- 662,8 cm³ Reihenvierzylinder mit 99 PS (72,8 kW) und 64 Nm
- Sitzhöhe, Fußrasten und Lenker sollen verstellbar sein
- Marktstart in Europa im Laufe des ersten Halbjahrs 2027 geplant, Preis noch offen
Lange gehörten Vierzylinder in der Mittelklasse fast ausschließlich den japanischen Herstellern. Inzwischen drängen immer mehr chinesische Marken in dieses Feld, und Voge macht jetzt den nächsten Schritt. Die Premiummarke des Loncin-Konzerns zeigt in Mailand die 660RR, ihren ersten Sportler mit vier Zylindern, der 2027 in europäischen Ländern in den Handel kommen soll. Neu ist die Maschine allerdings nur auf den ersten Blick. Unter dem Namen RR660S ist sie in China schon länger erhältlich und stand bereits auf der EICMA 2025 am Voge-Stand.

Was ist die Voge 660RR?
Die Voge 660RR ist ein vollverkleideter Sportler mit 662,8 cm³ großem Reihenvierzylinder und knapp 100 PS. Sie basiert auf der RR660S, die Voge international bereits im Programm hat, und trägt in einigen europäischen Märkten nun den neuen Namen 660RR.
Hinter Voge steht Loncin, ein chinesischer Großserienhersteller, der pro Jahr mehr als 2,5 Millionen Motorräder baut und auch als Partner von BMW bekannt ist. Voge selbst ist erst sieben Jahre alt, hat aber in dieser Zeit eine Modellpalette von 125 bis 900 cm³ aufgebaut. Bisher waren vor allem Reiseenduros wie die DS800X Rally und Roller wie der SR450X die Zugpferde der Marke in Europa. Mit der 660RR wagt sich Voge nun in ein Segment, in dem Fahrleistungen und Fahrwerk deutlich stärker im Mittelpunkt stehen.
Die Optik folgt klassischen Vierzylinder-Supersportlern. Unter den LED-Scheinwerfern sitzen kleine Flügel, sogenannte Winglets, die an aktuelle Rennmaschinen erinnern. In Mailand zeigt Voge die 660RR in auffälligem Gelb. Begleitet wird sie von der kleinen 125RR, die das sportliche Design in die Achtelliterklasse bringt.
Welcher Motor steckt in der Voge 660RR?
In der Voge 660RR arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder mit 662,8 cm³ Hubraum, der 99 PS (72,8 kW) bei 11.500 U/min leistet. Das maximale Drehmoment von 64 Nm (47 lb-ft) liegt bei 10.000 U/min an.
Der Motor mit dem Werkscode KEN660 ist eine Eigenentwicklung von Voge. Er hat zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC), 16 Ventile und eine Verdichtung von 11,8 zu 1. Wie bei Vierzylindern dieser Art üblich, liegen Leistung und Drehmoment weit oben im Drehzahlband. Wer die volle Kraft nutzen will, muss den Motor also hoch drehen lassen.
Ein Ram-Air-System leitet bei hohem Tempo zusätzliche Luft in die Airbox. Dadurch soll die Spitzenleistung auf bis zu 76 kW (rund 103 PS) steigen. Die Kraft geht über ein Sechsganggetriebe und eine Kette ans Hinterrad. Ein Quickshifter erlaubt das Hochschalten ohne Kupplung und ohne das Gas zu schließen.
Voge nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h (146 mph). Von 0 auf 100 km/h soll die 660RR in 3,5 Sekunden beschleunigen. Ein Detail für das Ohr sitzt in der 4-in-1-Auspuffanlage: Über einen Schalter am Lenker lassen sich Klappen öffnen oder schließen, sodass zwischen einem leisen und einem lauten Klang gewählt werden kann.
Mit 662,8 cm³ hat der Motor etwas mehr Hubraum als die klassischen 600er-Vierzylinder früherer Jahre. In der Leistung liegt er damit genau in der Klasse um 100 PS, in der sich heute Zweizylinder, Dreizylinder und Vierzylinder begegnen.

