- Daniel Holgado fährt ab 2027 für Gresini an der Seite von Joan Mir, der Vertrag läuft über zwei Jahre
- Senna Agius soll bei Tech3 einen Einjahresvertrag erhalten, vermutlich mit Option auf Verlängerung
- Manuel Gonzalez führt die Moto2-WM an und bleibt trotzdem 2027 bei IntactGP
Die MotoGP-Saison 2027 bringt einen technischen Neustart und einen deutlichen Generationswechsel. Fünf Rookies sollen neu ins Feld kommen, vier davon aus der Moto2. Zwei von ihnen stehen gerade besonders im Blick. Daniel Holgado spricht offen darüber, warum er schon nach nur zwei Jahren in der mittleren Klasse aufsteigt. Günther Steiner erklärt, warum Tech3 Senna Agius verpflichtet hat und nicht dessen Teamkollegen Manuel Gonzalez, der die Moto2-Wertung anführt. Beide Geschichten zeigen, nach welchen Kriterien Teams für die neue Ära ihre Fahrer auswählen.

Welche Rookies starten 2027 in der MotoGP?
Für 2027 werden fünf Neulinge erwartet: Daniel Holgado, Senna Agius, David Alonso und Izan Guevara aus der Moto2 sowie Nicolò Bulega aus der Superbike-WM. Holgado fährt für Gresini-Ducati, Agius für Tech3-KTM und Guevara für Pramac-Yamaha an der Seite von Toprak Razgatlioglu.
David Alonso hat bei Honda einen Mehrjahresvertrag unterschrieben. Bei welchem Team er fährt, steht noch nicht fest. Bulega soll bei VR46 den Platz von Franco Morbidelli übernehmen. Offiziell bestätigt war dieser Wechsel zuletzt noch nicht.
Für Aufsteiger gilt 2027 als günstiger Zeitpunkt, weil sich die Technik grundlegend ändert. Der Hubraum sinkt auf 850 ccm, die Aerodynamik wird kleiner, und Ride-Height-Devices sind verboten. Das sind Systeme, mit denen die Fahrer die Höhe des Motorrads beim Beschleunigen absenken. Außerdem wechselt die Reifenmarke von Michelin zu Pirelli. Weil alle Teams und Fahrer mit neuen Motorrädern beginnen, fällt der Erfahrungsvorsprung der Stammfahrer kleiner aus als in früheren Jahren.
Warum steigt Daniel Holgado schon nach zwei Moto2-Jahren auf?
Holgado sieht im neuen Reglement eine einmalige Gelegenheit. Weil 2027 Reifen, Motoren und Aerodynamik gleichzeitig wechseln, hält er den Moment für Rookies für besonders passend.
Die Gespräche mit den MotoGP-Teams begannen früh in der Saison. Damals lag der Spanier auf Rang zwei der Meisterschaft. Er startete mit Platz drei in Thailand und einem Sieg in Brasilien und führte nach zwei Rennen sogar die WM an. Für ihn sei damals klar gewesen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, und die Teams hätten das genauso gesehen. Ob er lieber noch ein Jahr um den Moto2-Titel gekämpft hätte, lässt er offen. Seine Haltung fasst er so zusammen: „Die Chance auf die MotoGP kommt vielleicht nur einmal im Leben und dann muss man sie nutzen.“
Holgados Werdegang erklärt das Interesse der Teams. 2021 gewann er die Moto3-Juniorenweltmeisterschaft. In der Moto3-WM holte er vier Siege und wurde 2024 Vizeweltmeister hinter David Alonso. 2025 wechselte er mit dem Aspar-Team in die Moto2, gewann als Neuling zwei Rennen, stand fünfmal auf dem Podium und beendete die Saison als bester Rookie auf Platz sechs. 2026 kamen neben dem Sieg in Brasilien weitere Podestplätze in Mugello und Silverstone dazu.
Aktuell liegt er in der Moto2-WM auf Rang sechs. Nach seinen Worten fährt er an den meisten Wochenenden konstant in die Top 5. Verbessern will er sich vor allem im Rennen selbst, im Qualifying laufe es bereits gut. Für den Rest der Saison nimmt er sich vor, in jedem Rennen um das Podium zu kämpfen.
Welchen Vorteil bringt die Erfahrung mit Pirelli-Reifen?
