auch einige Fahrer sehen keine größere Gefahr. Marini macht sich keine Sorgen wegen 22 Fahrern gleichzeitig auf der Strecke. Die Serie werde an den Strafen arbeiten müssen. Weil die Aerodynamik auch 2027 wichtig bleibt, würden die schnellen Fahrer ohnehin allein fahren wollen, um saubere Luft zu bekommen. Aleix Espargaro, Testfahrer bei Honda und an diesem Wochenende Ersatz für Joan Mir, glaubt sogar an mehr Sicherheit. Die neuen Reifen seien leichter zu fahren und die Motorräder langsamer. Dafür rechnet er mit mehr Drama, weil auch Topfahrer mal von Platz 15 oder 20 starten. Razgatlioglu bringt es kurz auf den Punkt: „Ich mag Chaos!“

Warum haben die Fahrer bei der Entscheidung kaum mitgeredet?

Weil kaum einer von ihnen zur entscheidenden Sitzung kam. In der Sicherheitskommission in Motegi waren nur vier Fahrer dabei, als Ezpeleta ihnen das neue Format erklärte.

Die Sicherheitskommission tagt an jedem Rennwochenende am Freitag nach den Trainings. Dort können die Fahrer ihre Anliegen direkt bei der Serie und der FIM vorbringen. Bagnaia gehört zu den wenigen, die regelmäßig hingehen. Die vier Anwesenden hätten die Gründe verstanden und zugestimmt, nur um das Warm-up hätten sie gebeten. Er macht aber auch klar, wo das Problem liegt: „If instead of four, there had been 20 riders, we could have influenced the decision.“ Übersetzt: „Wenn statt vier 20 Fahrer da gewesen wären, hätten wir die Entscheidung beeinflussen können.“

Viele Fahrer bleiben bewusst weg. Di Giannantonio hat aufgehört, zur Sicherheitskommission zu gehen, weil es sehr schwer gewesen sei, Zusagen zu bekommen. Seine Zeit steckt er seitdem lieber in seinen Körper und die Arbeit in der Box. Auch Bastianini geht nicht mehr hin. Acosta sagt, ihm fehle schlicht die Zeit. Martin dagegen sagt: „I feel they don’t even ask us.“ Übersetzt: „Ich habe das Gefühl, sie fragen uns nicht einmal.“

Ezpeleta hat am Freitag in Mandalika auf diese Kritik reagiert. Die Tür der Serie stehe den Fahrern jeden Freitagnachmittag offen. Außerdem habe die MotoGP die Teams gebeten, mit ihren Fahrern zu sprechen. Das sei in den letzten Rennen aber sehr unterschiedlich gelaufen, auch weil viele Fahrer gerade das Team wechseln. Die Serie habe Verträge mit den Teams, nicht mit den Fahrern. Die Fahrer seien aber trotzdem Teil der Entscheidungsstrukturen der Meisterschaft.

Marc Márquez in der Box mit Ingenieur, Aufnahme mit Zoomeffekt – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Marc Márquez (Ducati Lenovo Team) in der Box – Japan-GP, MotoGP 2026

Warum gibt es in der MotoGP keine Fahrervereinigung?

Bisher sind alle Versuche gescheitert, weil sich die Fahrer nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten. Teams, Hersteller und Promoter haben dagegen eigene Vertretungen: die Teamvereinigung IRTA, die Herstellervereinigung MSMA und die MotoGP Sports Entertainment Group.

In der Formel 1 vertritt die Grand Prix Drivers‘ Association, kurz GPDA, seit 1961 die Interessen der Fahrer. Vorsitzender ist der frühere Formel-1-Pilot Alexander Wurz, Carlos Sainz und George Russell sind Direktoren. In der MotoGP gab es 2023 einen ernsthaften Anlauf. Der frühere Superbike-Weltmeister Sylvain Guintoli sollte das Gesicht einer Fahrervereinigung werden. Themen sollten Sicherheit, Zeitplan, Verträge und ein Mindestgehalt sein. Ende 2023 wurde mit der Gründung begonnen, doch das Projekt schlief ein. Mehreren Fahrern waren die laufenden Kosten zu hoch.

Marini hatte schon im Laufe dieser Saison vorgeschlagen, dass die Fahrer einen gemeinsamen Sprecher wählen. Eine Pflicht zur Teilnahme an der Sicherheitskommission bringe nichts, früher seien 20 Leute im Raum gewesen, und das sei noch chaotischer gewesen. Di Giannantonio sagt, die Fahrer seien einer Vereinigung schon recht nahe gewesen, mehrere Fahrer hätten sie aber blockiert. Maverick Vinales schildert, er habe immer das Gefühl gehabt, dass man Ärger bekommt, wenn man es versucht. Also sei es besser gewesen, nichts zu sagen und einfach zu fahren.