Fahrwerk, Bremsen und Elektronik der Voge 660RR
Der Motor ist in einem Perimeterrahmen aus Stahl eingebaut, also einem Rahmen, dessen Träger seitlich um den Motor herumlaufen. Hinten führt eine Schwinge aus Aluminium das Rad. Vorn federt eine Upside-down-Gabel, hinten ein zentrales Federbein. Beide Elemente stammen von Kayaba (KYB) und sind einstellbar.
Gebremst wird vorn mit zwei Scheiben und radial montierten Vierkolben-Bremszangen von Brembo. Hinten arbeitet eine Einzelscheibe mit Bremszange von Nissin. Das ABS von Bosch lässt sich abschalten, was vor allem für Fahrten auf der Rennstrecke interessant ist.
Die 660RR rollt auf 17-Zoll-Rädern aus Leichtmetall. Die Europa-Version ist mit Pirelli-Reifen in den Größen 120/70 vorn und 180/55 hinten bestückt. Der Radstand beträgt 1.450 mm, die Bodenfreiheit 130 mm.
Zur Elektronik gehören zwei Fahrmodi mit den Namen Normal und Sport sowie eine Traktionskontrolle. Das TFT-Display misst 12,7 cm (5 Zoll) in der Diagonale. Es zeigt neben Drehzahl, Tankstand, Gang und Wassertemperatur auch Navigationsdaten an, die per Bluetooth vom Smartphone kommen. Ein USB-Anschluss und eine komplette LED-Beleuchtung sind ebenfalls an Bord.
Wie lässt sich die Sitzposition der Voge 660RR anpassen?
Bei der Voge 660RR sollen sich Sitzhöhe, Fußrasten und Lenker an den Fahrer anpassen lassen. Für einen Supersportler ist das eher ungewöhnlich, denn die Sitzposition ist dort meist fest vorgegeben.
Bei der international angebotenen RR660S gibt es drei Sitzhöhen zwischen 780 und 830 mm. Als Standardwert werden 800 mm genannt. Die Fußrasten lassen sich in zehn Positionen verstellen, der Lenker um bis zu acht Grad stufenlos.
Für die Version, die in Spanien als 660RR startet, ist bislang nur der verstellbare Sitz ausdrücklich angekündigt. Ob die verstellbaren Fußrasten und der verstellbare Lenker auch bei den Europa-Modellen in vollem Umfang an Bord sind, ist noch nicht bestätigt.
Gerade für Fahrer, die nicht der Durchschnittsgröße entsprechen, kann diese Einstellbarkeit ein Argument sein. Auch wer seinen Sportler häufiger auf der Landstraße als auf der Rennstrecke bewegt, profitiert von einer etwas entspannteren Haltung.

Wie schwer ist die Voge 660RR im Vergleich zur Konkurrenz?
Voge gibt für die 660RR ein Gewicht von rund 215 kg (474 lbs) an. Je nach Datenblatt ist dieser Wert trocken oder fahrfertig angegeben, eine genaue Zuordnung fehlt bislang.
Selbst wenn die 215 kg bereits fahrfertig gemessen sind, liegt die 660RR deutlich über manchen Konkurrenten. Die Aprilia RS 660 bringt fahrfertig 183 kg auf die Waage. Ein Teil des Mehrgewichts dürfte auf den Vierzylinder und den Stahlrahmen zurückgehen, die beide schwerer bauen als ein Zweizylinder mit Aluminiumrahmen.
Als direkte Rivalin gilt die Honda CBR650R, die ebenfalls auf einen Reihenvierzylinder in dieser Hubraumklasse setzt. Dazu kommen Dreizylinder-Sportler wie die CFMoto 675SR-R und die Zontes 703RR, die ebenfalls im Bereich um 100 PS antreten. Eine Klasse darunter haben sich kleinere Vierzylinder mit 400 bis 500 cm³ etabliert, darunter die Kawasaki Ninja ZX-4RR, die Kove 450RR und die ZXMOTO 500RR. Auch Voge selbst hat mit der RR500S bereits einen kleineren Vierzylinder-Sportler im Programm.
Der Tank der 660RR fasst 15,5 Liter.
Gibt es die Voge 660RR für den A2-Führerschein?
Eine A2-Version der Voge 660RR ist bislang nicht offiziell bestätigt. Für die baugleiche RR660S hatte Voge aber eine Variante mit 95 PS angekündigt, die sich für Fahrer mit A2-Führerschein auf 47,5 PS drosseln lässt.
Für den A2-Führerschein gilt die Regel, dass das Motorrad höchstens 35 kW haben darf und die offene Version nicht mehr als doppelt so viel Leistung haben darf. Mit 95 PS liegt die angekündigte Variante innerhalb dieser Grenze. Ob diese Version auch als 660RR nach Deutschland kommt, lässt Voge im Moment offen.
Ein drosselbarer Vierzylinder wäre in diesem Segment selten. Für Einsteiger, die später ohne neues Motorrad auf den offenen Führerschein umsteigen wollen, könnte die 660RR damit interessant werden.