Holgado kennt die Pirelli-Reifen bereits aus der Moto2 und hält das für einen wichtigen Vorteil gegenüber den aktuellen MotoGP-Fahrern. Den größten Unterschied zu Michelin sieht er im Leistungsabfall der Reifen über die Renndistanz.
„Pirelli ist meiner Meinung nach ganz anders als Michelin, vor allem was den Drop betrifft“, sagt Holgado. Mit Drop ist gemeint, wie stark der Grip im Laufe eines Rennens nachlässt. Bei Pirelli sei dieser Abbau recht groß, und man brauche Rennerfahrung, um den Reifen richtig zu verstehen. Genau diese Erfahrung bringen die Moto2-Aufsteiger mit.
Ob der Fahrer in der neuen Ära wichtiger wird, weil die Aerodynamik schrumpft, beantwortet Holgado vorsichtig. Er glaubt schon, dass sich etwas verschiebt. Das Motorrad und die Arbeit der Hersteller bleiben aus seiner Sicht aber entscheidend. Weil alles neu ist, müssten die Hersteller neu entwickeln und die Fahrer ihren Stil an die neuen Maschinen anpassen.
Was will Holgado von Joan Mir und Marc Márquez lernen?
Bei Gresini wird Weltmeister Joan Mir sein Teamkollege, von dem er nach eigener Aussage viel lernen will. Zusätzlich hofft er, als Fahrer eines Ducati-Teams die Daten erfahrener Piloten wie Marc Márquez einsehen zu können.
Gresini stellt sein Fahrerduo für 2027 komplett neu auf. Holgado und Mir ersetzen Alex Márquez und Fermín Aldeguer, beide Fahrer unterschreiben für zwei Jahre. Mir wurde 2020 mit Suzuki MotoGP-Weltmeister und fuhr nach dem Rückzug von Suzuki vier Jahre für Honda. Sein Vertrag läuft direkt mit Gresini und nicht mit Ducati.
Márquez war für Holgado schon als Kind das große Vorbild. „Es wird verrückt sein, nächstes Jahr gegen ihn zu fahren“, sagt er. Zum ersten Mal auf einem MotoGP-Motorrad sitzen soll Holgado beim Test in Valencia nach dem Saisonfinale.
Auch in der Moto2 profitiert er von einem starken Teamkollegen. Mit David Alonso fuhr er schon in der Moto3 um den Titel, heute teilen beide die Box bei Aspar. Nach den Rennen schauen sie sich gemeinsam die Daten an. Alonso sei schnell und ein guter Teamkollege, und aus dessen Daten könne er lernen, erklärt Holgado.

Warum hat Tech3 Senna Agius und nicht Manuel Gonzalez geholt?
Laut Günther Steiner hat das Zukunftspotenzial von Agius den Ausschlag gegeben. „Potenzial für die Zukunft. Das war der ausschlaggebende Punkt“, sagt der Tech3-CEO über den 21-jährigen Australier.
Steiner nennt die Entscheidung offen schwierig. Beide Fahrer seien sehr gut, und Gonzalez liege in der Meisterschaft vor Agius. Den Unterschied macht für ihn das Alter. Agius ist drei bis vier Jahre jünger, und das gibt dem Team nach Steiners Einschätzung mehr Zeit, ihn aufzubauen. Dazu kommt seine Zielstrebigkeit. Steiner verweist darauf, dass die Familie von Agius für dessen Karriere von Australien nach Europa gezogen ist. Wer das in jungen Jahren tut, der wolle es wirklich wissen, meint Steiner. Neben dem Talent sei dieser Wille zum Erfolg sein Hauptargument gewesen.
Unter Zeitdruck stand Tech3 nach Steiners Darstellung nicht. Das Team habe lange überlegt und sich erst wenige Wochen vor der Bekanntgabe entschieden. Für die Fahrer, die zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Markt waren, habe es ohnehin keine anderen Optionen mehr gegeben. Die Zeit habe man genutzt, um möglichst gut zu entscheiden.
Welche Rolle spielte die australische Herkunft von Agius?
Steiner zufolge spielte die Vermarktung kaum eine Rolle. „Im Endeffekt keine große. Das Beste, was man vermarkten kann, ist immer noch Performance, so seltsam das auch klingen mag“, sagt er.