Marc Marquez gilt vielen als der Fahrer, dessen Wort bei der Serie am meisten zählt. Eine Vereinigung anführen will er trotzdem nicht. Das hatte er schon 2022 gesagt, und er bleibt dabei. „Als aktiver Fahrer ist es unmöglich, eine Fahrergemeinschaft anzuführen“, sagt der neunmalige Weltmeister. Das Durchschnittsalter im Feld sei sehr niedrig, jeder schaue auf seine eigenen Interessen. Langfristig wollten aber alle dasselbe: schnell sein, gewinnen und so sicher fahren, dass die Karriere möglichst lange dauert. Er ist überzeugt, dass es früher oder später eine Lösung wie in der Formel 1 geben wird.

Dass Fahrer gemeinsam etwas durchsetzen können, zeigt die Geschichte. 1974 weigerten sich Giacomo Agostini, Phil Read und Barry Sheene auf dem Nürburgring aus Sicherheitsgründen zu fahren. 1979 gab es in Spa-Francorchamps einen ähnlichen Protest mit Kenny Roberts, Sheene, Franco Uncini und Virginio Ferrari. Auch 1982 in Nogaro und 1989 in Misano streikten Fahrer. In der Formel 1 weigerten sich die Fahrer der GPDA um Jackie Stewart 1969, in Spa-Francorchamps anzutreten, weil die geforderten Änderungen an der Strecke nicht umgesetzt wurden. Der Grand Prix wurde daraufhin abgesagt.

Wie geht es mit dem MotoGP-Format 2027 weiter?

Das neue Format ist beschlossen und gilt ab der Saison 2027. Offen ist vor allem, ob das Warm-up doch noch zurückkommt.

Bagnaia ist optimistisch, und auch Ezpeleta signalisiert Gesprächsbereitschaft. Am grundsätzlichen Ablauf mit zwei Qualifyings wird sich aber nichts ändern. Damit startet die MotoGP 2027 mit neuen Motorrädern, neuen Reifen und einem neuen Wochenendablauf in die Saison. Bis dahin geht der Titelkampf der Saison 2026 weiter, in dem WM-Spitzenreiter Jorge Martin und Weltmeister Marc Marquez in Mandalika die nächste Runde fahren. Die Debatte über eine eigene Stimme der Fahrer dürfte sie über das Saisonende hinaus begleiten.

Pedro Acosta grüßt mit dem Mikrofon die Fans auf der Bühne – MotoGP Japan-GP Motegi 2026
Pedro Acosta (Red Bull KTM Factory Racing) beim Fan-Event – Japan-GP, MotoGP 2026

Häufige Fragen

  • Was ändert sich am MotoGP-Format 2027?

    Ab 2027 gibt es am Freitag ein eigenes Sprint-Qualifying über 15 Minuten, und das Warm-up am Sonntag fällt weg. Am Samstag fahren alle Fahrer im Q1, die zwölf Schnellsten im Q2 um die Startplätze für den Grand Prix. Laut Promoter sinkt die Streckenzeit pro Wochenende um 35 Minuten.

  • Was halten die MotoGP Fahrer vom Format 2027?

    Die MotoGP Fahrer sind beim Format 2027 gespalten. Bagnaia, Marini und Bezzecchi begrüßen das zweite Qualifying, weil ein schlechter Freitag nicht mehr beide Rennen kostet. Acosta, Marc und Alex Marquez befürchten dagegen mehr Risiko, mehr Stress und mehr Verletzungen.

  • Wer hat das neue MotoGP-Format beschlossen?

    Laut MotoGP ging die Initiative von den Teams und Herstellern aus. Die Hersteller wollten weniger Streckenzeit, damit Bauteile weniger Kilometer sammeln. Die Fahrer wurden in der Sicherheitskommission in Motegi informiert, dort waren aber nur vier von ihnen anwesend.

  • Gibt es in der MotoGP 2027 noch ein Warm-up?

    Nach dem aktuellen Plan nicht, stattdessen ist die Boxengasse vor dem Rennen zehn Minuten für Besichtigungsrunden geöffnet. Bagnaia hat um eine Rückkehr des Warm-ups gebeten und hält sie für machbar. Die Rennleitung kann aus Sicherheitsgründen zudem jederzeit eine Session am Sonntagmorgen ansetzen.

  • Hat die MotoGP eine Fahrervereinigung?

    Nein, eine Fahrervereinigung wie die GPDA in der Formel 1 gibt es in der MotoGP nicht. Ein Versuch mit Sylvain Guintoli als Gesicht scheiterte Ende 2023. Marc Marquez glaubt, dass sich die Fahrer früher oder später doch zusammenschließen werden.

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