- RW700 und RW700 Explore: 689 cm³, 69,3 PS (51 kW), Sechsganggetriebe mit Y-AMT, 221 kg vollgetankt
- RW350: neuer 327-cm³-Einzylinder mit 29,2 PS (21,5 kW), fest im Rahmen montiert, 192 kg
- Preise nennt Yamaha noch nicht, die RW350 soll im Frühjahr 2027 kommen
Von außen sind die neuen RW-Modelle Roller: Durchstieg, Sitzbank mit Helmfach, ausklappbare Trittbretter. Unter der Verkleidung geht Yamaha aber vor allem bei der RW700 einen anderen Weg als die meisten Hersteller in dieser Klasse. Statt Variomatik und Triebsatzschwinge arbeitet dort der bekannte CP2-Reihenzweizylinder mit sechs Gängen, Ölbadkupplung und Kettenantrieb. Die RW-Familie gehört zu den Yamaha-Neuheiten, die auf der EICMA 2026 in Mailand zu sehen sind, und ist Teil des Modelljahrgangs 2027. Neben der RW700 umfasst sie die besser ausgestattete RW700 Explore und die kleinere RW350.

Was ist die Yamaha RW-Serie?
Die RW-Serie ist Yamahas erste Modellfamilie von Adventure-Rollern, also Rollern mit langen Federwegen, Stollenreifen und Fahrmodi für unbefestigte Wege. Yamaha selbst bezeichnet die RW700 als Crossover aus Motorrad und Roller.
Die Idee dahinter: Im Alltag soll sich die RW wie ein komfortabler Pendlerroller fahren, auf Schotter oder Waldwegen aber deutlich mehr können. Yamaha bringt dafür Erfahrung aus zwei Richtungen mit. Auf der einen Seite stehen die Sportroller der TMAX- und XMAX-Baureihen, auf der anderen die geländetauglichen Ténéré-Modelle. Die RW-Serie verbindet beides.
Für harte Enduro-Einsätze ist das Konzept nicht gedacht. Yamaha spricht selbst von Waldwegen und unbefestigten Strecken. Auch die Räder bleiben mit 17 Zoll vorn und 15 Zoll hinten bei der RW700 in rollertypischen Dimensionen. Wie gut sich ein 221 kg schwerer Roller mit 15-Zoll-Hinterrad abseits des Asphalts schlägt, muss sich in Fahrtests zeigen.
Wie viel PS haben die Yamaha RW700 und die RW350?
Die Yamaha RW700 leistet 69,3 PS (51 kW) bei 8.250/min, die RW350 kommt auf 29,2 PS (21,5 kW) bei 7.000/min. Für die RW700 und die RW700 Explore gibt es zusätzlich eine A2-Version mit 47,6 PS (35 kW).
Der Zweizylinder der RW700 hat 689 cm³ Hubraum, erfüllt die Abgasnorm EU5+ und stammt aus der CP2-Familie, die Yamaha unter anderem in der MT-07 und der Ténéré 700 einsetzt. Das maximale Drehmoment von 65 Nm (48 lb-ft) liegt zwischen 6.500 und 6.750/min an. Yamaha gibt einen Verbrauch von 4,1 Litern auf 100 km an, der Tank fasst 14 Liter.
Die RW350 hat dagegen einen komplett neu entwickelten Einzylinder mit 327 cm³, vier Ventilen und obenliegender Nockenwelle. Er liefert 31,5 Nm (23 lb-ft) bei 5.750/min und ist leicht langhubig ausgelegt. Damit liegt er etwas über dem 300er-Motor des XMAX. Für die RW350 nennt Yamaha 3,5 Liter auf 100 km, der Tank fasst 13 Liter. Mit 21,5 kW bleibt die RW350 klar unter der A2-Grenze von 35 kW.
Beide Motoren nutzen eine elektronische Gassteuerung (Ride-by-Wire, bei Yamaha YCC-T genannt). Für die Klasse der RW350 ist das bei Yamaha eine Premiere.

Wie schaltet die RW700 mit Y-AMT im Gelände?
Die RW700 schaltet über das automatisierte Getriebe Y-AMT, entweder vollautomatisch oder per Wippschalter am linken Lenkerende. Einen Kupplungs- oder Fußschalthebel gibt es nicht, auch keine Fußbremse. Gebremst wird ausschließlich mit den beiden Handhebeln.