Das Thema liegt nahe, denn mit Agius bleibt 2027 ein Australier im Feld. Jack Miller verlässt die MotoGP nach zwölf Jahren und wechselt ins Yamaha-Werksteam der Superbike-WM. Außerdem zieht der Grand Prix von Australien 2027 von Phillip Island nach Adelaide, und dem Veranstalter bleibt so ein einheimischer Fahrer. Steiner räumt ein, dass ein australischer Pass im Vergleich zu einem spanischen ein Vorteil sein könne. Bei der Entscheidung sei das aber kein Kriterium gewesen und im Vorfeld auch nicht analysiert worden. Wer Fahrer wegen der Nationalität oder anderer Merkmale auswähle, riskiere bei ausbleibendem Erfolg das Gegenteil, argumentiert er.
Das Lager von Gonzalez sieht die Lage anders. Sein Manager Edoardo Rovelli sagte Anfang September, dass jede Verhandlung aus einem anderen Grund gescheitert sei. Auf die Frage, ob ein anderer Pass als der spanische etwas geändert hätte, antwortete er mit „Hundertprozentig“. Auch bei Ducati in der Superbike-WM soll die Nationalität eine Rolle gespielt haben. Dort habe man nach Rovellis Angaben einen Italiener gebraucht, weil in den vier Werkscockpits in MotoGP und Superbike bereits drei Spanier saßen. BMW habe dagegen erklärt, das eigene Motorrad sei noch nicht auf dem Niveau von Gonzalez.
Was ist über den Vertrag von Agius bei Tech3 bekannt?
Agius soll einen Einjahresvertrag direkt mit Tech3 abgeschlossen haben und nicht mit KTM. Vermutlich enthält er eine Option auf Verlängerung.
Sein Teamkollege wird Luca Marini, der nach Steiners Konzept die Erfahrung ins Team bringt. Die Mechanikercrew bleibt grundsätzlich gleich, neu sind die Crewchiefs. Marini arbeitet künftig mit Eneko Hernando, Agius mit Francesco Munzone. Maverick Viñales, dessen Platz Agius übernimmt, hat Steiner nach eigener Aussage kein Angebot gemacht.
Wie hat sich Senna Agius bis in die MotoGP gearbeitet?
Agius kam 2020 mitten in der Corona-Zeit mit seiner Familie nach Europa. Seine ersten beiden Jahre in der Moto3-Juniorenweltmeisterschaft verliefen mit einem 13. und einem 14. Platz als besten Ergebnissen noch unauffällig.
Die Wende kam in der Moto2-Europameisterschaft. 2022 wurde er dort Vizemeister hinter Lukas Tulovic. Als Tulovic in die Moto2-WM aufstieg, holte IntactGP Agius als Nachfolger. 2023 gewann er den EM-Titel und fuhr parallel erste Rennen in der WM. Ab 2024 bestritt er komplette Moto2-Saisons und stand beim Heimrennen auf Phillip Island erstmals auf dem Podium. 2025 folgten Siege in Silverstone und auf Phillip Island, 2026 gewann er in Austin und Jerez. Insgesamt kommt er damit auf vier Moto2-Siege.
Rückblickend beschreibt Agius die letzten Monate vor der Entscheidung als nervenaufreibend. Er habe versucht, sich auf die Ergebnisse auf der Strecke zu konzentrieren, und sieht den Aufstieg als verdient an. Als er nach Europa kam, sei er ein Niemand und völlig orientierungslos gewesen. Den Umschwung habe er innerhalb von sechs Jahren geschafft. Den Blick richtet er bereits auf Australiens große Namen Wayne Gardner, Mick Doohan und Casey Stoner. Dabei zu sein ist für ihn nur der erste Schritt, sein Ziel ist, das zu erreichen, was diese Fahrer geschafft haben.

Wie geht es für Manuel Gonzalez weiter?
Gonzalez bleibt 2027 bei IntactGP in der Moto2 und geht damit in seine dritte Saison mit dem deutschen Team. Sein Ziel MotoGP gibt er nach eigener Aussage aber nicht auf.
Sportlich hätte der 24-jährige Spanier den Aufstieg verdient. Nach 15 von 22 Rennwochenenden führt er die Moto2-WM mit 35,5 Punkten Vorsprung auf Izan Guevara an und hat fünf Saisonrennen gewonnen. Tech3 wäre seine letzte Möglichkeit für 2027 gewesen. Eine MotoGP-Maschine fuhr er bisher nur einmal: im Juni 2025 bei einem Test mit Trackhouse-Aprilia in Aragón, als Ai Ogura verletzt fehlte. Einen guten Eindruck hinterließ er dort, ein konkretes Angebot folgte daraus aber nicht.