Wann kommt die Voge 660RR auf den Markt und was kostet sie?
Die Voge 660RR soll im ersten Halbjahr 2027 in den Handel kommen. In Spanien ist dieser Zeitraum offiziell angekündigt, für den deutschsprachigen Raum ist der März 2027 im Gespräch.
Einen Preis für Europa nennt Voge noch nicht. Auch für Spanien und Frankreich halten sich Hersteller und Importeure bislang bedeckt. Ursprünglich war der Marktstart in einzelnen europäischen Ländern schon für Ende 2026 vorgesehen, der Termin hat sich also verschoben.
Ein Blick auf die übrigen Voge-Modelle zeigt, wie die Marke bisher kalkuliert. Die Reiseenduro DS800X Rally kostet in Deutschland 8.999 Euro plus Überführung, der Roller SR450X ab 7.399 Euro inklusive Nebenkosten und das Naked Bike R625 ab 6.399 Euro. Wo sich die 660RR einordnet, bleibt abzuwarten.
Die 660RR gehört zu den Neuheiten des Modelljahrgangs 2027, die auf der EICMA 2026 in Mailand gezeigt werden.
Voge 125RR: Der Einstieg in die sportliche Modellfamilie
Neben der 660RR präsentiert Voge in Mailand die 125RR, die Optik und sportliche Sitzposition in die Klasse für den A1-Führerschein bringt. Sie kommt ebenfalls im ersten Halbjahr 2027 auf den Markt.
Ihr flüssigkeitsgekühlter Einzylinder hat 124,8 cm³ Hubraum, vier Ventile und zwei obenliegende Nockenwellen. Er leistet 14,7 PS (10,8 kW) bei 9.500 U/min und liefert 12 Nm (8,9 lb-ft) bei 8.500 U/min. Geschaltet wird über ein Sechsganggetriebe.
Voge nennt ein Trockengewicht von 147 kg (324 lbs) und eine Sitzhöhe von 790 mm. Die 125RR hat eine Upside-down-Gabel, ein Zentralfederbein, ABS und eine Traktionskontrolle. Dazu kommen LED-Licht und ein LCD-Display mit einfacher Navigationsfunktion.

Häufige Fragen
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Wie viel PS hat die Voge 660RR?
Die Voge 660RR leistet 99 PS (72,8 kW) bei 11.500 U/min. Dank eines Ram-Air-Systems soll die Spitzenleistung bei hohem Tempo auf bis zu 76 kW (rund 103 PS) steigen. Das maximale Drehmoment beträgt 64 Nm bei 10.000 U/min.
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Ist die Voge 660RR dasselbe Motorrad wie die Voge RR660S?
Ja, die 660RR basiert auf der RR660S, die Voge international bereits anbietet. In Spanien und weiteren europäischen Märkten startet sie unter dem neuen Namen. Ob alle Ausstattungsdetails der RR660S übernommen werden, ist noch nicht vollständig bestätigt.
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Wann kommt die Voge 660RR nach Deutschland?
Ein offizieller Termin für Deutschland steht noch nicht fest. In Spanien soll die 660RR im ersten Halbjahr 2027 starten, für den deutschsprachigen Raum ist der März 2027 im Gespräch.
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Was kostet die Voge 660RR?
Einen Preis für Europa hat Voge noch nicht genannt. Andere Modelle der Marke liegen in Deutschland zwischen rund 6.400 und 9.000 Euro, eine genaue Einordnung der 660RR ist aber noch nicht möglich.
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Kann man die Voge 660RR mit dem A2-Führerschein fahren?
Das ist noch offen. Für die baugleiche RR660S hatte Voge eine 95-PS-Version angekündigt, die sich auf 47,5 PS drosseln lässt. Für die 660RR fehlt eine Bestätigung dieser Variante bislang.