Das Y-AMT hat Yamaha 2024 eingeführt und seitdem in mehreren Motorrädern verbaut. Mit der RW700 bekommt es erstmals eine Abstimmung für den Geländeeinsatz. Damit ist die RW700 auch Yamahas erster Roller mit echten Gängen. Ein Gangwechsel per Wippe dauert nach Herstellerangaben 0,1 Sekunden.
Für den Roller hat Yamaha das System überarbeitet. Ein Gummidämpfer an der Kupplung und geänderte Federn an der Schaltwelle sollen die Gangwechsel weicher machen. Die Wippe hat eine neue Form bekommen, damit sie sich nicht mit dem Bremshebel in die Quere kommt.
Spannend wird es im Automatikmodus abseits der Straße. In den GRAVEL-Fahrmodi schaltet das Getriebe nicht sofort hoch, wenn der Fahrer Gas gibt oder das Hinterrad durchdreht. So soll sich auf losem Untergrund ein kontrollierter Schlupf halten lassen. Blockiert das Hinterrad oder verzögert der Roller stark, greift die Elektronik in die Kupplung ein, damit der Motor nicht abstirbt. Yamaha nennt als Beispiel ein Hinterrad, das auf einem Baumstamm durchdreht.
Fahrwerk und Ergonomie: Sitzen, Stehen oder Füße nach vorn
Das Grundgerüst der RW700 ist ein Rahmen aus hochfestem Stahlrohr. Vorn arbeitet eine Upside-down-Gabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser und 160 mm Federweg. Hinten federt ein Zentralfederbein mit Umlenkung, das 155 mm Federweg bietet und sich in Vorspannung (sieben Stufen) und Zugstufe einstellen lässt. Die Bodenfreiheit beträgt 170 mm.
Die Räder kombinieren Aluminiumfelgen mit Kreuzspeichen aus Edelstahl, die Yamaha erstmals verwendet. Darauf sitzen schlauchlose Pirelli Scorpion Rally STR in 120/70 R17 und 160/60 R15. Vorn bremsen zwei 298-mm-Scheiben mit radial montierten Vierkolbenzangen, hinten eine 267-mm-Scheibe. Ein Motorschutz aus Aluminium, Handprotektoren und ein fest montierter Windschild gehören zur Serie.
Typisch für das Konzept ist die Sitzposition. Die Sitzhöhe liegt bei 810 mm, vorn ist die Sitzbank schmal geschnitten. Für die Füße gibt es zwei Positionen: mittig montierte Fußrasten im Enduro-Stil, auf denen sich auch im Stehen fahren lässt, und weiter vorn klappbare Trittbretter für die entspannte Rollerhaltung. Die mittleren Rasten lassen sich in vier Positionen verstellen, auch das ist eine Premiere bei Yamaha. Ihre Gummiauflagen dämpfen auf der Straße Vibrationen und lassen sich für mehr Grip im Gelände abnehmen.
Die RW700 ist 2.255 mm lang, 940 mm breit und hat einen Radstand von 1.585 mm. Vollgetankt wiegt sie 221 kg (487 lbs).

Was unterscheidet die RW700 Explore von der RW700?
Die RW700 Explore hat dieselbe Technik wie die RW700, bekommt aber eine einstellbare Gabel und mehr Komfortausstattung. Dazu gehören Heizgriffe, eine beheizbare Fahrersitzbank, ein Hauptständer und beleuchtete Lenkerschalter.
Die Gabel der Explore lässt sich in der Vorspannung um 15 mm und in der Zugstufe in elf Stufen einstellen. Die Tauchrohre sind golden eloxiert. Sitzheizung und Heizgriffe haben jeweils zehn Stufen. Der Hauptständer ist vor allem für die Kettenpflege praktisch.
Die Zusatzausstattung kostet Gewicht: Die Explore wiegt fahrbereit 224 kg (494 lbs). Außerdem gibt es sie in eigenen Farben, nämlich Forest Green sowie Midnight Black mit Akzenten in Sage Blue. Die Standard-RW700 ist in Sage Blue und Power Grey erhältlich.
Wie funktioniert das Yamaha Dynamic Ride der RW350?
Bei der RW350 sitzt der Motor fest im Rahmen, nur die Variomatik schwingt mit dem Hinterrad mit. Yamaha nennt diese Bauweise Yamaha Dynamic Ride und setzt sie zum ersten Mal ein.