Über den Verbleib bei IntactGP zeigt sich Gonzalez zufrieden. Er fühle sich im Team gut aufgehoben, genieße das Fahren und gewinne Rennen. „Warum sollte ich etwas Neues suchen?“, fragt er. Teammanager Jürgen Lingg sieht das genauso. Neuer Teamkollege wird David Almansa, der nach einer Saison im Moto3-Team von IntactGP aufsteigt.
Vor Gonzalez liegt nun zuerst der Titelkampf. 2025 hatte er nach sechs Rennwochenenden 61 Punkte Vorsprung auf Diogo Moreira und verlor die WM am Ende trotzdem mit 30 Punkten Rückstand. Lingg erklärt, dass Gonzalez damals bei manchen Rennen zu sehr auf Sicherheit gefahren sei. „Er war im vergangenen Jahr bei gewissen Rennen ein bisschen zu sehr im Verwaltungsmodus“, sagt der Teammanager. Diese Strategie habe das Team komplett abgestellt. Wenn sich eine Chance ergebe, gehe Gonzalez jetzt auch ein gewisses Risiko ein.
Was ist bei Honda für David Alonso noch offen?
Honda hat noch nicht entschieden, ob David Alonso oder Diogo Moreira 2027 im Werksteam neben Fabio Quartararo fährt. Der jeweils andere Fahrer soll bei LCR Honda antreten.
Honda gab Alonsos Mehrjahresvertrag am 21. Juli bekannt, allerdings ohne ein Team zu nennen. Der in Spanien geborene Fahrer startet mit kolumbianischer Lizenz. Moreira fährt 2026 als Rookie für LCR, hat aber bereits einen Werksvertrag mit Honda. Sein Vertrag läuft über zwei Jahre plus Option. Die Option greift automatisch, wenn er 2027 ins Werksteam aufrückt. Andernfalls wäre er für 2028 frei. Beide Honda-Besetzungen sollen offenbar beim Grand Prix von Japan vom 2. bis 4. Oktober verkündet werden. Damit würde sich auch klären, in welchem Umfeld Holgados langjähriger Rivale in die MotoGP startet.

Häufige Fragen
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Welche MotoGP-Rookies starten 2027?
2027 werden fünf Rookies erwartet: Daniel Holgado bei Gresini, Senna Agius bei Tech3, Izan Guevara bei Pramac, David Alonso bei Honda und Nicolò Bulega. Bulega soll bei VR46 fahren, offiziell bestätigt war das zuletzt noch nicht. Bei Alonso ist noch offen, ob er im Werksteam oder bei LCR antritt.
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Für welches Team fährt Daniel Holgado in der MotoGP?
Daniel Holgado fährt ab 2027 für Gresini-Ducati. Sein Vertrag läuft über zwei Jahre, und sein Teamkollege wird der ehemalige Weltmeister Joan Mir. Zum ersten Mal fahren soll er die MotoGP-Maschine beim Test in Valencia nach dem Saisonfinale 2026.
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Warum hat Tech3 Senna Agius statt Manuel Gonzalez verpflichtet?
Laut Günther Steiner war das Zukunftspotenzial des 21-jährigen Agius entscheidend. Er ist drei bis vier Jahre jünger als Gonzalez, was dem Team mehr Zeit für seine Entwicklung gibt. Die australische Herkunft war nach Steiners Aussage kein Kriterium.
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Warum steigt Manuel Gonzalez nicht in die MotoGP auf?
Für Gonzalez hat sich kein freies Cockpit ergeben, nachdem Tech3 sich für Agius entschieden hat. Laut seinem Manager sind alle Verhandlungen aus unterschiedlichen Gründen gescheitert. Er bleibt 2027 bei IntactGP in der Moto2, wo er die WM mit 35,5 Punkten Vorsprung anführt.
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Warum ist die Pirelli-Erfahrung für MotoGP-Rookies wichtig?
Die MotoGP wechselt 2027 von Michelin zu Pirelli, und diese Reifen kennen die Moto2-Aufsteiger schon. Holgado zufolge lässt der Grip bei Pirelli über die Renndistanz deutlich stärker nach als bei Michelin. Wer diesen Abbau aus Rennen kennt, kann damit besser umgehen.