Bei den meisten Rollern bilden Motor und stufenloses Getriebe (CVT) eine Einheit, die als sogenannte Triebsatzschwinge komplett mit dem Hinterrad auf und ab federt. Das ist einfach, macht das Heck aber schwer. Bei der RW350 bewegt sich dagegen nur das Variomatik-Modul um die Achse der Kurbelwelle. Zur Schwinge gehören außerdem der Antriebsriemen und die Fliehkraftkupplung. Auf der rechten Seite stützt ein Schwingenarm, der im Motorgehäuse gelagert ist, die Konstruktion ab.
Der Vorteil: Die ungefederten Massen am Hinterrad sinken, die beiden hinteren Federbeine sollen dadurch feiner ansprechen. Ein Ausgleichsmechanismus reduziert zusätzlich die Vibrationen. In der Mittelklasse ist ein rahmenfester Motor selten. Der SYM ADXTG 400 geht einen ähnlichen Weg, nutzt aber Kettenantrieb und ein Zentralfederbein.
Auffällig ist der hintere Federweg von nur 105 mm. Die beiden Federbeine lassen sich in der Vorspannung siebenfach verstellen. Vorn arbeitet eine Upside-down-Gabel mit 37 mm Standrohren und 140 mm Federweg. Die Bodenfreiheit liegt bei 185 mm, die Sitzhöhe wie bei der RW700 bei 810 mm.
Die Räder der RW350 sind aus Aluguss, vorn 16 und hinten 14 Zoll groß. Ihr Design lehnt sich an Rallye-Autos an. In der hinteren Nabe sitzt ein Dämpfer, der Lastwechsel beim Gasgeben und Bremsen glätten soll. Ab Werk gibt es Dunlop D615 mit Stollenprofil in 120/70-16 und 150/70-14. Gebremst wird mit einer 282-mm-Scheibe vorn und einer 245-mm-Scheibe hinten. Der Rahmen ist ein sichtbar gestalteter Zentralrohrrahmen aus Stahl, der optisch an Spaßmodelle wie die Honda Trail 125 oder die Honda Dax erinnert.
Auch die RW350 hat mittige Fußrasten mit abnehmbaren Gummis und Fersenschutz sowie klappbare Trittbretter weiter vorn. Sie ist 2.170 mm lang, hat 1.540 mm Radstand und wiegt vollgetankt 192 kg (423 lbs).

Welche Elektronik bringen die RW-Modelle mit?
Die RW700 und die RW700 Explore haben eine Sechs-Achsen-IMU und fünf Fahrmodi, die RW350 hat drei Fahrmodi mit eigener Leistungs- und Traktionskontrolleinstellung. Tempomat, Smart Key und ein 5-Zoll-TFT-Display sind bei allen drei Modellen Serie.
Die IMU (ein Sensor, der Neigung und Bewegungen des Fahrzeugs misst) liefert bei den 700ern die Daten für eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle, eine Rutschkontrolle für das Hinterrad, eine Bremsregelung in Schräglage und eine Schlupfregelung beim Runterschalten. Die Fahrmodi sind in zwei Gruppen aufgeteilt. ROAD umfasst SPORT, STREET und ECO, GRAVEL umfasst EXPLORE und das frei einstellbare EXPLORE+. Das hintere ABS lässt sich nur im GRAVEL-Modus abschalten. Die Bremsregelung in Schräglage und die Schlupfregelung lassen sich in allen Modi deaktivieren. Zum Tempomat kommt bei den 700ern ein einstellbarer Geschwindigkeitsbegrenzer.
Die RW350 bietet die Modi STREET, EXPLORE und ECO. EXPLORE nutzt dieselbe Motorabstimmung wie STREET, lässt aber mehr Schlupf am Hinterrad zu. ECO nimmt Leistung heraus und ist für Regen und glatte Fahrbahnen gedacht.
Das Farbdisplay verbindet sich über die kostenlose App MyRide mit dem Smartphone, damit lassen sich Anrufe annehmen und Musik steuern. Mit der Garmin-App StreetCross ist Kartennavigation möglich. Es gibt drei Displaydesigns und eine USB-C-Buchse im Cockpit. Die Blinker schalten sich automatisch ab, ein kurzer Tipp löst dreimaliges Blinken für den Spurwechsel aus. Bei einer Vollbremsung blinken beide Blinker automatisch. Das Staufach unter der Sitzbank ist bei beiden Baureihen beleuchtet und soll je nach Form einen Integralhelm aufnehmen.
Yamaha setzt bei der RW-Serie auch auf Material aus Pflanzen und Recycling, darunter den biobasierten Kunststoff Durabio. Die strukturierten Oberflächen der Verkleidung nennt Yamaha TEXNATURE. Vorbild waren der Fluss Tenryu und die Sanddünen von Nakatajima in der Nähe des Yamaha-Stammsitzes.
Gegen welche Adventure-Roller tritt die RW-Serie an?
Die RW700 tritt gegen den Honda X-ADV an, der die Klasse der großen Adventure-Roller seit Jahren prägt. Die RW350 zielt auf die Mittelklasse mit Modellen wie Honda ADV 350, Kymco X-Tera 350i und SYM ADV 300.
Wie beim X-ADV steckt auch in der RW700 Motorradtechnik unter der Rollerverkleidung. Yamaha geht beim Fahrwerk allerdings stärker in Richtung Reiseenduro, vor allem mit den Speichenrädern, den Enduro-Fußrasten und den GRAVEL-Modi.
In der Mittelklasse liegt die RW350 bei den Leistungsdaten auf dem Niveau der Konkurrenz. Beim Gewicht bewegt sie sich ebenfalls im Umfeld: Der Honda ADV 350 wiegt 186 kg, der neue Kymco X-Tera 350i 195 kg. Beim hinteren Federweg liegt der Honda mit 130 mm vorn, obwohl er eine klassische Triebsatzschwinge nutzt.

Wann kommt die Yamaha RW-Serie und was kostet sie?
Preise hat Yamaha für keines der drei RW-Modelle genannt. Die RW350 soll Mitte des Frühjahrs 2027 auf den Markt kommen, für die RW700 und die RW700 Explore gibt es noch keinen konkreten Termin.
Für die RW-Modelle bietet Yamaha eigenes Zubehör an. Dazu gehören Alu-Seitenkoffer, ein Topcase, Softtaschen sowie Schutzteile für Kühler, Verkleidung und Scheinwerfer. Einige Preise sind bereits bekannt: Ein Topcase mit 34 Litern kostet 249,95 Euro (circa 280 US-Dollar), das schlüssellose Topcase mit 45 Litern 339,95 Euro (circa 381 US-Dollar). Für die 700er gibt es ein LED-Nebelscheinwerfer-Kit für 385,95 Euro (circa 433 US-Dollar), für die RW350 nachrüstbare Heizgriffe für 307,95 Euro (circa 345 US-Dollar).
Die RW350 gibt es in Sage Blue, Arashi Sand und Midnight Black.

Häufige Fragen
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Wie viel PS hat die Yamaha RW700?
Die Yamaha RW700 hat 69,3 PS (51 kW) bei 8.250/min und 65 Nm Drehmoment. Für Fahrer mit A2-Führerschein gibt es eine Version mit 47,6 PS (35 kW). Das gilt auch für die RW700 Explore.
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Was wiegt die Yamaha RW700?
Die RW700 wiegt vollgetankt 221 kg (487 lbs). Die RW700 Explore kommt wegen ihrer Zusatzausstattung auf 224 kg (494 lbs), die RW350 auf 192 kg (423 lbs).
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Hat die Yamaha RW700 eine Automatik?
Ja, die RW700 nutzt das automatisierte Sechsganggetriebe Y-AMT. Es schaltet vollautomatisch oder per Wippschalter am Lenker, einen Kupplungs- oder Schalthebel gibt es nicht.
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Was kostet die Yamaha RW350?
Einen Preis für die RW350 hat Yamaha noch nicht genannt. Der Marktstart ist für das Frühjahr 2027 geplant.
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Wie hoch ist die Sitzhöhe der RW-Modelle?
Alle drei RW-Modelle haben eine Sitzhöhe von 810 mm. Die Sitzbank ist vorn schmal geschnitten, damit die Füße leichter den Boden erreichen.
➜ Alle technischen Daten zu den Modellen findest du in unserer Motorrad-Datenbank: Yamaha RW700 2027, Yamaha RW700 Explore 2027 und Yamaha RW350 2027.
➜ Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Übersicht: Neue Motorräder 2027: Alle Modelle, Neuheiten und Highlights im Überblick. Dort findest du alle wichtigen Informationen zum Thema gebündelt.
➜ Mehr zum Thema auch in unserem Überblick: EICMA 2026: Alle Neuheiten und Premieren aus Mailand im Überblick.












